Wochenkommentar

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Große Vorteile und viele Schattenseiten

Durch die Digitalisierung darf der Mensch nicht auf der Strecke bleiben.

Das Wort „Digitalisierung“ wird heutzutage fast wie ein Schlachtruf verwendet. Wirtschaft, Behörden und Schulen in Deutschland müssten entschlossener und schneller digitalisieren, heißt es; andere Länder nähmen auf diesem Feld die Spitzenpositionen ein. Das mag so sein, und die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Warum auch? Sie bringt – ähnlich wie die vielen Möglichkeiten im Internet –  große Vorteile für die Wirtschaft und damit für den Wohlstand.

Wer dennoch ein paar Fragezeichen hinter den oft blinden Digi-Eifer macht, ist kein Fortschritts-Gegner. Die entscheidende Frage muss ja sein und bleiben: Was bedeutet ein technischer Fortschritt für die Menschen, bringt er Vorteile für alle? Bundespräsident Steinmeier hat nicht ohne Grund gewarnt: Die Digitalisierung dürfe nicht dazu führen, dass mit ihrer Hilfe eine sehr kleine Gruppe erhebliche Gewinne mache, ein Großteil der Arbeitnehmer aber abgehängt werde. Wer so über die Entwicklung nachdenkt, kann die Sinne nicht davor  verschließen, dass „Digitalisierung“ zu den Angstmacher-Wörtern unserer Zeit gehört. Und zwar keineswegs nur für ältere Menschen, sondern auch viele Jüngere und Junge haben Angst, Angst vor der Zukunft, Angst vor digitalisierten Robotern, die den  Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Wer sich heutzutage mit 18 oder 20 oder 28 Jahren für einen Beruf entscheidet, weiß nicht, ob es den auf Grund technischer Entwicklungen 2030 oder 2035 noch gibt. So wirkt Digitalisierung nicht nur auf die Bilanzen ein, sondern auch auf die Berufswelt und damit auf jeden einzelnen.

Den Erfindern neuer Techniken ist kein Vorwurf zu machen. Sie haben Bemerkenswertes, sogar Bewundernswertes hervorgebracht. Aber wir kennen den mit großen Gefahren und mit Menschenverachtung verbundenen Missbrauch, der sich etwa im Internet austobt. Wir erleben auch, dass das Internet keineswegs den Menschen mehr Zeit und Gelassenheit beschert hat – im Gegenteil. Und  schon länger zeichnet sich ab, dass bei der Digitalisierung die Menschen vergessen werden. Für kalte Kapitalisten zählt allein der Gewinn. Aber Fortschritt muss auch so möglich sein, dass weiterhin gilt: Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen, nicht umgekehrt.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Rudolf Bauer
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren