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Donnerstag, 27. Oktober 2016

Familiensynode noch nicht abgehakt

Kardinal Walter Kasper wirbt für neuen Aufbruch in der Familienseelsorge

Kardinal Walter Kasper bei der Familiensynode 2015. Foto: actionpress

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper wirbt für einen neuen Aufbruch in der Familienseelsorge. In der in München erscheinenden Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ (Novemberausgabe) äußert er die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Debatten über die korrekte Interpretation des jüngsten Papstschreibens zu diesem Thema („Amoris laetitia“). Nun müsse die Arbeit beginnen.

Dabei, so Kasper, dürften sich die Ortskirchen nicht auf das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen fokussieren. Vorrang müsse die Neuordnung der Ehevorbereitung und Begleitung von Ehepaaren haben. Verglichen mit den USA sei hier Deutschland „weitgehend noch ein Entwicklungsland“.
In seinem Aufsatz weist Kasper den von einigen konservativen Katholiken erhobenen Vorwurf zurück, Franziskus habe mit der lehramtlichen Tradition gebrochen. „Amoris laetitia“ gebe „kein Jota der traditionellen Lehre der Kirche auf“, betont der Kardinal. Und doch verändere dieses Schreiben alles, „indem es die traditionelle Lehre in eine neue Perspektive stellt“. Der Papst gehe auf Abstand zu der eher negativen Sicht von Sexualität bei Augustinus und wende sich dafür der ganzheitlichen, schöpfungsbejahenden Sicht des Thomas von Aquin zu. Damit rücke die Tugendmoral anstatt der lange vorherrschenden Gesetzesmoral wieder in den Vordergrund. Kasper bescheinigt dem Papst, dass er sich in seinem Schreiben präzise an die Voten der Synodenväter gehalten habe. Zudem habe Franziskus „den Glaubenssinn der großen Mehrheit der Gläubigen auf seiner Seite“.

Für den Umgang mit „irregulären Situationen“ stelle „Amoris laetitia“ keine leichte Aufgabe, so der Kardinal. Der Papst habe zwar die Bedingungen dargelegt, die in begründeten Einzelfällen eine veränderte Seelsorgepraxis erlaubten. Zugleich habe er aber an keiner Stelle klare praktische Folgerungen daraus gezogen. Damit gebe sich das Lehramt nicht selbst auf, wie Kritiker des Papstes meinten. Vielmehr sei das Offenlassen einer Frage selbst „eine lehramtliche Entscheidung von großer Tragweite“.

Mit dieser Vorgabe seien hohe Anforderungen an Bischöfe, Priester, pastorale Mitarbeiter und vor allem an Beichtväter verbunden, schreibt Kasper weiter. Um verantwortete Gewissensentscheidungen beim Empfang des Bußsakraments und der Kommunion zu ermöglichen, sei geistliche Kompetenz vonnöten. Dies müsse in der Aus- und Fortbildung berücksichtigt werden. Dieser Prozess des „Umdenkens und Umsetzens“ werde viel Zeit benötigen. (kna)

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