Wochenkommentar

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Geld oder Gott?

Wohlstand und Frieden sind nicht selbstverständlich

Wir Deutsche sind wohl so gestrickt, dass wir Weihnachten/Silvester – wenn also ein Jahr zu Ende geht – zu der Frage neigen:  Was hätte besser sein können? Und da fällt uns immer viel ein. Vor allem wenn wir zuspitzen: Sehen wir die Gefahren unserer Zeit? Aber wir können doch zunächst einmal anderes registrieren. Zum Beispiel: Wir leben – vor allem dank der Europäischen Union – im Frieden, seit mehr als 70 Jahren ohne Krieg. Gerade wir Europäer können vor dem Hintergrund unserer Geschichte dieses Glück gar nicht hoch genug einschätzen. Oder: Im Gegensatz zu Menschen in anderen Teilen der Erde leben die meisten von uns seit Jahrzehnten in einem bis dahin nicht vorstellbaren Wohlstand. Wir haben viele Gründe, dankbar zu sein.

Freilich bleiben dann genug ernste, beunruhigende Fragen und Gedanken. Etwa: Ist es nicht schon so, dass viele den Wohlstand selbstverständlich und deshalb langweilig finden? Nörgeln ist „in“. Das Glück des Friedens wird von zu vielen nicht mehr wahrgenommen. Parallel zu dieser Entwicklung machen sich in der Gesellschaft Verrohung, Respektlosigkeit, Verachtung der Würde des anderen breit. Oder: Wir wissen alle, wie sehr der Klimawandel uns bedroht. Aber bedenken wir es wirklich und tun wir das, was jeder einzelne im Alltag für das Schonen des Klimas tun könnte? Und: Die Kluft zwischen sehr, sehr Reichen und finanziell sehr Schwachen hat ein Ausmaß angenommen, das unmenschlich, skandalös und gefährlich für die innere Stabilität von Staat und Gesellschaft ist. Die Liste der besorgten Fragen und Gedanken ist lang. Sie münden in die eine grundsätzliche Frage: Woran orientieren wir uns? Zugespitzt: Am Geld oder an Gott?

Aber trotz der vielen besorgten Fragen und Feststellungen: Wir leben in einem Staat der die weltweit beste Verfassung hat (Grundgesetz). Diesen freiheitlichen Rechtsstaat dürfen wir uns von unbelehrbaren Nationalisten und linken Krawallern nicht kaputt machen lassen. In unserer Gesellschaft erleben wir keineswegs nur oberflächliches Event-Geplapper, sondern bewundernswerte Hilfsbereitschaft und ein großes Engagement in ehrenamtlichen Tätigkeiten, nicht zuletzt in und mit den Kirchen. Es gab und gibt sie – die gute Orientierung, die wir freilich schützen und pflegen müssen. In diesem Bewusstsein können wir zurück- und vorausschauen. (Rudolf Bauer)

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