Wochenkommentar

Mittwoch, 20. September 2017

Faszinierende Begegnung

Netzwerke der Freundschaft gegen Netzwerke des Bösen aufbauen

Es ist eine höchst beachtliche Friedensarbeit: Seit 1986 veranstaltet die katholische Laiengemeinschaft Sant’ Egidio alljährlich große internationale Treffen und bringt dabei Vertreter unterschiedlichster Religionen, Kulturen und Überzeugungen im Geist der ersten Zusammenkunft von Assisi zusammen. Doch allen Bemühungen und Erfolgen bei der Vermittlung zwischen verfeindeten Parteien in etlichen Krisenländern zum Trotz, haben die Konflikte, Kriege und Ausbrüche von Gewalt in den letzten Jahren nicht zu-, sondern abgenommen. Das weiß man auch bei Sant’Egidio. Trotzdem: Resignation vor dem Leid gibt es für die Gemeinschaft nicht.

Das jüngste Treffen in den beiden Städten des Westfälischen Friedens, Münster und Osnabrück, sollte in einer zerrissenen Welt neue Wege zum Dialog öffnen. Auf den Podien überwogen unverbindlich-idealistische Absichtserklärungen, Appelle, gut gemeinte Ratschläge und Empfehlungen, moralische Forderungen und Zustandsbeschreibungen; was man-chmal fehlte, das war die handfeste Konkretion. Sant’ Egidio weiß, dass es die großen Probleme unserer Zeit – wie Massenflucht, Migration, Terror oder die schrecklichen Kriege in vielen Ländern der Erde – nicht mit einem Schlag lösen kann, versucht aber, „Netzwerke der Freundschaft“ (Bischof Franz-Josef Bode) gegen die Netzwerke des Bösen aufzubauen. In einer Welt, die von Egoismus, Hass, Machtgier, Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt geprägt ist, muss es eine solche Alternative geben, die für Verständigung, Versöhnung, Ausgleich und Dialog wirbt.

Zweifelsohne hat eine Begegnung von Vertretern verschiedenster Religionen und Traditionen – Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Jainisten, Shintoisten, Hindus und Sikhs – auch ihre besondere Faszination. Trotzdem hätte man sich mehr eine „richtige“ Diskussion mit klareren, kontroversen Standpunkten und etwas weniger blumig-weitschweifige Reden gewünscht.

Entscheidend aber ist: Es darf keine Rechtfertigung des Krieges im Namen der Religion, keine Gewalt im Namen Gottes geben. Der Krieg ist niemals heilig, sondern nur der Friede: Das ist die Botschaft, die von Münster und Osnabrück ausgeht. (Gerd Felder)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren