Geistliches Leben

Donnerstag, 21. Dezember 2017

happy End oder Happy end?

Glaube und Hoffnung bieten den besten Ausblick in die Zukunft – Gedanken zum Lukas-Evangelium 2, 22–40 von Pastoralreferent Thomas Stephan

Unsere Sehnsucht nach einer heilen Welt, wahrer Liebe und einem „Happy End“ ist groß. Regelmäßig kommt vor allem an Sonntagabenden zur besten Sendezeit das Fernsehprogram diesem Verlangen entgegen. Inga Lindström, Rosamunde Pilcher, das Traumschiff stehen beispielhaft für den Herzenswunsch vieler, dass bei allem „Auf und Ab“ des Lebens letztlich alles ein gutes Ende nehmen möge.

Mit einem anderen (vermeintlich) positiven Ausgang beschäftigt sich die alljährliche Bestattungsmesse „happy END“. Auf ihrer Homepage heißt es erklärend: „DEIN LEBEN VERDIENT EIN HAPPY END – AUCH WENN DIESER WUNSCH NICHT IMMER IN ERFÜLLUNG GEHT, LIEGT ES AN UNS, DEN TEIL UNSERES LEBEN ZU GESTALTEN, DER UNS MÖGLICH IST (…)“. Passend dazu findet man auf dieser Messe alles rund um die Themen Vorsorge, Pflege, Sterben und Bestatten. Höhepunkt, der Veranstaltung, die dieses Jahr Anfang November in Hamburg stattfand, war ein Vortrag einer Firma, die aus der Asche von Verstorbenen Erinnerungsdiamanten als „ein Symbol der Liebe, Verbundenheit und Wertschätzung“ herstellt. Die Macher sind davon überzeugt, dass „Diamantbestattungen“ die persönlichste und einfühlsamste Art ist, Abschied zu nehmen. Was ein gutes Ende ist, darüber kann man, wie an den genannten Beispielen zu sehen ist, wirklich geteilter Meinung sein.

Ein gutes Ende ganz anderer Art hält das heutige Evangelium zum Jahresabschluss bereit. Zentral ist hierin der Lobgesang des Simeon, der am Ende seines Lebens in der Gestalt des Jesuskindes all seine Wünsche und Träume in Erfüllung gehen sieht. Von seinem Happy End singt er bei Lukas mit den Worten: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen (…)“. Starke Worte der Hoffnung und Zuversicht, die im Anblick zerbrechlichen Lebens von ihm gesprochen wurden.

Am Ende eines Kalenderjahres stehen viele Fragen. Was waren die entscheidenden oder einschneidenden Ereignisse, wie sieht meine Jahresbilanz aus? Darüber hinaus stellt sich aber auch die Frage nach der Zukunft: Was kommt auf mich zu, was wird sie bringen? Gewissermaßen Rückblick und Ausblick sind die Blickrichtungen, auf die es in dieser Zeit ankommt.

Aus christlicher Perspektive ist ein Ende nie nur ein Ende, nach dem alles aus ist. Im Ende steckt vielmehr immer die Hoffnung und Gewissheit auf ein Neues. Interessant ist es hierbei, sich einmal die Schreibweise der Bestattermesse anzuschauen. Sie ist mit „happy END messe“ überschrieben. Das Ende wird ganz groß geschrieben. Christlich betrachtet gehört jedoch mindestens gleichberechtigt die Freude daneben, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Für Simeon war es so gesehen ein „HAPPY end“, Jesus begegnet zu sein.

Wenn heute darüber nachgedacht wird, wie wir der Endlichkeit des Lebens am besten begegnen können, dann ist der berechtige Wunsch nach Dauerhaftem groß. Sicherlich ist auch ein Diamant etwas Dauerhaftes, aber welchen Wert messen wir einem zugegebener Maßen wertvollen, teuren Erinnerungsstück in einer Diamantschatulle bei? Erinnerungen und Erinnerungsstücke sind wertvoll, aber sie bleiben letztlich in der Vergangenheit stecken. Der Glaube und die Hoffnung eröffnen im Gegensatz dazu Perspektiven, nicht nur für ein Neues Jahr, sondern auch für eine Zukunft, die wahrlich ewig genannt werden kann.

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