Kultur

Donnerstag, 17. Januar 2019

Geschickte Heiratspolitik

Vor 500 Jahren starb Kaiser Maximilian I. – Der „letzte Ritter“ und „Bürgermeister von Augsburg“

Kaiser Maximilian I. und seine Familie auf einem Öl-Gemälde des Malers Bernhard Strigel. Foto: Wikipedia Commons gemeinfrei

Um Wien machte er einen Bogen, in Innsbruck ließ er sich ein monumentales Denkmal errichten. Einen besonderen Bezug pflegte er zu Augsburg. Kaiser Maximilian I. blieb zeit seines Lebens in Bewegung.

Die erste Bekanntschaft mit dem Tod hatte er als Dreijähriger. Im reifen Mannesalter führte er seinen eigenen Sarg stets mit sich. Dazwischen lagen fast sechs bewegte Jahrzehnte zwischen Prunk und Macht, Größenwahn und Geldnot, Kampf und Kunst. Vor 500 Jahren, im Herbst 1518, begab sich Maximilian I., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, auf seine letzte Reise. Der kränkelnde Monarch saß – bereits ganz gelb im Gesicht – in einer Sänfte statt wie gewohnt auf dem Pferd.

Am 10. Dezember erreichte der Tross des Kaisers Burg im oberösterreichischen Wels. Hier bereitete sich Maximilian, wie der Historiker Winfried Schulze schreibt, „gewissenhaft“ auf sein nahes Ende vor. Nach Empfang der Letzten Ölung am 11. Januar 1519 „verbat er sich, noch weiter mit seinen Titeln angesprochen zu werden“. Tags darauf tat der Habsburger seinen letzten Atemzug. Sein Leichnam, so hatte er verfügt, wurde gegeißelt. Die Haare schnitt man ab, die Zähne riss man heraus. „Er wollte diese Erde als einfacher Mann, als sündiger Mensch verlassen“, so Schulze.
Ein letztes Mal erwies sich Maximilian als Meister der Inszenierung. „Wer sich im Leben kein Gedächtnis macht, der hat auch nach dem Tode kein Gedächtnis und desselben Menschen wird mit dem Glockenton vergessen“, lautete eine Devise des Herrschers. Seine Ahnenreihe führte Maximilian auf Noah und den trojanischen Helden Hektor zurück. Er zählte die Humanisten Willibald Pirckheimer und Konrad Peutinger zu seinen Beratern, förderte Musiker wie Heinrich Isaac oder Ludwig Senfl und arbeitete mit dem Kunstgenie Albrecht Dürer zusammen.

Der „letzte Ritter“ besaß ein Faible für den Turnierkampf – aber mindestens in gleicher Weise für die neuesten Trends; angefangen vom Buchdruck und der angeblich auf sein Geheiß entwickelten gotischen Frakturschrift bis hin zu moderner Militärtechnik wie Kanonen und die nach ihm benannten Harnische. Mit Frankreichs König Karl VIII. lieferte er sich nicht nur Gefechte auf dem Feld, sondern auch mediale Propagandaschachten.
Seine kurze Ehe mit Maria, der einzigen Erbin Burgunds, legte einen Grundstein für den weiteren Aufstieg der Habsburger – und für die innige Feindschaft mit Frankreich, das ebenfalls Ansprüche auf die burgundischen Territorien von der Nordsee bis in den Alpenraum erhob.

Herrschaft kostete Geld, viel Geld –weshalb Maximilian immer öfter bei den finanzkräftigen Kaufmannsfamilien der Fugger und Welser in Augsburg vorbeischaute. Seine 17 Aufenthalte in der Reichsstadt summierten sich auf insgesamt zwei Jahre und 211 Tage. Franz I., ein Nachfolger Karls VIII., nannte den Kaiser deshalb „Bürgermeister von Augsburg“. Der so Geschmähte schmiedete weiter Bündnisse und Allianzen, versuchte, das Reich zu einen, den Vormarsch der Osmanen aufzuhalten und seine Herrschaftsansprüche in Italien durchzusetzen.

Zum römisch-deutschen König wurde er 1486 gewählt, zum „Erwählten Römischen Kaiser“ proklamierte er sich 1508 in Trient; der Weg nach Rom für eine Krönung durch den Papst blieb ihm angesichts der vielen Konflikte versperrt. 1511 verfolgte er den Plan, zum Kaiser- auch den Papsttitel anzunehmen – an Sendungsbewusstsein mangelte es dem „Beschützer der Christenheit“ wohl nicht. Zeugnis davon legt auch ein monumentales Grabdenkmal in der Innsbrucker Hofkirche ab. Begonnen wurde es 1502; die Fertigstellung zog sich bis 1584 hin.

Zur letzten Ruhe gebettet wurde Maximilian allerdings in der Georgs-Kathedrale in Wiener Neustadt. Zum 50 Kilometer nördlich gelegenen Wien hatte er eine eher problematische Beziehung. In der Hofburg überlebte er, von Hunger gezeichnet, 1462 die Belagerung durch seinen Onkel Albrecht VI. Da war der künftige Kaiser gerade drei Jahre alt.

Die von ihm selbst geknüpften familiären Bande wurden dagegen zu seinem wichtigsten Erbe. Seine Heiratspolitik sicherte den Zugriff auf Spanien sowie Ungarn und Böhmen. Damit trug Maximilian dazu bei, dass die Kaiserwürde des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Ende 1806 fast ununterbrochen in den Händen der Habsburger blieb. (kna)

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