Im Gespräch

Mittwoch, 25. November 2015

Flüchtlinge in den Lagern hungern

Globalisierte Gleichgültigkeit: Internationale Gemeinschaft versagt

Unter den Flüchtlingen, die in Deutschland Aufnahme finden, sind auch viele Christen. Nach Auskunft des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge waren von den zwischen Januar und Oktober dieses Jahres registrierten Asylsuchenden rund 16 Prozent Christen. Insgesamt waren in dem genannten Zeitraum knapp 60000 Christen unter den Flüchtlingen, die einen Asylantrag gestellt haben (unter insgesamt 362000, Balkanländer eingeschlossen), aus Syrien kommen rund 4800 Christen, 85104 Muslime und 3830 Yesiden. Die Zahlen zeigen, dass noch längst nicht alle Flüchtlinge Gelegenheit hatten, einen Asylantrag zu stellen, wenn die Bundesregierung von rund einer Million Flüchtlinge für 2015 ausgeht. Foto: actionpress

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schlägt Alarm angesichts der Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern rund um Syrien. Diese würden „immer schlimmer“, klagt die UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming im ZDF-Morgenmagazin. Die Unterstützung durch die europäischen Staaten sei viel zu gering, sagt sie. Ergänzen muss man: Die arabischen Länder, vor allem die reichen Golfstaaten, und auch die Vereinigten Staaten schauen weg und blenden die wachsende Not der Menschen aus. Obwohl gerade sie Teil der Konfliktursachen sind – durch ihre wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen. Nicht zuletzt durch Waffenexporte befeuert eine Vielzahl von Staaten die blutigen Konflikte, in vorderster Front mit dabei die Bundesrepublik.

Eine ausreichende Versorgung der Flüchtlinge mit dem Lebensnowendigen wäre der wirksamste Weg, die Flüchtlingsströme nach Europa zumindest einzudämmen. Dass dies nicht geschieht, und sich in den Lagern in der Türkei, in Jordanien, im Libanon und im Nordirak Hunger breit macht, ist kaum zu glauben. Zu den zuverlässigsten Geberländern zählt dabei noch Deutschland. Aber insgesamt versagen Europa und die internationale Gemeinschaft jämmerlich. Der menschenverachtende Egoismus mancher europäischer Länder ist skandalös.

Wer will es Flüchtlingen verdenken, wenn sie sagen: Ich kann das hier nicht mehr aushalten, ich mache mich auf den Weg nach Europa, auch wenn ich dabei mein Leben riskiere und das meiner Angehörigen. Eigentlich wollen die meisten Menschen viel lieber in ihrer Heimat oder zumindest in der Nähe bleiben, betont auch UN-Sprecherin Fleming. Doch um das zu ermöglichen, müsse die internationale Gemeinschaft Libanon, Jordanien, Türkei und Irak deutlich stärker unterstützen.

Das Kinderhilfswerk Unicef warnt mit Blick auf den bevorstehenden Winter vor der schwierigen und gefährlichen Situation besonders für syrische Flüchtlingskinder. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks sind aktuell rund 8,2 Millionen Kinder innerhalb Syriens und in den Nachbarländern auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nach beinahe fünf Jahren Krieg liegt das Leben einer ganzen Generation in Trümmern, beklagt Unicef. Allein für dieses Jahr fehlen dem Hilfswerk noch 250 Millionen Dollar für eine ausreichende Versorgung. Und – was in Europa kaum bekannt ist – in Syrien selbst halten sich noch 6,5 Millionen Vertriebene auf.  Fast die Hälfte davon sind Kinder.  

Bei seinem Besuch auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa hatte Papst Franziskus im Juli 2013 von einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ gesprochen. Das ist weiterhin – vielleicht sogar verschärft – gültig. Es gibt aber auch einige wenige Leuchttürme der Hoffnung. Ein solcher Leuchtturm ist das Engagement der vielen freiwilligen Helfer, die die Versorgung der vielen Flüchtlinge vor allem in Deutschland, aber auch in Griechenland und in den Ländern an der „Balkanroute“, erst möglich machen. Nach Schätzungen des Sonderbeauftragten der Bischofskonferenz, des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, sind es allein 200000 im Bereich der deutschen Kirchen. Überhaupt ist der Einsatz der Kirchen beachtlich – auch was die Klarheit ihrer Position betrifft. Eine Obergrenze bei den Flüchtlingen und das Recht auf Familienzusammenführung ist für die Kirchen nicht verhandelbar.

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