Aus dem Bistum

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Glaubensgespräch in der Kneipe

Gut besuchte Veranstaltung „Gott am Zapfhahn“ in Bexbach

Kaplan Dr. Jens Henning. Foto: pilger-Archiv/Landry

Gott auch mal außerhalb von Kirchenmauern ins Gespräch bringen – dies hat Kaplan Dr. Jens Henning, derzeit Pfarradministrator in Bexbach, in einer Kneipe der saarpfälzischen Stadt versucht. Mit Erfolg. Eine weitere Veranstaltung von „Gott am Zapfhahn“ ist schon geplant, verrät er im Interview.

„Gott am Zapfhahn“. Welche Idee verbirgt sich dahinter?
Die Idee ist, die kirchlichen Räume zu verlassen und an Orte zu gehen, wo Menschen sich aufhalten, beispielsweise im Café oder in der Kneipe eben. Ich habe in München, wo ich studiert habe, gemerkt, dass ich gern in Bierstüberln mit Leuten, mit Naturwissenschaftlern, Agnostikern und Atheisten diskutiere, über Gott und die Welt rede. Nicht zuletzt deshalb habe ich für mein erstes Gespräch in der Kneipe, das übrigens Teil meiner zweiten Dienstprüfung ist, das Thema „Gibt es einen Gott – Argumente Pro und Contra“ gewählt. Es gilt, Argumente und Gegenargumente zu finden – im Ringen um die Wahrheit: Es macht sich doch fast jeder einmal Gedanken, ob die Welt einfach aus sich heraus besteht oder ob sie erschaffen wurde von einem Wesen, das wir – religionsübergreifend – als Gott bezeichnen. Zweifeln ist erlaubt, selbst Mystiker und Heilige tun es.
Und das ist auch richtig, denn der Glaube darf nicht einfach blind sein, er muss reflektiert, muss mit Vernunft hinterfragt werden. Und die Vernunft ist dabei eine Art Filter für den Glauben. Außerdem kann die Vernunft gute Argumente oder Indizien, jedoch keine Beweise, für die Existenz Gottes liefern. In meinem Einführungsvortrag habe ich dargelegt, dass es drei Indizien gibt, die auf die Existenz Gottes hinweisen. Erstens: Weltweit glauben sehr viele Menschen an einen Gott. Kann Gott dann nur ein Wahn sein? Dann wären ja alle geistig gestört.
Die zweite Frage ist, warum existiert die Welt überhaupt? Gab es sie schon immer? Zahlreiche Naturwissenschaftler haben sich mit dieser Problematik beschäftigt, haben versucht, den Anfang der Welt zu ergründen und müssen ohne Gott eingestehen, dass die Welt „aus nichts, durch nichts und für nichts“ entstand. Dazu bedarf es wohl einen noch größeren Glauben, als an einen Gott.
Drittens sind die Naturkonstanten einfach perfekt abgestimmt. Bei der der kleinsten Abweichung gäbe es keine Materie und kein Leben auf der Welt. Natürlich gibt es auch ein schlagkräftiges Gegenargument: Warum existiert so viel Leid, wenn es einen gütigen, allmächtigen, allwissenden Gott gibt?
 
Und wie war die Resonanz?
Die Kneipe war voll besetzt. Das hat mich gefreut. Es kamen auch immer wieder Leute herein, die haben sich hingesetzt, was getrunken und zugehört. Manche sind nach einer Weile in den Nebenraum verschwunden, andere wieder zurückgekehrt. Vielleicht, das räume ich ein, war mein Vortrag etwas zu lang (Dr. Henning lächelt) und stellenweise zu theologisch. Trotzdem haben die Gäste im Anschluss heftig diskutiert. Ich habe mich reihum dazugesetzt, habe Fragen beantwortet oder meine Sicht eingebracht. Gemerkt habe ich, dass einige mit der Verbindung von Glaube und Vernunft nichts anfangen können. Dabei sollten doch heute die Vernunft und die kritische Auseinandersetzung mit der Überlieferung in den verschiedenen Religionen eine große Rolle spielen.
 
Wie hat den Besuchern das Angebot von „Gott am Zapfhahn“ generell gefallen? Und was nehmen Sie persönlich mit?
Im Grunde habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Viele haben sich gewünscht, dass die Reihe fortgesetzt wird. Auch einige Verbesserungsvorschläge wurden gemacht. Und ich habe festgestellt, wie wichtig es doch ist, dass Leute miteinander über ihren Glauben reden und zwar nicht nur in der Kirche oder im Hörsaal. Denn wie können wir andernorts den Glauben verteidigen und zu ihm stehen, wenn wir untereinander nicht mehr über den Glauben sprechen? Nur bei solchen Gelegenheiten lernen wir, Argumente zu finden für Diskussionen mit Kritikern und Fernstehenden.
 
Es gibt also eine Fortsetzung dieses Angebotes?
Ja, am Freitag, 27. Januar, wieder in der Kneipe „Funz’l“ in Bexbach. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn 19.30 Uhr. Thema ist dann die Person des Jesus von Nazareth, sein Leben, seine Botschaft, sein Wirken. (Fragen: Regina Wilhelm)

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