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Donnerstag, 24. November 2016

Europäische Martinswege sollen verbinden

Projekt befindet sich weiter im Aufbau

Basilika des Heiligen St. Martin in Tours. Foto: actionpress

Ein Jahr lang wurde in Frankreich und Europa aus Anlass seines 1700. Geburtstags des heiligen Martin gedacht. Und noch bevor dieses Martinsjahr beendet wurde, hat in Deutschland schon ein neues begonnen: 500 Jahre Reformation von Martin Luther (1483-1546) im Jahr 2017. Um ihn dreht sich nun von Eisenach bis Nassau und von Ulm bis Kiel wenn nicht alles, so doch viel. Luther, ein früherer Augustinermönch, hatte als Namenspatron den heiligen Martin von Tours (316-397).

Einen Brückenschlag vom einen Martin zum anderen versucht die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihrem Bischof Gebhard Fürst. 2017 soll das Koordinationstreffen der bislang zwölf nationalen Martinsgesellschaften Europas erstmals in Deutschland stattfinden, wie die Katholische Nachrichten-Agentur zum Martinstag (11. November) in dessen Bischofsstadt Tours erfuhr.

Die örtlich wechselnden Jahrestreffen sollen dem Zusammenwachsen der nationalen Ideen und Projekte rund um den „Heiligen des Teilens“ dienen. Hubert Morelle (78) aus Tours, ein erfahrener Martinswanderer, der bereits Tausende Kilometer auf den Spuren des Heiligen gepilgert ist, kündigte im Vorfeld an, zu Fuß zum Jahrestreffen nach Rottenburg zu laufen. Federführend für die Koordination der nationalen Martinszentren ist das Europäische Kulturzentrum Saint Martin de Tours. Das Projekt der Europäischen Martinswege, das sich weiter im Aufbau befindet und auf gesellschaftlicher Teilhabe und ökologischer Nachhaltigkeit basiert, erhielt 2005 das Label des Europarates als „Europäischer Kulturweg“. Das Wegenetz durch Europa erstreckt sich bereits über rund 5 000 Kilometer.

Bistumspatron ist der heilige Martin unter anderem in Mainz, Rottenburg, Eisenstadt (Österreich), Bratislava (Slowakei) und Szombathely (Ungarn). Rund 3 700 Kirchen sind ihm gewidmet, davon mehr als 500 in Spanien, 700 in Italien, 350 in Ungarn. Canterbury im Süden Englands, das wichtigste anglikanische Gotteshaus, trägt sein Patronat ebenso wie sein Heimatland Ungarn oder die frühere Diözese von Papst Franziskus, Buenos Aires in Argentinien.

Nicht überall freilich sind Brauchtum und Kenntnisse um Sankt Martin so weit verbreitet wie in weiten Teilen Deutschlands. Selbst in seiner Bischofsstadt Tours wird der durch Religionskriege und Französische Revolution zerrissene Faden gerade erst neu aufgenommen. Seit 1918 ist der Martinstag (11. November) in Frankreich staatlicher Feiertag: An diesem Tag wurde der Waffenstillstand des Ersten Weltkriegs geschlossen. Diese Überlagerung war ein weiterer Sargnagel für die Martinsverehrung.

Antoine Selosse vom Europäischen Kulturzentrum Martin von Tours hat freilich für diese historische Schere schon einen ziemlich guten Plan: Der 11. November 2018, der 100. Jahrestag des Waffenstillstands, fällt ausgerechnet auf einen Sonntag. An diesem Tag, so hofft Selosse, werden die Elf-Uhr-Glocken wieder für den Europäer Martin läuten – und nicht mehr nur für die alten Kameraden.

„Das wäre doch ein schönes Symbol für die deutsch-französische Freundschaft“, findet auch Robert Diemer. Der 63-jährige Elsässer, wie Hubert Morelle ein weitgereister Martinswanderer, will 2018 von Tours nach Worms laufen, zum 100. Jahrgedächtnis an den Waffenstillstand der einstigen Erbfeinde Deutschland und Frankreich. (Alexander Brüggemann)

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist in Sachen Martinuswege in Deutschland besonders engagiert: www.martinuswege.de

 

 

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