Kultur

Donnerstag, 23. März 2017

Eselsohren im Buch der Bücher

Experten geben Entscheidungshilfen für den Kauf von Kinderbibeln – Tipp: Erst- und Folgebibel

Groß ist die Auswahl an Kinderbüchern und Kinderbibeln. Foto: KNA

Beide großen Kirchen in Deutschland haben die Bibel neu aufgelegt. Schneller als gedacht musste nachgeordert werden. Seit Jahren ein Dauerbrenner sind Kinderbibeln. Experten sprechen von über hundert Varianten in Deutschland. Immer wieder kommen neue Ausgaben dazu – ganz aktuell eine Sachbibel mit Klappen und Erklärkästen, einem auch zu Martin Luther, weil das Reformationsgedenken Anlass des Erscheinens ist.

„Das Buch soll wie ein Schlüssel sein, der den Kindern die Tür zur Bibel öffnet“, erklärt Autorin Andrea Erne. Die 58-Jährige ist Tochter eines protestantischen Pfarrers, ihr Mann ist Theologe – nun hat sie sich selbst drei Jahre intensiv für „Wir entdecken die Bibel“ aus der „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe (Ravensburger) mit dem Thema auseinandergesetzt. „Ich wollte, dass Kinder sich die Bibel besser mit einem nachhaltigen Effekt erschließen können“, sagt sie. Oft fehle Familien der Bezug zur Religionserziehung.

Erne war bewusst, dass sie sich mit keinem Alltagsthema beschäftigt. „Statt wie sonst den Job von Polizei oder Feuerwehr darzustellen, lag ein bewegender Abschnitt der Menschheitsgeschichte vor uns“, so die Autorin. Theologische Fachberater begleiteten die Entstehung des Buches.

Auch der katholische Religionspädagoge Georg Langenhorst weist auf
einen höheren Anspruch einer Kinderbibel im Vergleich zu einem Kinderbuch hin. So sollte in der Bebilderung seinen Worten nach „Mut zur Sachlichkeit“ bewiesen werden. „Die Autorität der Bibel sollte ernst genommen werden“, erklärt der Augsburger Professor. Auch solle den Kindern ruhig etwas zugetraut werden. „Statt süßen Hündchen und Kätzchen können die Illustrationen einen Zusatzwert bieten“, so das Jury-Mitglied des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises.
Die Darstellung der Geburt Jesu im Klappenbuch von Erne könnte dem
Pädagogen gefallen. „Wir hätten die Szene wie gewohnt prominent auf einer Seite abbilden können, jedoch wollten wir diesem großartigen Ereignis auch eine besondere Spannung geben“, erläutert die Autorin. Es entstand eine Darstellung von Hirten auf dem Felde, die in der dunklen Nacht am Himmel ein gleißendes Licht erblicken – und erst, wenn das Kind beim Lesen die Klappe in der Abbildung öffne, erhalte es Einblick in die „emotional packende Geburtsszene“. „Die Kinder werden hingeleitet zum Jesuskind in der Krippe“, so die Mutter zweier Töchter.

Irene Renz beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Kinderbibeln. „Zwar rücken besonders die alttestamentlichen Geschichten in die Nähe von Sagen und Märchen. Der Unterschied liegt jedoch im Gottesbezug. Daher gibt es keine Märchengemeinde, aber die Christengemeinde“, unterstreicht die evangelische Religionspädagogin. Ob die Geschichten historisch wahr sind, spiele bei jüngeren Kindern eine untergeordnete Rolle: „Realität und Fantasie gehen hier noch ineinander über“, sagt Renz. Den Satz „Das ist keine Sachgeschichte, sondern eine Bedeutungsgeschichte“ gibt sie Eltern gerne an die Hand.

Eine einzige zu empfehlende Kinderbibel mögen Renz und Langenhorst
nicht herausheben. Zu unterschiedlich seien familiärer Kontext, Alter, Interesse und Entwicklung der Kinder. Eltern sollten vor dem Kauf intensiv durch den Kinderbibel-Wald stöbern. Renz tendiert dazu, eine Erst- und eine umfangreichere Folge-Bibel im Haushalt zu haben. „Denn hier werden unterschiedliche Gottesbilder präsentiert“, so die Kielerin. „Wenn der ,liebende Gott‘ in der Erstbibel angenommen ist, dann können Kinder auch mit dem strafenden in der Folgeversion umgehen.“

