Im Gespräch

Mittwoch, 25. April 2018

Mit Ermahnung und Humor zur "Heiligkeit im Alltag"

Franziskus legt ein neues Dokument vor. Wer heilig sein will, muss zum Aufbrechen bereit sein. Und das Leben lieben und schützen.

Das Dokument kann über die Homepage der Deutschen Bischofskonfernez heruntergeladen werden (als Druckversion liegt es nicht vor) Zeichnung: Plaßmann

Ein bisschen kommt das jüngste Papstschreiben wie heutige Ratgeberliteratur daher. Doch so einfach wie „Zehn Schritte zur Heiligkeit mit Papst Franziskus“ ist das 48-Seiten-Dokument nicht gestrickt.

Sein Schreiben „über den Ruf zur Heiligkeit“ hat Franziskus, wie er selbst schreibt, nicht als theologischen Traktat angelegt. Passagenweise wie ein Brief, dann wieder scharf mahnend und teils humorvoll werbend liest sich das am 9. April veröffentlichte, 48 Seiten umfassende Dokument.

Wenn das Kirchenoberhaupt seinen Lesern als Wegweiser zur Heiligkeit die acht Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt empfiehlt, sind das beileibe keine Küchentipps für besseres Christsein – sind die Sätze aus der Bergpredigt doch in „keiner Weise unbedeutend oder oberflächlich“, schreibt der Papst, sondern richten sich deutlich „gegen den Strom der Gewohnheit, gegen das, was man in der Gesellschaft so tut“.

Heiligkeit in der Nachbarschaft und eine „Mittelschicht der Heiligkeit“, sind Franziskus’ Anliegen. Heilig ist man, indem man mit Gottes Hilfe den in der Taufe angenommenen christlichen Glauben lebt: in Tat und Gebet. Dazu ermutigt Franziskus, indem er wirbt und mahnt.

Eher werbend ist das Video angelegt, mit dem der Vatikan erstmals ein solches Papstschreiben vorstellt. „Gehörst du zu denen, die sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben abfinden wollen?“, heißt es darin. „Papst Franziskus hat dir einen langen Brief geschrieben. Eine Botschaft für alle, die – wie du – die Risiken, Herausforderungen und Chancen von heute leben wollen. Für alle, die voller Liebe Kinder großziehen. Alle, die arbeiten, damit zu Hause Brot auf dem Tisch steht.“

„Der heutigen Welt erscheint das Wort Heiligkeit oft antiquiert“, sagte der Bischofsvikar für das Bistum Rom, Angelo De Donatis, bei der Vorstellung des Dokuments; aber für genau diese Welt sei es geschrieben. Und da diese nicht unbedingt knapp 50 Seiten in (nach wie vor) sehr kirchlicher Sprache liest, fasst das Video mit Menschen und Szenen aus aller Welt, musikalisch pathetisch untermalt, die Botschaft in gut zwei Minuten zusammen:

Jeder ist zur Heiligkeit berufen. Wer mehr weiß oder tut als andere, solle sich nicht für besser halten – noch möge man sich mit einem unbarmherzigen Moralismus betrügen. Gefordert sind stattdessen das Vertrauen auf Gottes Gnade, die zur Heiligkeit verhilft. Den Weg dahin zeigt Jesus. Daher die acht Seligpreisungen und die sieben Werke der Barmherzigkeit aus der Gerichtsrede Jesu, die Franziskus den Lesern seines langen Briefes so ans Herz legt.

Diese sollten nicht die Leiden und Ungerechtigkeiten dieser Welt ignorieren. „Sei mutig, kämpferisch, demütig und bewahre dir deinen Humor. Habt keine Angst davor, heilig zu sein“, endet das Video. Das ist die eine Botschaft des Schreibens – für das Gros der Leser weltweit. Zusätzlich enthält das Schreiben eine Reihe Aussagen, die als Replik auf die eine oder andere innerkirchliche Debatte zu verstehen sind.

Was macht den Katholiken vor allem aus – Gebet und persönliches Verhältnis zu Gott oder der Einsatz für den Nächsten? Die Frage beantwortet Franziskus mit einem Sowohl als auch. Das Gebet sei wertvoll, wenn es die Hingaben an den Nächsten fördert. In den Sätzen Jesu „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben“ sieht Franziskus mit Johannes Paul II. eine ganze Christologie.

Ausdrücklich und mehrfach erinnert Franziskus an die Bedeutung der Gnade und erteilt sowohl kirchlichem Planungsdenken, theologischer Besserwisserei als auch jenen eine Absage, die einem „gewissen katholischen Stil der Vergangenheit unerschütterlich treu sind“.

Wer heilig werden will, muss aufbrechen, betont Franziskus. Dazu gehörten Wagemut, Enthusiasmus, Geduld, Freude und Sinn für Humor. Damit kritisiert Franziskus mit einem Schwung sowohl esoterische Kuschelei, postmodernen Hedonismus als auch katholischen Traditionalismus. Deren Versuchungen benennt er mit Individualismus, Spiritualismus, Sich-Einrichten, Wiederholung bereits festgelegter Schemata, Dogmatismus, Nostalgie, Pessimismus und Zuflucht zu den Normen.

Zur Heiligkeit gehört demnach auch der Einsatz für den Schutz des Lebens: Elend, Sterbehilfe, Sklaverei, Bioethik, Migration. Wie in seinen früheren Schreiben zitiert Franziskus erneut Dokumente von Bischofskonferenzen – hier Neuseeland, Westafrika, Kanada und Indien; weil das katholische Lehramt in den Händen aller Bischöfe mit und unter dem Papst liegt. (Roland Juchem)

Hier kann das Dokument heruntergeladen werden:

www.dbk-shop.de/media/filespublic/wqpkjlydo/DBK2212.pdf

 

 

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