Kultur

Freitag, 26. Januar 2018

Fasching – aus geistlicher Sicht betrachtet

Christen haben keinen Grund, zum Lachen in den Keller zu gehen

Christen dürfen und sollen ihre Freude zum Ausdruck bringen, auch an Fasching. Auf dem Bild: Auftakt der fünften Jahreszeit in Köln. Foto: actionpress

Die Weihnachtszeit ist kaum vorbei, da befinden sich die Karnevals-Freunde schon mitten im närrischen Treiben. Ganz besonders in einer kurzen Session wie in diesem Jahr, die am 14. Februar schon wieder vorbei ist. Kein Wunder, dass Karneval und Fasching ganz besonders in den katholischen Hochburgen groß gefeiert wird. Denn die „Message“, die die Kirche in die Welt tragen will, ist die frohe Botschaft. Gott wird Mensch als Kind in der Krippe. Er liebt die Menschen so sehr, dass er gar nicht anders kann, als einer von ihnen zu werden und sie am Ende durch seinen eigenen Tod am Kreuz vom Tod zu erlösen. Damit hat der Tod keine Macht mehr über die Menschen.Wenn das kein Grund zur Freude ist!

In vielen Gegenden kann man daher auf ganz besondere Messfeiern treffen, in den die karnevalistisch begeisterten Menschen gemeinsam Eucharistie feiern und Dank sagen für die Freude. Es mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, wenn die Kirche mit Luftschlangen geschmückt ist und das Funkenmariechen mit dem Priester einzieht, der dann vielleicht auch noch eine launige Predigt in Reimform hält, in der gelacht werden darf und soll. Aber es zeigt, dass die Jecken durchaus einen Sinn dafür haben, woher die Freude kommt, die sie in der fünften Jahreszeit ganz besonders verspüren. Es ist nicht nur das kurze Lachen über einen Witz; durch die Menschwerdung Gottes gibt es tiefen Grund zur Freude.

Karneval und Kirche schließen sich also nicht aus, und auch in vielen Klöstern wird Karneval begangen. So wird auch in meiner Gemeinschaft zu Karneval gemeinsam gefeiert und das Refektorium geschmückt. Auch werden Darbietungen für einen lustigen Abend einstudiert. Denn auch wir Schwestern sind von der Freude erfüllt, die uns im Evangelium entgegenkommt. Und an solchen Tagen wie Karneval freuen wir uns daran, dieser Freude so Ausdruck zu geben und gemeinsam herzlich zu lachen. Wir genießen in diesen Tagen das bunte Leben und freuen uns am ausgelassenen Treiben in den Straßen. Wir lachen gerne.

Gleichzeitig ist jedoch von Karnevalssonntag bis Veilchendienstag das Allerheiligste zur Anbetung in der Kapelle ausgesetzt. Den ganzen Tag über beten dann die Schwestern für all die Menschen, die in diesen Tagen unterwegs sind. Denn es ist auch klar, dass besonders in der Karnevalszeit viel passiert, was nicht Ausdruck der Freude ist, die Gott den Menschen schenkt. Vielfach werden Gefühle und Empfindungen übertönt und beiseite gedrängt, um einfach lustig zu sein. Da kann am Aschermittwoch dann ein schales Gefühl zurückbleiben und die Erfahrung, dass die vergangenen Tage langfristig nicht zur eigenen Freude und zum Wohlbefinden beigetragen haben. Deswegen tragen wir die Menschen vor den Herrn und können gleichzeitig von Herzen Karneval feiern.

Dass das Christentum wirklich keine freudlose Gesellschaft ist, zeigt sich zu Ostern, wenn die Fastenzeit vorbei ist. Zwar sind die 40 Tage nicht bekannt als Tage übersprudelnder Freude. Aber sie dienen der Vorbereitung, um dann bereit zu sein für die große Freude über die Auferstehung Christi. Denn wer die ganze Zeit ein Freuden- und Feierlevel halten will, dem geht irgendwann die Puste aus, und er stumpft ab. Stattdessen bietet die Fastenzeit die Möglichkeit, sich zu besinnen und nach dem tiefen Grund zu suchen, auf dem das eigene Leben steht. Das kann hilfreich sein, um wirklich und von Herzen am Ostermorgen ins Osterlachen einzustimmen. Es macht deutlich, dass mit der Auferstehung der Sieg über den Tod errungen ist. Christen haben deswegen allen Grund zum Lachen und zur Freude. (Kerstin-Marie Berretz OP, kna)

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