Wochenkommentar

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Handeln ist jetzt gefragt

Beim Klimaschutz ist radikales Umdenken dringend erforderlich

Wem nach einem anhaltend heißen und ungewöhnlich trockenen Dürre-Sommer noch nicht klar geworden ist, was der Klimawandel bedeutet und welche gravierenden Veränderungen für den Alltag er mit sich bringt, dem ist nicht mehr zu helfen. Längst geht es dabei für die ganze Menschheit um eine Frage von Leben und Tod, wie UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Lage auf den Punkt gebracht hat. Doch nach endlosen zähen Verhandlungen hat die Weltklimakonferenz von Kattowitz es nur gerade noch geschafft, ein Desaster zu verhindern. Die Aufbruchsstimmung der Pariser Konferenz von vor drei Jahren ist dahin.

Immerhin: Erstmals hat die internationale Staatengemeinschaft ein Regelwerk beschlossen. Danach  müssen alle Länder regelmäßig berichten, wie viele Treibhausgase sie ausstoßen und was sie dagegen tun. Der Haken ist, dass es keine Verbindlichkeit für dieses Regelwerk gibt und die Staaten, die dagegen verstoßen, keine Sanktionen befürchten müssen. Ob der öffentliche Druck konkrete Anstrengungen für mehr Klimaschutz zur Folge hat, muss jedoch bezweifelt werden. Das Ziel, die Erderwärmung um 1,5 Grad zu senken, rückt in immer weitere Ferne. Die jüngsten dramatischen Warnungen von hoch angesehenen Wissenschaftlern werden zur Kenntnis genommen – mehr nicht. Dass ganzen Inselstaaten die Auslöschung droht, wird beinahe völlig ignoriert. Dafür spürt die Öl- und Kohleindustrie, angeführt von Russland, Brasilien, Saudi-Arabien und den USA, neuen Rückenwind.

Klar gesagt: Auch Deutschland, der angebliche Klimaweltmeister, übt sich in Heuchelei. Statt Treibhausgase wirksam zu reduzieren, wird nach Herzenslust Fleisch gegessen, SUV gefahren und in den Urlaub geflogen. Die Bundesregierung agiert in Sachen Klimaschutz so wenig ambitioniert wie nur möglich und hält dafür Braunkohle und Auto-Industrie die Stange. Dass aber Bevölkerungen keineswegs klimabewusster sind als Regierungen, beweisen die Proteste der französischen Gelbwesten gegen die Ökosteuer – und das Alltagsverhalten so vieler normaler Bürger. Doch die Zeit rennt uns davon. Ein radikales Umdenken, wie Papst Franziskus es fordert,  und vor allem das Handeln danach sind gefordert – jetzt, unverzüglich. (Gerd Felder)  

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