Kirche und Welt

Mittwoch, 21. November 2018

Erstmals mit Frau an der Spitze

Kolpingwerk stellt bei Bundesversammlung in Köln Weichen für die Zukunft

Erstmals wurde eine Frau an die Spitze des katholischen Sozialverbands Kolpingwerk gewählt: die Mainzer CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Groden-Kranich (53). Foto: KNA

„Leuchtturm oder Kerzenstummel?“ So hieß ein 2017 veröffentlichtes Buch über die Zukunft katholischer Verbände in Deutschland. Was bleibt von der früheren Strahlkraft von Kolping, KAB oder Katholischer Frauengemeinschaft, die über Jahrzehnte ein Reservoir für gesellschaftliches und politisches Engagement in Deutschland waren?

Das Kolpingwerk Deutschland stellt sich diesen bisweilen schmerzhaften Fragen. 2017 hat der Verband unter dem Titel „Kolping Upgrade“ einen Zukunftsprozess gestartet, der erst 2022 abgeschlossen sein soll. Bei der an diesem Wochenende (16. und 17. November)  in Köln stattfindenden Bundesversammlung wollten die 370 Delegierten Weichen stellen und den weiteren Fahrplan erstellen. Im April hatten 20 Regionalforen über das künftige Profil des 1850 von dem früheren Schuhmachergesellen und späteren Geistlichen Adolph Kolping (1813 bis 1865) gegründeten Verbandes beraten.


Neue Führungsspitze

Weichen stellt der Verband auch bei der Wahl einer neuen Führungsspitze: Thomas Dörflinger (53), von 1998 bis 2017 für die CDU im Bundestag und Mitglied des Berliner Kreises, einer CDU-internen Gruppe aus Modernisierungsskeptikern, kandidiert nach 14 Jahren nicht erneut für den Vorsitz. Erstmals wurde eine Frau an die Spitze des katholischen Sozialverbands gewählt: die Mainzer CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Groden-Kranich (53). Die gelernte Bankkauffrau, die als „richtiges Meenzer Mädche“ an einem Rosenmontag in der Karnevalshochburg Mutter wurde, nennt die Europa- und Familienpolitik sowie die Kultur- und Medienpolitik ihre zentralen Themen in der Bundespolitik.

Was macht die Marke „Kolping“ in Zeiten von Kirchenkrise, demografischem Wandel und wachsendem Individualismus aus? Immer noch gehören 35 Bundestagsabgeordnete dem Verband an. Zu den Aktivitäten gehören auch 230 Kolpinghäuser, 22 Bildungsunternehmen mit 150 Einrichtungen und 4 600 Mitarbeitern sowie Familienferienstätten mit jährlich rund 30 000 Gästen.

Zwei Drittel der Deutschen kennen den Begriff „Kolping“, wie eine 2017 veröffentlichte repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstitut insa consulere ergab. Andererseits: Nahezu 80 Prozent derjenigen, die den Begriff Kolping kennen, können nicht sagen, wofür er eigentlich steht.


Schrumpfende Mitgliederzahl

Die Mitgliederzahlen gehen unterdessen laut Bundesvorstand beständig nach unten. Seit dem Allzeithoch im Jahr 2000 ist das Kolpingwerk um knapp 15 Prozent geschrumpft. Waren es 2010 rund 256 000, sind es 2017 noch etwa 234 00 Mitglieder. Eine ebenfalls 2017 durchgeführte verbandsinterne Umfrage ergab ein für wohl viele kirchliche Verbände typisches Profil: zunehmender Altersdurchschnitt der Mitglieder, hohe Identifikation mit der Kolpingfamilie vor Ort, deutlich geringere Identifikation mit dem Gesamtverband auf Bundesebene und hohe Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement.


Breite Handlungsfelder

Arbeit mit und für junge Menschen, Engagement in der Arbeitswelt, Einsatz für Familien und für die „Eine Welt“ – das sind die zentralen Handlungsfelder des Verbandes. „Mein Eindruck: Kolping steht für ganz viel Verschiedenes. Aber genauso für nichts so richtig“, schreibt Bernhard Mittermaier, Mitglied des Beraterkreises des Kolpingwerkes Deutschland, in einer kritischen Bilanz. Deshalb dränge sich sofort die Frage auf, ob Kolping sich auf weniger Aktivitäten und Zielgruppen konzentrieren müsse.

Neu bestimmt werden soll im Zukunftsprozess auch die Position des Verbandes in der katholischen Kirche. Da geht es etwa um die Frage, wie sich die 2 400 Kolpingfamilien vor Ort in den zusammengelegten Großgemeinden einbringen. Aber es geht auch um den Umgang mit Nichtchristen, aus der Kirche Ausgetretenen, in homosexueller Ehe Lebenden oder wiederverheiratet Geschiedenen.


Keine Edelkatholiken

„Schon Adolph Kolpings Gesellenvereine waren keine Vereinigungen von Edelkatholiken“, so formulierte es ein Kolping-Vertreter. In der Mitglieder-Umfrage sprachen sich fast 83 Prozent dafür aus, dass auch Nichtchristen Mitglied im Kolpingwerk werden dürften. Eine knappe Mehrheit (47,78 Prozent gegenüber 42,96 Prozent) ist dafür, dass nur Mitglieder einer christlichen Kirche Leitungsfunktionen übernehmen können. (Christoph Arens)

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