Wochenkommentar

Mittwoch, 26. August 2015

Flüchtlinge: Appell der Erzbischöfe

Solidarität wird auf Dauer gefragt sein

Überall klopfen in diesen Tagen Flüchtlinge an die Tore des reichen Europas:  In Calais warten Tausende auf die Gelegenheit, unter Lebensgefahr auf Züge oder Lastwagen aufzuspringen. Auf der idyllischen Ferieninsel Kos, wo All-inclusive Touristen derzeit Meer, Strand und Sonne genießen, herrscht nach der Ankunft Tausender von Migranten das totale Chaos. Auch das kleine Land Mazedonien ist mit der Aufnahme Verfolgter völlig überfordert. Gottlob aber werden wieder viele der über das Mittelmeer Fliehenden vor dem Ertrinken gerettet.

Wo aber bleibt der Aufschrei in Europa, wo vor allem das ebenso kurzfristig entschlossene wie auf Nachhaltigkeit angelegte Handeln? Die EU-Länder scheinen weder willens noch in der Lage zu sein, vor Ort in den Herkunftsländern die Ursachen für Flucht wie Krieg, Rassenkonflikte oder Armut zu beseitigen, für eine gerechte Aufteilung der Ankommenden auf verschiedene Länder oder gar für eine europaweit einheitliche Asyl-Regelung zu sorgen. Umso wichtiger ist es, dass der Bischofskonferenz-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx und der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sich jetzt mit Nachdruck für einen besseren Umgang mit Flüchtlingen eingesetzt haben. Ihren Appell werden manche nicht gern hören; er bleibt aber trotzdem richtig:  Deutschland als reiches Land kann mehr Flüchtlinge aufnehmen, und – die leider fast alltäglichen – Brandanschläge auf Flüchtlingsheime sowie rechtsradikale Pöbeleien sind eine Schande. Allerdings müssen auch die immer größer werdenden Probleme der Kommunen, die Verfolgten und Asylsuchenden halbwegs menschenwürdig unterzubringen, im Blick bleiben. Ein Wegschauen oder Beschönigen darf es hier nicht geben.  

Wer aber angesichts der dramatischen Lage immer noch glaubt, irgendwann werde sich das Problem von selbst lösen und die Bundesrepublik schon bald wieder eine flüchtlingslose Insel sein, der täuscht sich gewaltig. Genauso ist es eine Illusion, zu glauben, man könne Deutschland durch die Senkung von Leistungen für Asylbewerber weniger attraktiv machen. Stattdessen wird die Zahl der Zuwanderer beständig weiter zunehmen. Unsere Solidarität mit den Notleidenden und Hilfesuchenden ist auf Dauer gefragt. (Gerd Felder)

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