Kultur

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Einfach nur schön ist zu wenig

Maßvoller Adventsschmuck hat auch in Kirchen und Klöstern Einzug gehalten

In vielen Gotteshäusern werden die Weihnachtsbäume sehr zurückhaltend geschmückt – etwa mit Strohsternen. Foto: kna

Engel, Gestecke,Glitzerschmuck und Lichterketten – in deutschen Haushalten wird in der Vorweihnachtszeit geschmückt, was das Zeug hält. Auch in Kirchen halten jetzt Tannengrün und Kerzen Einzug. Dabei gilt: Der Advent ist eine Bußzeit, und entsprechend dezent fällt der Schmuck in Kirchen, Domen und Klöstern aus. Erst an Weihnachten wird es dann heller und üppiger.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts habe es in Kirchen gar keinen Adventsschmuck gegeben, weiß der Theologe und Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti. „Der Advent galt als Fastenzeit, Adventsschmuck war indiskutabel.“ In katholischen Kirchen tauchte der heute bekannte Adventskranz erstmals 1925 auf. In manchen Kölner Kirchen gibt es eine andere Variante – die Kerze für den dritten Advent, den Gaudete-Sonntag, ist in rosa gehalten, als Ausblick auf das Weihnachtsfest.

Auch Christbäume hielten erst im 19. Jahrhundert Einzug in katholische Kirchen. Längst hatten sie, von Kerzen erhellt und mit Schmuck versehen, evangelische Stuben erreicht. Deshalb waren sie bei Katholiken als protestantischer Brauch „verpönt“;  sie begnügten sich mit grünen Zweigen, weiß der Theologe.

Etwas mehr darf es da heute schon sein. Im Kölner Dom sorgt in den Wochen vor Weihnachten „ein der Größe des Domes angemessener Kranz“ mit roten Kerzen für eine besinnliche Atmosphäre, erklärt Matthias Deml von der Dombauhütte. Ein weiterer, kleinerer Kranz hänge in der Sakramentskapelle. Zum ersten Advent wurde auch die Krippe aufgebaut.

„Relativ duster“ ist es in der adventlichen Bußzeit in der Abteikirche von Maria Laach, sagt Reinhard Schmitt, Leiter der Gärtnerei des Benediktinerklosters. Statt eines Adventskranzes komme eine große Wurzel zum Einsatz, die nur mit Tannengrün und erdfarbenen Kerzen geschmückt werde. Zu Weihnachten wirke die romanische Kirche dann „heller und leuchtend“. Dafür sorgen 16 große, dezent beleuchtete Tannenbäume, Weihnachtssterne am Ambo und die Krippenlandschaft.

Der Advent sei ein „geistlicher Weg der Vorbereitung“, betont Schwester Magdalena Morgenstern, nicht nur eine Frage der richtigen Deko. „Einfach nur hübsch ist zu wenig“, erklärt die Generaloberin der Sießener Franziskanerinnen. In den Gemeinschaftsräumen werde der „christlichen Symbolik die Vorfahrt gelassen“,  mit Adventskränzen, Tannenzweigen vom Klostergelände, später der Krippe. „Früher kamen die Schwestern zusammen, wenn am Baum die Kerzen entzündet wurden“, erinnert sich die Ordensfrau mit ein bisschen Wehmut. Heute gebe es aus Sicherheitsgründen elektrische Kerzen an den Weihnachtsbäumen. Gerade in den baro-cken Gebäudeteilen müsse Rußbildung vermieden werden.

Schwester Magdalenas liebster Schmuck ist das „Hummelkind“, Jesus als Baby. Schließlich habe dessen Schöpferin, Schwester Innozentia Hummel, der Sießener Gemeinschaft angehört. „Das ist für uns die wichtigste Figur; in der Krippe und Refektur haben wir nur sie – ohne Maria, Josef, Ochs und Esel.“

Zum Thema Deko hat die Ordensfrau eine ganz klare Haltung: „Wir bereiten den Raum; das ist ein geistlicher Vollzug, der in der Gestaltung einen Ausdruck findet“. Das sei weit mehr als nur Deko. (A. Prauß)

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