Wochenkommentar

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Eine politisch interessierte Jugend

Am Willen zum Engagement mangelt es nicht

Eine unpolitische Jugend? Das war einmal. Was den jungen Leuten viele Jahre lang zum Vorwurf gemacht worden ist, trifft, glaubt man der jüngsten Shell-Studie, weniger zu denn je. Im Gegenteil: Die Autoren der alle vier Jahre erhobenen Umfrage unter mehr als 2 500 Teilnehmern im Alter von zwölf bis 25 Jahren haben der aktuellen Erhebung bezeichnenderweise den Titel „Eine Generation meldet sich zu Wort“ gegeben. 41 Prozent der jungen Leute geben an, sie interessierten sich mehr oder weniger stark für Politik, Tendenz mit dem Bildungsgrad steigend. Auffallend dabei: Mädchen und junge Frauen übernehmen inzwischen die Vorreiterschaft beim politischen Engagement – man denke nur an die „Fridays for Future“. Die alles beherrschenden Themen, die dieses Engagement bestimmen und die größten Sorgen bei den jungen Leuten auslösen, sind – wie könnte es anders ein? – der Klimawandel und die Umweltzerstörung. Beim Thema Migration ist die Jugend ähnlich gespalten wie die gesamte Gesellschaft: Zwar finden 57 Prozent es gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat, aber 68 Prozent befürworten die Aussage, man dürfe in Deutschland nichts Negatives über Ausländer sagen, ohne als Rassist beschimpft zu werden. Was vielleicht am überraschendsten ist und die meiste Hoffnung gibt: 77 Prozent sind zufrieden mit der deutschen Demokratie, und die Europäische Union genießt ein hohes Ansehen.
Die Ergebnisse zeigen, dass es bei den jungen Menschen heutzutage ein großes Potential gibt, wenn die Politik und nicht zuletzt auch die Kirchen (!) es verstehen, sie an aktuellen Entscheidungen wirksam zu beteiligen. Dass dabei neue Schritte eingeschlagen werden müssen und die klassischen Beteiligungsformen nicht ausreichen, liegt auf der Hand. Das Vertrauen in die Demokratie und eine  offene Gesellschaft, das in einem nach wie vor erstaunlichen Maße vorhanden ist, darf nicht verspielt werden. Und warum sollten die Kirchen es nicht zumindest tatkräftig versuchen, in ihrem Kampf um die Bewahrung der Schöpfung und bei ihrem Einsatz für Flüchtlinge und Migranten junge Leute auf neue Weise für sich zu gewinnen? An Nächstenliebe und Willen zum selbstlosen Engagement mangelt es ihnen jedenfalls nicht.

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