Kirche und Welt

Freitag, 27. Oktober 2017

Hilfe zur Selbsthilfe für ein besseres Leben

Kreuzbund im Bistum Speyer feiert am 5. November sein 40jähriges Bestehen

Im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg feiert der Kreuzbund im Bistum Speyer am 5. November sein vierzigjähriges Bestehen. Foto: Paque

Am 6. November 1977 wurde in Homburg/Saar der Kreuzbund-Diözesan-Verband Speyer gegründet. 26 Personen waren zu der Gründungsversammlung erschienen. Heute treffen sich in rund 30 Gruppen wöchentlich rund 500 Menschen zu Gesprächen, Gruppenarbeit und Freizeitangeboten. Der Kreuzbund, der im Bistum Speyerer Speyer bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts mit den „Kreuzbündnissen“ Vorgängerorganisationen hatte, versteht sich als Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für suchtkranke Menschen und Angehörige. Am 5. November feiert der Kreuzbund mit Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer in Maria Rosenberg sein 40jähriges Bestehen. Hundemer ist Vorsitzender des Caritasverbandes für das Bistum Speyer und der Kreuzbund ein Fachverband des Caritasverbandes.

Rolf Langlotz (61), Vorsitzender des Kreuzbundes im Bistum Speyer, freut sich, dass der Kreuzbund für so viele Menschen eine wichtige Unterstützung ist beim Ausstieg aus der Sucht und bei einem Leben ohne Alkohol oder anderen Suchtmitteln. „Allein in Speyer haben wir fünf Gruppen, die sich regelmäßig treffen, 27 in der Diözese insgesamt.“ Langlotz, der seit mehr als zwanzig Jahren Mitglied im Kreuzbund und seit mehr als zehn Jahren Vorsitzender des Kreuzbundes in der Diözese Speyer ist, verweist auf die Internetseite, die einen guten Überblick bietet über die Gruppen in insgesamt 14 Städten, die Termine der Treffen sowie die Kontaktstellen.

Rund zwei Drittel der Mitglieder des Kreuzbundes sind nach Angaben von Langlotz Männer, ein Drittel Frauen,  drei Viertel sind selbst Betroffene, ein Viertel Angehörige. „Sie kommen aus allen Schichten und aus allen Altersgruppen“, erläutert der Kreuzbund-Vorsitzende und ergänzt, dass auch viele junge Menschen betroffen sind. Die Mehrzahl suche den Kontakt zum Kreuzbund, weil sie Alkoholprobleme hätten, aber auch Tablettensucht und illegale Drogen spielten eine Rolle und vereinzelt auch Spielsucht.

Gerade die Alkoholabhängigkeit sei kein gesellschaftliches Randproblem, weiß Langlotz aus den statistischen Zahlen. Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen in Deutschland trinken Alkohol, viele haben deshalb massive Probleme mit Missbrauch und Abhängigkeit. Konkret trinken etwa acht Millionen Erwachsene riskant Alkohol, und 1,8 Millionen gelten als abhängig.

Die Wege in die Sucht sind vielfältig: Arbeitslosigkeit, Druck am Arbeitsplatz, finanzielle und familiäre Probleme, Einsamkeit. Der Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln schaffe nur kurz Entlastung, danach beginne eine verhängnisvolle Spirale nach unten, sagt Rolf Langlotz. Bei den Wegen aus der Sucht und beim „Trockenbleiben“ spielten Selbsthilfegruppen wie der Kreuzbund eine wichtige und stabilisierende Rolle. Sucht sei eine dramatische Lebenssituation für die Betroffenen. Da gehe es nicht um schlechte Gewohnheiten und um Haltlosigkeit, sondern um eine ernste, behandlungsbedürftige Krankheit, die tief ins Leben eingreife und bis an den Abgrund führen könne, so Langlotz.

Suchtkranke kommen in der Regel   nach einer Therapie zum Kreuzbund oder auf Rat der Caritas-Suchtberatung, die eng mit dem Kreuzbund zusammenarbeitet. In allen Caritaszentren im Bistum Speyer gibt es die Suchtberatung als Anlauf- und Orientierungsstellen. Der Kreuzbund selbst versteht sich als dauerhafte Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft. „Die Gruppen treffen sich wöchentlich oder alle 14 Tage. Die Menschen lernen, offen mit ihrer Sucht umzugehen, sie erzählen sich gegenseitig vom wann, wie und warum ihres Alkoholproblems“, gibt Langlotz einen Einblick in die konkrete Arbeit und ergänzt: „In den Gruppen entstehen oft enge Bindungen, Kontakte und Freundschaften über den Kreuzbund hinaus.“ Das führe zu einem tragfähigen Netz. Wenn zum Beispiel jemand aus der Gruppe ein unerwartetes Problem hat, „kann er auch einmal in der Nacht bei einem anderen Gruppenmitglied anrufen und um Rat fragen. Wir unterstützen uns gegenseitig und passen aufeinander auf. Das gibt ein gutes Gefühl“, so Rolf Langlotz. „In Gemeinschaft eintauchen, bevor du in Einsamkeit ertrinkst“, lautet ein Slogan des Kreuzbundes.

Angehörige können in derselben Gruppe mitmachen wie das betroffene Familienmitglied, oder auch in einer anderen Gruppe, um hier vielleicht besser Probleme und Fragen im Zusammengang mit der Sucht ansprechen zu können. Die Gesprächsgruppen sind Kern der Arbeit und wichtig, aber die Aktivitäten des Kreuzbundes sind vielfältiger, wie der Diözesan-Vorsitzende erläutert. So werden Seminare für Gruppenleiter angeboten, es gibt thematische Seminare, Begegnungstage und auch Treffen speziell für Frauen. Mitglieder der Kreuzbundgruppen sind auch in den Fachkliniken gern gesehen, denn sie stellen die wichtige Verbindung her zwischen Therapie und Selbsthilfegruppen. „Ganz wichtig sind uns auch die gemeinsamen Freizeitaktivitäten, sie stärken die Gemeinschaft und damit die Einzelnen. Gerade hier ist spürbar, welchen Gewinn es bedeutet, auf Suchtmittel, auf Alkohol zu verzichten und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Der Kreuzbund als katholische Einrichtung steht allen Hilfesuchenden offen, unabhängig von Konfession und Glaube. „Viele schätzen den Halt, den die Gruppe gibt, nicht wenige schöpfen aber auch Kraft aus ihrem christlichen Glauben“, weiß Rolf Langlotz. „Der Glaube bleibt nicht außen vor.“ (rn)


Kontakt und Information:
E-Mail: rolf@kreuzbund-speyer.de
www.kreuzbund-speyer.de

 

 

 

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Norbert Rönn
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren