Geistliches Leben

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Gottes Geist wirkt in jedem Getauften

Die Taufe verbindet die Christen aller Konfessionen miteinander – Gedanken zum Markus-Evangelium 1, 7–11 von Studiendirektor i.R. Theo Wingerter

Die Erzählungen über die Kindheit Jesu fehlen im Markusevangelium völlig. Bei ihm tritt Jesus gleich zu Beginn des Evangeliums als Erwachsener auf. Matthäus und Lukas dagegen wollten in ihren Kindheitserzählungen hervorheben, dass Gott in Jesus von Nazaret wirklich einer von uns geworden ist. Markus geht einen anderen Weg, um zu zeigen, dass der Sohn Gottes Mensch ist wie alle anderen Menschen – ausgenommen die Sünde. Er berichtet von der Taufe Jesu durch Johannes. Hier stellt sich Jesus eindeutig auf die Seite der Sünder, die sich zum Zeichen ihrer Umkehr und Buße taufen lassen, und solidarisiert sich mit ihnen. Zu Beginn seines öffentlichen Auftretens wird sichtbar, dass er den Kampf gegen das Böse aufnimmt und sein ganzes Leben nach Gott ausgerichtet ist.

Markus spricht im Bild von der Taube und der Stimme aus dem Himmel aus, was Jesus innerlich erlebt. Er begreift: Gott steht hinter ihm, steht zu ihm. Er steht in engster Verbindung zu seinem Vater im Himmel. Er öffnet sein Innerstes für Gott, und Gott ist offen für ihn. Es entspricht dem Willen Gottes, dass er zu den Sündern „hinabsteigt“. Vom Beginn seines öffentlichen Auftretens an ist sein Reden und Tun vom Geist Gottes geprägt. Er wirkt in ihm bei allem, was er redet und tut. Jetzt kann er es wagen, den Raum seines bisherigen Lebens zu sprengen und die Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes zu verkünden. Er weiß, dass Gottes Liebe ihn erfüllt und trägt.

Johannes ahnt, dass Jesus der Größere ist, der mit Stärke und Macht auftreten wird. Hier erfährt Johannes seine eigene Grenze. Er bereitet die Menschen zur Umkehr und zur Begegnung mit dem Messias vor und führt sie zu Jesus. Er kann nur im Bereich der irdischen Welt wirken und mit Wasser taufen. Damit ist seine Aufgabe erfüllt. Als jedoch Jesus ge tauft wird, geschieht mehr. In ihm verbinden sich beide Bereiche, Erde und Himmel. Als er aus dem Wasser steigt, steht ihm der Himmel offen. In ihm offenbart sich das Geheimnis Gottes. Es wird im Laufe seines Lebens immer neu aufscheinen. An diesem Geheimnis dürfen auch Menschen teilhaben, die sich Jesus und seiner Botschaft öffnen: Mit Gottes Heiligem Geist werden sie beschenkt.

Ähnliches geschieht, wenn Menschen auf den Namen Jesu getauft werden. Bei der Taufe, die Johannes spendet, sollen die Menschen zunächst Buße tun und umkehren. Erst dann, so predigt es Johannes, wird Gott ihnen gnädig sein. In unserer Taufe auf den Namen Jesu ist es zunächst Gott, der handelt. Wenn wir auf ihn hören und uns an seinem Willen orientieren, antworten wir auf sein zuvorkommendes Handeln an uns. Wir können nur deshalb uns nach ihm ausrichten, weil er uns zuvor entgegen gekommen ist. Er beschenkt uns mit seinem Geist und nimmt uns an als seine geliebte Tochter, als seinen geliebten Sohn. Weil Gott uns zuerst geliebt hat, können wir umkehren und unser Leben neu gestalten.

Gott sagt in der Taufe zu jedem von uns: „An dir habe ich Gefallen gefunden. Ich freue mich über dich. Ich habe dich erwählt und dir eine unzerstörbare Würde verliehen. Ich schaue dich mit Wohlwollen an und sage zu dir „ja“ ohne jede Bedingung. Auch mit deinen erbärmlichen Seiten darfst du zu mir kommen. Deine Verletzungen dürfen heilen. Es ist gut, dass es dich gibt. Dein Leben lohnt sich. Gleich was geschehen wird und wie du dich entwickeln wirst, du gehörst zu mir. Ich kann dich brauchen. Du kannst dich wandeln lassen, wo dein Wesen noch verstellt ist. Mein Geist wird bei dir sein und dich erfüllen. Durch ihn weitet sich der Raum deines Lebens. Er lässt dich deine Fähigkeiten entfalten und öffnet dich für deine Mitmenschen.“

Als Beschenkte und von Gott Gesegnete können wir unser Leben und die Welt gestalten – über die Konfessionsgrenzen hinweg. Denn die Taufe verbindet die Christen in allen Konfessionen miteinander. Alle sind vom Geist Gottes geprägt als seine geliebten Söhne und Töchter, auf denen Gottes Wohlgefallen liegt. Die Auszeichnung und die Würde, die uns in der Taufe geschenkt werden, bieten die Grundlage, einander mit Respekt zu begegnen. Darum hat keine Konfession das Recht, sich über die Mitglieder anderer Konfessionen zu erheben. In allen will Gottes Geist wirken. Mit allen Getauften sind wir berufen, die Aufgabe Jesu weiterzuführen und das Kranke zu heilen und Gekränkte aufzurichten. So werden wir die Welt ein wenig heller machen. Die Wege dabei sind in den einzelnen Kirchen – geschichtlich bedingt – teilweise verschieden, unterschiedlich zum Teil auch die Formen des Gottesdienstes und die Akzentsetzung in der Erfüllung des Auftrags Jesu.

Gemeinsam aber dürfen wir uns der Erfahrung öffnen, dass sich Gott in besonderer Weise in Jesus der Welt zugewandt hat. Seine Menschwerdung haben wir an Weihnachten gefeiert, denn hier ist unter uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschienen (Titusbrief 3,4). Auch daran erinnern wir uns am Fest der Taufe Jesu, dem Fest zum Abschluss der Weihnachtszeit. Als Christen dürfen wir gemeinsam diese Güte und Zuwendung Gottes unsere Mitmenschen spüren lassen.

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