Wochenkommentar

Mittwoch, 22. August 2018

Genua – ein Signal

Verkehrskonzepte müssen grundlegend überdacht werden

Nach dem schrecklichen Brückeneinsturz in Genua stellen sich viele Fragen – wie nach jeder Katastrophe. Gibt es Schuldige? Wer trägt Verantwortung? Hat die notwendige Kontrolle versagt? Warum? Hat der Staat seine Aufgaben erfüllt? Welche Rolle spielte eventuell Geldgier? War Korruption im „Spiel“? Und so weiter.

Aber da stellen sich auch grundsätzliche Fragen an die Politik, an die Wirtschaft, an die Wünsche der Gesellschaft. Vor allem: Welche Lehren sind aus diesem traurigen und alarmierenden Ereignis zu ziehen? Von „Fehlern am Bau“ und von anderen Fehlern abgesehen, sollte Genua eine Mahnung zur Besinnung, zum Nachdenken, zum Durchatmen sein. Es ist zum Beispiel an der Zeit, dass wir über die Mehrwert-Ideologie nachdenken, die das Wirtschaftsleben immer fordernder, aufgeregter, gieriger, rücksichtsloser und blinder macht. Es mag sein, dass hier manche Wirtschafts-Wissenschaftler entsetzt sind, aber sie müssen sich fragen lassen, ob sie wirklich glauben, dass das Wachstum grenzenlos und unendlich sein könne, oder ob sie den Mehrwert für das ehrenwerteste Ziel und den Sinn des Menschenlebens halten.

Die Katastrophe von Genua hängt mit solchen Gedanken eng zusammen, weil sie das Gegenteil von nachhaltigen Verkehrskonzepten bloßlegt, in denen auch an die nächsten Generationen und deren Lebensbedingungen gedacht wird. Über die 60 Jahre alte vierspurige Brücke fuhren – und damit ist sie kein Einzelfall – seit vielen Jahren Autos in einer Menge, die sich zur Bauzeit kaum jemand vorgestellt hat. Aber sie durften ungehemmt fahren. Gleiches gilt für die Ausmaße und das Gewicht der Lkw. Trotzdem werben Autofirmen intensiv um die Zulassung von Giga-Linern, die noch viel größer und schwerer sind als die schon großen Lastwagen unserer Zeit – weil mit solchen Transportern mehr Geld zu machen ist.

Zugegeben: Solche Gedanken stehen im krassen Gegensatz zur Wachstums-Ideologie unserer Tage – und auch zu manchen Konsum-Gewohnheiten, die von schnellem Waren-Transport abhängig sind. Deshalb ist es fraglich, ob Mahnungen bedacht werden. Aber: Genua ist ein Signal, das mit der Zukunft zu tun hat, und das über Italien hinaus gehört und beachtet werden müsste. (Rudolf Bauer)

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