Wochenkommentar

Mittwoch, 22. November 2017

Geld, Freiheit und Kunst

450 Millionen für ein Bild sind moralisch zweifelhaft

Jeder hat die Freiheit, sein Geld so auszugeben, wie er mag. Der Satz leuchtet in einem freiheitlichen Rechtsstaat sofort ein – es sei denn, Geld wird für Straftaten eingesetzt, etwa zur Korruption. Aber die Frage nach dieser Freiheit stellt sich wieder einmal angesichts der Nachricht, dass in einer Auktion das Bild „Salvator mundi“ (Heiland der Welt) von Leonardo da Vinci für 450 Millionen Dollar ersteigert worden ist.

Lassen wir hier unerörtert, ob dieses Gemälde so viel wert ist, ob überhaupt ein Bild so viel und noch mehr wert sein kann. Es liegt auf der Hand, dass der künstlerische Wert eines Kunstwerks etwas ganz und gar anderes ist als der Dollar- oder Euro-Preis, den Reiche aus irgendwelchen Gründen zahlen: Aus Gier? Aus Geltungsbedürfnis? Um zu spekulieren, in der Hoffnung, das Kunstwerk demnächst noch teurer versteigern zu können? Grundsätzlich ist anzumerken, dass mit Geld Schlimmeres und Unsinnigeres angerichtet wird, als das Ersteigern eines (obendrein umstrittenen) Bildes zu einem Irrsinnspreis. Aber bei einer solchen Kunst-Auktion wird der Irrsinn buchstäblich augenfällig. Deshalb löst sie die Diskussion über Verantwortliches und Unverantwortliches aus – anders als das oft folgenreiche Hin- und Herschieben von Milliarden auf dem Aktienmarkt.

Ja, juristisch hat jeder, auch der Milliardär, die Freiheit, sein Geld so auszugeben, wie er mag, und wie es ihm gefällt. Aber in einer Zeit, in der niemand behaupten kann, vom menschlichen Elend in weiten Teilen der Erde nichts zu wissen, ist diese Freiheit auf jeden Fall moralisch eingeschränkt. Deshalb: Welche Beweggründe auch immer hinter dem Leonardo-Erwerb stecken mögen – er ist genau so unverantwortlich und verwerflich wie die vielen, vielen Millionen, die von Super-Reichen für protzige, überdimensionierte See-Yachten mal so eben bezahlt werden.

Heutzutage ist oft die Frage zu hören, was denn unter Sünde zu verstehen sei, ob es Sünde gebe. Wer will entscheiden, was Sünde ist? Da gilt, auch für einen schreibenden Kommentator, der Satz von Papst Franziskus „Wer bin ich denn?“. Aber in der Finanzwelt – und dazu gehört auch die Leonardo-Ersteigerung – gibt es einige Vorgänge, die zumindest zum Nachdenken über „moderne“ Sünden anregen könnten und sollten. (Rudolf Bauer)

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