Silbermöwe

Mittwoch, 15. April 2020

Für Arme eine tickende Zeitbombe

Hilfswerke befürchten Corona-Katastrophe in Slums und Lagern

Flüchtlingselend auf der Ferieninsel Lesbos. Im Lager Moria leben Tausende von Menschen unter erbärmlichen Umständen (Foto: actionpress)

Das katholische Hilfswerk Misereor befürchtet eine „humanitäre Katastrophe“ in den Slums in Afrika und ein „Massensterben“ in den Flüchtlingslagern in und um Syrien, wenn sich das Corona-Virus dort stark ausbreiten sollte. Im SWR sagte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am 14. April, in den Lagern könnten die Menschen weder Abstands- oder Hygieneregeln einhalten noch Zuhause bleiben, weil sie gar kein Zuhause hätten.

Außerdem sei es für die Helfer schwierig, überhaupt zu den Hilfsbedürftigen in den syrischen Flüchtlingslagern vorzudringen. Es müsse dort, wie von Papst Franziskus gefordert, einen „sofortigen Waffenstillstand“ geben. Die meisten Krankenhäuser seien nach syrischen und russischen Angriffen zerstört oder beschädigt. Die Bundesregierung und die EU forderte Spiegel auf, die Sanktionen gegen Syrien zu überdenken, da diese dort nur die Ärmsten träfen.
Misereor hatte in der diesjährigen Fasten- und Osterkollekte zu Spenden für Syrien und den Libanon aufgerufen. Wegen der Corona-Maßnahmen befürchtet das Hilfswerk jedoch einen Rückgang der Spendeneinnahmen, da Gottesdienste, Kollekten und Aktionen größtenteils ausfallen mussten.
Allerdings betonte Spiegel auch, dass es „sehr viel Kreativität“ gegeben habe, um mit besonderen Aktionen die Spendenausfälle zumindest teilweise auszugleichen – „und wir hoffen, dass die Lücke nicht so groß sein wird“. Allererste Zahlen „stimmen uns eher freudig“, ergänzte er.
Aus Sicht der SOS-Kinderdörfer droht armen Menschen unter anderem in Indien eine Katastrophe, falls sich das Corona-
virus dort stark ausbreitet. „Das Virus ist für die Armen eine tickende Bombe“, sagte Amelia Andrews, Sprecherin der Hilfsorganisation in Asien, am 14. April. Indien hat in der Coronakrise die größte Ausgangssperre der Welt verhängt.
Die Folgen sind laut Andrews vor allem für Kinder und Jugendliche lebensbedrohlich. Denn 369 Millionen Menschen, mehr als 80 Prozent der Beschäftigten, seien im sogenannten informellen Sektor ohne soziale Absicherung tätig: „Sie haben keine Vorräte, keine Ersparnisse und bekommen keine Unterstützung. Schon einen einzigen Tag zu Hause zu bleiben, bedeutet für arme Familien, dass sie ihren Kindern keine Mahlzeit machen können.“

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