Kirche und Welt

Mittwoch, 25. November 2015

Eine Überraschung und ein Abschied

Wechsel an der Spitze des Katholikenkomitees – Thomas Sternberg ist neuer Präsident des ZdK

Der gebürtig aus Grevenbrück im Sauerland stammende Thomas Sternberg studierte nach einer Bäckerlehre Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie in Münster, Rom und Bonn, provomierte 1983 in Germanistik und 1988 in Alter Kirchengeschichte. 1988 wurde er Direktor des Franz-Hitze-Hauses. Seit 2001 ist er Honorarprofessor für Kunst und Liturgie an der Universität Münster. Bereits seit 1997 ist er Sprecher für kulturpolitische Grundfragen im ZdK. 2005 wurde er als CDU-Abgeordneter in den nordrhein-westfälischen Landtag gewählt. Sternberg ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Foto: KNA

Der Wahlsieger war am Ende selbst überrascht. Thomas Sternberg galt als Außenseiter bei der Wahl zum Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Doch am Freitag machte der nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete auf der Herbstvollversammlung des ZdK in Bonn das Rennen. Gleich im ersten Wahlgang konnte sich Sternberg gegen die favorisierte Mitbewerberin Maria Flachsbarth durchsetzen. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium – wie Sternberg ebenfalls in der CDU – kam auf 75 von 190 Stimmen, für Sternberg votierten 110 Teilnehmer, bei fünf Enthaltungen.

Ein breiter Rückhalt für Sternberg, der ebenso wie Flachsbarth Wert auf eine faire Auseinandersetzung legte. Das in Medienberichten genutzte Wort von der Kampfkandidatur mochte im ZdK niemand hören. Der CDU-Politiker überzeugte die Vollversammlung mit klaren Ansagen. Etwa, dass künftig die ökumenische Arbeit noch mehr in den Vordergrund zu rücken sei, um in einer säkularen Gesellschaft als Christen Gehör zu finden. Oder dass sich das ZdK im Dialog mit dem Islam stärker profilieren müsse.

Selbstbewusst blickte der 63-Jährige auf das Verhältnis des Katholikenkomitees zur Deutschen Bischofskonferenz. Die katholischen Laien müssten stärker in die politische Debatte gehen, sagte er in einem ersten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kernkompetenz der Bischöfe hingegen liege im pastoralen Bereich. In jüngster Zeit habe er den Eindruck gehabt, so Sternberg, dass das ZdK mehr Pastoral, die Bischofskonferenz mehr Politik betreibe. „Wir sollten die Stärken besser nutzen und die Kräfte bündeln.“

Ein frischeres und lebendigeres Auftreten wünscht sich der neue ZdK-Präsident. Wie nötig das ist, zeigte der weitere Verlauf der Vollversammlung, die am 21. November endete. Die Diskussionen über die Flüchtlingskrise oder die Kulturpolitik wurden wie immer mit Engagement geführt. Aber eine brillante Analyse von ZDF-Chefredakteur und ZdK-Mitglied Peter Frey zur politischen Rolle der Kirche – am Samstag vorgetragen mit Blick auf die aktuellen Terrormeldungen aus Brüssel – ließen die Teilnehmer eher im Raum stehen. Wie sich solche Impulse jenseits von Ad-hoc-Arbeitsgruppen und Erklärungen aufnehmen lassen, wird eine wichtige Frage unter der Präsidentschaft Sternbergs sein.

Dennnoch verfügt das ZdK über Anziehungskraft im politischen und gesellschaftlichen Raum. Glückwünsche für Sternberg gab es nicht nur vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sondern auch von Bundespräsident Joachim Gauck und SPD-Chef Sigmar Gabriel. In Bonn sehen ließen sich auch prominente ZdK-Mitglieder wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet sowie die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und die rheinland-pfälzische Oppositionsführerin Julia Klöckner (beide CDU).

Der Dank der Vollversammlung ging an Sternbergs Vorgänger Alois Glück. Sechs Jahre lang hatte der CSU-Politiker die Geschicke des Gremiums geleitet. Zum letzten Mal hatte er vor der Wahl als Präsident das Wort im Plenum ergriffen. Von einem „Vermächtnis“ zu sprechen, würde dem nüchtern-pragmatischen Wesen Glücks wohl widersprechen. Aber eindrücklich rief der scheidende ZdK-Chef dazu auf, weiter Menschen für die Mitarbeit in Verbänden und Parteien zu gewinnen. Um eine Demokratie lebendig zu halten, brauche es mehr als Facebook und Co. Innerkirchlich warnte Glück noch einmal davor, sich in Grabenkämpfen zu verlieren.

Es folgte minutenlanger Applaus. Nach dem Gedenken an die Opfer des islamistischen Terroranschlags von Paris – ein gesungenes französisches „Vater unser“ gefolgt von der auf Deutsch gebeteten Fassung – war das ein zweiter Gänsehaut-Moment gleich zu Beginn der Vollversammlung.


Katholikenkomitee ergreift Partei für Flüchtlinge

Zum Abschluss seiner Herbstvollversammlung hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich gegen weitere Beschränkungen beim Familiennachzug bei Flüchtlingen ausgesprochen. Wörtlich heißt es in dem Papier: „Den schon jetzt streng reglementierten Familiennachzug noch weiter zu begrenzen und den Ehepartnern und Kindern der Geflüchteten die Einreise nach Europa und damit den Schutz vor Krieg und Gewalt zu verwehren, widerspricht zutiefst unserer christlichen Überzeugung.“ (red)

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