Geistliches Leben

Freitag, 20. September 2019

Es geht nicht (nur) um das Geld

Jesus fordert die richtigen Entscheidungen im Sinne Gottes - Gedanken zum Lukas-Evangelium 16, 10-13 von Pastoralreferentin Annette Schulze

„Über Geld spricht man nicht“ – diese Redewendung scheint Jesus nicht gekannt zu haben, oder er hat sich bewusst dagegen gewandt. Er thematisiert den Umgang mit Geld und Besitz. Er stellt dem „Mammon“ Gott gegenüber und den Menschen vor die Entscheidung zwischen beiden.

Gott und der Mammon – wenn es dabei nur um Geld geht, fällt uns die Entscheidung nicht schwer: klar steht Gott vor und über dem Geld. Allerdings klingt dabei auch das Thema Sicherheit an – echte und greifbare Sicherheit, die wohl tut und gut schlafen lässt. Kein übertriebener Luxus, aber ein Häuschen im Grünen, ein bisschen Geld auf der hohen Kante, eine gute Rentenversicherung. Mit diesen Überlegungen wird es schon schwieriger, eine Entscheidung zu treffen,  denn Gott steht zwar eindeutig für das Leben, aber auch für den Ruf zum Aufbruch – in das Land, das er uns zeigen wird. Das ist, wie wir immer wieder erfahren müssen, nicht unbedingt der Ort, an dem wir uns wohlfühlen.

Wenn wir uns für Gott entscheiden, könnte unser Leben anders werden: unsicherer, herausfordernder, anstrengender. Aber mit Gott auf dem Weg bleiben wir garantiert „in Bewegung“ und – lebendig. Mit allen Höhen und Tiefen. Gott steht für das Leben – nicht für die starre Sicherheit einer Mauer in einer noch so schönen Umgebung. Genauer hingeschaut, gibt es die Unsicherheiten, Herausforderungen, Enttäuschungen und Anstrengungen in jedem menschlichen Leben – dann wäre die Frage nicht, wie wir sie umgehen und ein „schönes Leben“ führen können, sondern wie wir es schaffen, Höhen und Tiefen in unserem Leben anzunehmen und zu bewältigen. Das geht einfacher, besser auf dem Weg mit einem Gott, der sich nicht zu schade ist, selbst Unsicherheit und Enttäuschung auszuhalten, der den Weg mit uns bis ans Kreuz geht – an unser Kreuz. Ob es eine schwere Erkrankung ist oder die Sorge um den verlorenen Sohn, die verlorene Tochter. Dieses persönliche Kreuz zu tragen wird nicht schöner, nicht attraktiver – die Herausforderung, es anzunehmen, bleibt auch im Glauben bestehen. Aber der Blick über die eigene Anstrengung hinaus, über das eigene Leid hinaus zu dem anderen Menschen, der auch sein Kreuz zu tragen hat, relativiert unser persönliches Schicksal. Wir schauen über unsere eigene Macht oder Ohnmacht hinaus auf Jesus Christus hin, der die Perspektive geweitet hat über das Sichtbare und Vorstellbare hinaus – in ein ewiges Leben.

Die Entscheidung für Gott und das göttliche Leben ist aber nicht nur im Großen zu treffen – im Evangelium ist auch von Zuverlässigkeit und rechtem Handeln die Rede, die Jesus im Kleinen wie im Großen von uns erwartet. Nicht nur auf die eine Lebensentscheidung kommt es an, sondern auf jede einzelne Entscheidung, die das alltägliche Miteinander uns abverlangt. Die Entscheidung für eine Partnerschaft und Ehe treffe ich nicht nur am Tag der Hochzeit. Sie wird fassbar und konkret im Umgang miteinander: im Verständnis für die Macken, im Staunen über die guten Ideen. Auch und gerade im Ärger über das, was mir schwerfällt – an mir selbst oder an meinem Partner – entscheide ich mich immer wieder neu: für das gemeinsame Leben.

In den kleinsten Dingen zuverlässig sein und Recht tun, meint auch: was ich tue, ist von Bedeutung. Ich kann mir nicht vormachen, dass mein Handeln gar nicht auffällt, von niemand bemerkt wird. Wenn ich bei „rot“ über die Straße laufe, ist das nicht so schlimm und schadet auch erst einmal niemand. Aber wenn ich dieselbe Entscheidung hinter dem Steuer meines Autos treffe, kann sie fatale Folgen haben. Mein Handeln ist immer noch eine „Kleinigkeit“, aber eine ganz wesentliche – für mich und möglicherweise auch für andere Menschen. Nach den Worten und dem Denken Jesu ist es eher so, dass es gerade auf mich und meinen Beitrag ankommt. Meine Stimme zählt bei der Wahl, meine Wortmeldung verändert das Gespräch. Auch wenn ich damit nicht die Welt verändern kann, mein Beitrag macht einen Unterschied.

Wenn wir uns im Kreis der Ehrenamtlichen in der Klinikseelsorge über unsere Erfahrungen bei Besuchen und Begegnungen austauschen, geht es oft um ganz kleine Dinge. Zum Beispiel darum, mich dem einen Menschen zuwenden, der gerade mein Gegenüber ist, ihm/ihr meine Zeit und Geduld, meine Kraft und mein Interesse zu schenken. Wenn wir mit diesem einen Menschen Sorgen und Fragen, Zuversicht und Hoffnung teilen, ist das keine weltbewegende Aktion, und doch verändert sich immer wieder die Welt – für unser Gegenüber und für uns selbst. Wir entscheiden uns, den scheinbar unbedeutenden Moment ernst zu nehmen und erfahren darin Bestärkung und Sinn.

Diese Momente hat Jesus nicht thematisiert – und hat in seinen Worten und Bildern doch auch über unser Leben gesprochen – über die Kleinigkeiten, auf die es ankommt, über das Geld und manch andere Themen, über die „man“ nicht spricht – und er hat etwas in Bewegung gebracht. Vielleicht kann das Evangelium uns in Bewegung bringen – und zum Nachdenken, welche kleinen und großen Entscheidungen uns herausfordern, und wo es auf uns ankommt.

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