Kultur

Donnerstag, 27. September 2018

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Vor 120 Jahren starb der Dichter Theodor Fontane – Seine Reisebeschreibungen locken nach Brandenbur

Theodor Fontane gibt es ab 2019 auch als Playmobil-Figur. Foto: Wikimedia Commons

Im Reformationsjahr 2017 gab es einen kleinen Luther. Für das Jahr 2019 hat der Nürnberger Spielwarenhersteller Playmobil wieder eine Sonderfigur veröffentlicht: 7,5 Zentimeter groß, mit markantem Oberlippenbart und Gehstock, stellt sie den Brandenburger Schriftsteller Theodor Fontane dar, dessen 200. Geburtstag sich 2019 am 30. Dezember jährt. Am 20. September dieses Jahres war der 120. Todestag des Dichters, der in Berlin starb.

Wo der Mini-Luther in der Hand die Bibel hält, kommt der Playmobil-Schriftsteller nicht ohne ein Miniaturexemplar seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ aus. Denn bis heute ist Fontane für seine Reisebeschreibungen aus dem Spreewald, der Grafschaft Ruppin oder dem Havelland bekannt. Noch immer machen sich Berliner auf in die Mark Brandenburg, um mit Fontane die Schönheiten der Region zu entdecken: Schlösser und Gutshäuser, Landschaften und Geschichte der Region, und auch die Sehenswürdigkeiten des städtischen Museums seiner Geburtsstadt Neuruppin.

Oder die berühmten Neuruppiner Bilderbögen. Bunt bedruckte Papierseiten, die der breiten Masse der Bevölkerung im 19. Jahrhundert die unterschiedlichsten Dinge nahebrachten: Historische Persönlichkeiten, Früchte des Gartens, Landschaftsbeschreibungen – selbst katholische Heilige, selbst das Leben der Maria wurde im protestantischen Preußen auf diese Weise tausendfach verbreitet.

„Was ist der Ruhm der Times gegen die zivilisatorische Aufgabe des Ruppiner Bilderbogens?“, fragte Fontane. Diese Darstellungen seien „der dünne Faden, durch den weite Strecken unseres eigenen Landes, lithauische Dörfer und masurische Hütten, mit der Welt draußen zusammenhängen“.

Der Schriftsteller musste das wissen. Schließlich wurde er 1819 als Sohn eines Apothekers in Neuruppin geboren, besuchte das Gymnasium. Es folgte eine Apotheker-Ausbildung, die Teilnahme an den Straßenkämpfen der Märzrevolution in Berlin. Fontane geht zur Presse, wird Korrespondent in London, später Kriegsberichterstatter im Deutsch-Dänischen und Deutsch-Französischen Krieg. Während die ersten Bände der Wanderungen durch die Mark Brandenburg schon in den 1860er Jahren geschrieben werden, sind Fontanes Romane eher Spätwerke: 1877, als der Autor fast 60 Jahre alt war, beginnt die Blütezeit seines Schaffens.

Es entstehen Werke wie „Vor dem Sturm“, „Grethe Minde“, „Schach von Wuthenow“, später „Effi Briest“. Einer seiner bekanntesten Romane, „Der Stechlin“, wird erst in seinem Todesjahr 1898 fertiggestellt. Oft spielen Fontanes Handlungen in Brandenburg. Detaillierte Personenbeschreibungen zeichnen sie aus, ein feiner Sinn für Ironie, vor allem aber machten ihn seine Wortschöpfungen unvergleichlich. Der „Betsaalkronleuchter“, die „Franzosenfreundlichkeit“, die „Kaffeekuchenpyramide“. Mit solchen Substantiven beschäftigt sich auch die zentrale Fontane-Ausstellung des Landes Brandenburg, die im kommenden Jahr in Neuruppin stattfinden wird. Sogar einen Stadtrundgang soll es zu Worten wie der „Angstmeisterschaft“ oder den „Zärtlichkeitsallüren“ geben.

Doch das Fontanejahr 2019 wird nicht nur in Neuruppin gefeiert. Ein anderer Ort, der mit Fontane verbunden wird, ist das havelländische Ribbeck. Ein kleines Dorf kurz hinter Nauen, kaum der Rede wert – wäre da nicht das Gutshaus des „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Fontane machte Ribbeck weltbekannt mit seiner Ballade über den freigiebigen Gutsherrn, der seine Birnen an vorbeikommende Kinder verschenkt.

Tatsächlich wuchs aus der Familiengruft derer von Ribbeck jahrzehntelang ein Birnbaum, erst 1911 wurde er von einem Sturm umgeweht. Und natürlich haben findige Touristiker dafür gesorgt, dass es in Ribbeck heute wieder einen Birnbaum gibt – und im kommenden Jahr dann auch „Fontane-Festspiele“, bei denen auch eine dramatisierte Fassung von „Effi Briest“ zur Aufführung kommt.

Auch andere Brandenburger Orte, die das Glück gehabt haben, dem Dichter gefallen zu haben, widmen sich im kommenden Jahr Fontane –vom Fischerstädtchen Plau bis zum Stadtmuseum in Lübben, das sich unter dem Titel „Durch die wendische Walachei“ mit Zeitzeugenberichten aus dem Spreewald zur Zeit Fontanes beschäftigt. (Benjamin Lassiwe, kna)

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