Geistliches Leben

Donnerstag, 21. April 2016

Gott hat ein Ziel für uns

Was aber, wenn uns jemand nach dem Weg fragt? – Gedanken zum Johannes-Evangelium 13, 31–33a.34–35 von Pfarrer Daniel Zamilski

Ich war neulich zu Besuch bei meinem Bruder. Der ist mit seiner Frau nach Köln gezogen. Adresse hatte ich, Navigationssystem auch, das hat aber leider kurz vorm Ziel gestreikt und nur wirres Zeug geredet. Und was macht man dann? Früher oder später fragt man eben jemanden! Hab’ ich auch gemacht – nach zwanizig Minuten Rumgegurke.

„Das ist ganz einfach. Sie fahren an der nächsten Ampel rechts, dann gleich wieder links, dann kommen drei Ampeln, und an der dritten ordnen Sie sich links ein, biegen halblinks ab, dann kommt ein Kreisel, gleich die erste Ausfahrt nehmen – und dann können Sie’s eigentlich gar nicht mehr verfehlen.“ Ah ja! Für einen „Eingeborenen“ mag so eine Erklärung völlig klar und ganz einfach sein – aber auch nur für den! Also ich musste unterwegs noch ein paar Mal fragen. Das schönste Ziel nützt ja nichts, wenn man den Weg dorthin nicht findet.

Das gilt übrigens für alle Ziele – auch für das Ziel von dem in der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte die Rede ist. Da heißt es: „Paulus und Barnabas berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.“ Die beiden sind also davon überzeugt: Gott hat ein Ziel für uns – ein Ziel, zu dem die Tür jetzt schon sperrangelweit offen steht, und man kann jetzt schon hineingehen. Und die Apostel berichten auch, dass die Menschen damals durch diese Tür gegangen sind. Durchgeströmt sollen sie sein! In Scharen seien sie gekommen (vgl. Apg 2,41).

Wie auch immer – die Tür zum Glauben steht auch heute noch sperrangelweit offen. Nur: strömen tun die Menschen bei uns schon lange nicht mehr. Und viele fragen sich, warum das so ist. Das hat bestimmt viele Gründe. Ein Grund liegt vielleicht darin, dass sie den Weg nicht mehr finden. Wie gesagt: Das schönste Ziel nützt ja nichts, wenn man den Weg dorthin nicht findet. Früher war das auch nicht einfacher. Der Weg zum Glauben ist zu jeder Zeit im Grunde gleich kompliziert und gleich einfach. Aber es könnte sein, dass sich die Apostel bei der Wegbeschreibung damals ein bisschen gescheiter angestellt haben. Wenn jemand in einer fremden Stadt nach dem Weg fragt, dann muss man den Weg mit einfachen Worten beschreiben, klar und verständlich und in einer Sprache, die der andere auch versteht.

Mal angenommen, da sagt einer: „Nun erklär‘ mir doch mal, worum es in eurem Glauben eigentlich geht. Aber sag‘ es so, dass ich es verstehen kann, und red’ nicht lange drum herum, sag‘ das Wichtigste, sag‘ es kurz und bündig!“ – Was würden Sie ihm antworten? Mir kommt es oft so vor, als würden wir denen, die auf der Suche sind, nicht nur erklären, dass sie viermal abbiegen, sich dreimal einordnen und einmal die Spur wechseln müssen. Wir erzählen gleich noch mit, an welchen Gebäuden man vorbeikommt und wann die gebaut wurden, welche berühmten Leute dort gewohnt haben, wie die Architekten hießen, die die Vorgängerbauten errichtet haben. Das mag zwar alles interessant und für den Insider auch wichtig sein – aber für den, der im Augenblick den Weg sucht, ist das alles so hilfreich wie der Weihnachtsmann zu Ostern.

Wenn sich heute noch einer für unseren Glauben interessiert, dann will er keine mysteriösen Kirchen-Insider-Formeln hören und auch keine langwierigen Antworten in einer hochtrabenden, gestelzten Theologensprache. Er interessiert sich auch nicht dafür, was „man“ glaubt, sondern er fragt: „Woran glaubst du? Warum glaubst du? Und was bedeutet das für dich?“ Das war wohl so faszinierend an den Apostel – deswegen sind die Leute zu ihnen geströmt: Sie haben authentisch und aus der eigenen Erfahrung heraus von dem erzählt, an den sie glaubten und auf den sie ihr Leben gesetzt haben.

Ob wir das auch können? Probier’n Sie’s doch einfach mal aus! Fragen Sie sich einmal selbst oder tauschen Sie sich gegenseitig darüber aus, was es für Sie bedeutet und wie das geht, mit diesem Gott, an den wir glauben, durchs Leben zu gehen, mit ihm Freundschaft zu pflegen, und sich mit ihm auf Mit-Welt und Mit-Mensch einzulassen. Wir könnten jetzt schon mal „Trockenübungen“ machen, um im „Ernstfall“ denen Rede und Antwort zu stehen, die uns nach der Hoffnung fragen, die uns (hoffentlich) erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Und zwar nicht mit auswendiggelernten Sätzen in Kirchenlatein oder Pastoralchinesisch, sondern ganz persönlich, in einer klaren und verständlichen Sprache – ganz normal eben! Sonst ist es so wie bei einem Fremden in einer fremden Stadt ohne einen Anhaltspunkt, und weit und breit ist niemand, der ihm „auf gut Deutsch“ Auskunft geben kann.

Bei Gott stehen alle Türen offen. Aber wie soll die Welt davon erfahren, wenn nicht durch uns? Die Zahl der Menschen, die gerne die christliche Art, mit dem Leben umzugehen, kennen lernen wollen, ist nicht unbedingt kleiner geworden. Möglicherweise müssen wir aber wieder lernen, ihnen den Weg zu weisen. Oder besser: den Weg mit ihnen zu gehen! Kann sein, dass wir dann auch hin und wieder mal davon berichten können, was Gott zusammen mit uns getan hat (vgl. Apg 14, 27).

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