Und welche Geschichten sollte eine Kinderbibel enthalten? Der Grundkanon sei bei fast allen gleich, so die Fachleute: Schöpfung, Arche Noah, Abraham, Jesu Geburt, Wirken und Tod sowie Auferstehung. Was nicht fehlen dürfe, sei die Nennung der Bibelstelle, sagt Renz. Nach Ansicht Langenhorsts ist es zudem wichtig, dass es sich um ein „werthaltiges“ Buch handelt, bei dem eine hochwertige Aufmachung die spezielle Bedeutung der Bibel unterstreicht. „Klar ist aber auch, dass eine Kinderbibel Eselsohren haben darf“, so der zweifache Vater. (kna)

 

Kinderbibeln für jedes Alter – Eine kleine Auswahl
Zahlreich und vielfältig ist das Angebot von Kinderbibeln auf dem deutschen Buchmarkt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) stellt eine Auswahl aktueller Titel vor:

Für die Allerkleinsten:
Das handliche Pappbilderbuch „Bibelwörter“ zeigt 20 Begriffe aus Altem oder Neuem Testament wie „Himmel“ , „Schlange“, „Brot“ oder „Turm“. Die schlichten, bunten und großformatigen Zeichnungen sind mit entsprechender Bibelstelle versehen.
„Bibelwörter“ von Susanne Göhlich, Moritzverlag, 2017, 24 Seiten, 8,95 Euro.

Für die Kleinsten:
Kurz und knapp kommen die 15 Geschichten in „Die Bibel für die Kleinsten“ daher. Farbenfrohe Illustrationen und freundlich gezeichnete Menschen vereinfachen den Einstieg in das Bibelthema.
„Die Bibel für die Kleinsten“ von Bethan James (Text) und Krisztina Kallai Nagy (Bilder), Herder-Verlag, 2016, 30 Pappseiten, 8,99 Euro.

Für Kräftige:
„Die Coppenrath Bibel für die Kleinen“ macht einiges her: Ein dickes, robustes Exemplar mit goldenen Ecken – Evangelium-gleich. Im Einband weist der Satz „Sei lieb zu diesem Buch“ auf die Besonderheit des Buches hin. Elf alt- und 18 neutestamentarische Episoden auf anschaulich gestalteten Pappseiten.
„Die Coppenrath Bibel für die Kleinen“, Jutta Bergmoser (Text) und Michaela Heitmann (Bilder), Coppenrath Verlag, 2017, 48 Pappseiten, 12,95 Euro.

Für Entdecker:
Ein Sonderband aus der „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe fasst die wichtigsten und eindrücklichsten Episoden des Alten und Neuen Testaments zusammen und stellt einen Sachzusammenhang her. Klappen, Erklärkästen und Sprechblasen grenzen das Buch von klassischen Varianten ab.
„Wir entdecken die Bibel“, Andrea Erne (Text) und Wolfgang Metzger (Bilder), Ravensburger Verlag, 2017, 24 Seiten, 16,99 Euro.

Für Erzählfreudige:
Wenige, jedoch etwas ausführlichere Geschichten umfasst „Meine Bibel in Erzählbildern“: Den zehn Texten aus dem Alten und zehn aus dem Neuen Testament folgt jeweils eine große Illustration auf einer Doppelseite.
„Meine Bibel in Erzählbildern“, Frank Hartmann (Text) und Stefanie Scharnberg (Bilder), Herder-Verlag, 2016, 192 Seiten, 19,99 Euro.

Für verspielte Fortgeschrittene:
Die Bilder in dieser Kaufmann-Ausgabe sind zwar realitätsnah, aber mit einer Verspieltheit versehen, die sich auch in den farbigen Kapitelüberschriften widerspiegelt. Überrascht hat die Aufnahme der Bibelstelle mit dem „Vater unser“ unter den 35 alt- und 36 neutestamentarischen Texten.
„Die Kinderbibel“, Karin Jäckel (Text) und Angela Holzmann (Bilder), Kaufmann Verlag, 196 Seiten, 2016, 15 Euro.

Für Anspruchsvolle:
Hochwertiges Papier und klare Zeichnungen sowie eine Fülle an Texten (45 aus dem Alten, 44 aus dem Neuen Testament) machen „Herders Kinderbibel“ zu einer sehr guten Folge-Bibel für erfahrene Kinderbibel-Leser. Eine informative Karte vom Heiligen Land am Ende des Buches hilft interessierten Kindern weiter.
„Herders Kinderbibel“, Ursel Scheffler (Autor) und Betina Gotzen-Beek (Bilder), Herder-Verlag, 2016, 224 Seiten, 19,99 Euro.

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