Wochenkommentar

Mittwoch, 04. März 2020

Hass ist zur Gefahr geworden

Ein Kommentar zur Verrohung der Gesellschaft

Warum sind so viele Menschen vergiftet vom Hass? Was treibt sie zu blindwütigem Morden an? Warum töten oder verletzen sie Menschen, die ihnen nie etwas zugefügt haben, weil sie vorher einander nie begegnet waren? Der Zorn, die Trauer, die machtlose Verzweiflung über den vom Hass gegen Ausländer diktierten Mord an neun Menschen in Hanau war noch nicht verflogen, da fuhr in Volkmarsen (Nordhessen) ein Neunundzwanzigjähriger mit seinem Auto in den Rosenmontagszug des kleinen Ortes: 60 Verletzte, darunter 18 Kinder.
Aber die Frage nach der erschreckenden Fähigkeit und Bereitschaft, andere Menschen umzubringen, stellt sich auch in Wohnzimmern und anderswo: Mit Messern gehen junge und ältere Männer aufeinander los, sie stechen zu, voller Hass und Menschenverachtung. Rettungskräfte werden bedroht und verletzt. Wenn Polizei zur Hilfe gerufen wird, muss sie viel zu oft zum Schlagstock, zu Pfefferspray oder zur Waffe greifen, um sich vor immer gefährlicher werdenden Rabauken zu schützen. Und neuerdings müssen Schiedsrichter bei Fußball-„Spielen“ um Gesundheit und Leben fürchten.  
Wer unter den Tätern in erster Linie Zuwanderer, Migranten vermutet, macht es sich zu einfach und liegt nach Auskunft von Vereinen daneben: Unter den Schreihälsen und Rassisten bei Fußball-„Spielen“ der Bundesliga sind viele Ur-Deutsche, die während der Woche Anzug und Krawatte tragen (müssen). Eine einzige Antwort auf die Frage nach den Gründen für die Entwickling ist vielleicht nicht zu finden. Aber: Es ist keine neue Erkenntnis, dass Teile unserer Gesellschaft in Wort und Tat verroht, egoistisch, rücksichtslos sind; und inzwischen vielen Menschen eine ethische, eine religiöse Verwurzelung und Orientierung fehlt. Der Hass ist zu einer Gefahr für die Menschen und für unser Land geworden.

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