Wochenkommentar

Mittwoch, 24. August 2016

Gute Nachrichten haben es schwer

Nervenkitzel wird in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen

Was für ein Gegensatz! Die eine Nachricht sagt: In Deutschland ist die Hilfsbereitschaft, nicht zuletzt auch gegenüber Migranten und Asylsuchenden, ungebrochen groß. Die andere Meldung lautet: Die Brutalität nimmt in Deutschland zu; sogar Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste werden bei Einsätzen mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen attackiert.

Die eine, die gute Nachricht, überrascht vielleicht, weil von der Hilfsbereitschaft nur in Extremfällen zu lesen und zu hören ist (zum Beispiel als vor wenigen Tagen von dem in Rio tödlich verunglückten Trainer deutscher Kanuten zu lesen war, dass sein Herz für eine schwerkranke Frau gespendet worden sei). Die andere Beobachtung ist uns vertraut und geläufig; denn fast täglich werden Messer-Attacken, Brandstiftungen in Flüchtlingsheimen, Raubüberfälle auf ältere Frauen, Wohnungseinbrüche und andere Verbrechen gemeldet. Es ist das alte publizistische Problem: Die gute Nachricht hat es bei Lesern, Hörern und Zuschauern schwer; der Nervenkitzel verkauft sich hingegen gut. Wird beispielsweise ein Behinderter auf der Straße geschlagen, verletzt und ausgeraubt, dann ist das eine Nachricht, die Aufmerksamkeit findet. Aber wenn – und das ist exakt so passiert – ein junger Mann sich mitten auf eine belebte Straße stellt und quer zum Autoverkehr die Arme ausbreitet, um so unter eigenem Risiko einem Geh-Behinderten das überqueren der Straße zu ermöglichen oder zu erleichtern, dann wird das öffentlich nicht wahrgenommen.

Klar, es gab und gibt solche und solche Zeitgenossen. Aber es ist nicht zu übersehen, dass die Verrohung in inserer Gesellschaft zunimmt. Die Bereitschaft zur Brutalität ist unter anderem daran zu erkennen, dass – nach einer seriösen Meinungsumfrage – neuerdings etwa 50 Prozent der jungen Männer in Deutschland ein feststehendes Messer mit sich führen. Dürfen Politik und Gesellschaft tatenlos zusehen? Nach harten Strafen zu rufen, ist oft zu schlicht. Aber zumindest zum Schutz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten hilft wohl nichts anderes. Diese Dienste müssen mit aller Entschiedenheit geschützt werden; auch durch den Gesetzgeber und die Justiz. Anders – das lehrt die deutsche Geschichte – wächst die Gefahr eines Rechtsradikalismus. (Rudolf Bauer)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren