Kultur

Donnerstag, 14. Juli 2016

Himmlische Häppchen in der himmlischen Pfalz

Diözese Speyer und Evangelische Kirche der Pfalz sind beim diesjährigen Weinstraßentag Kooperationspartner

Mit diesem Plakat wird für das diesjährige Ereignis geworben.

Beim Erlebnistag Deutsche Weinstraße am 28. August geht es diesmal ausgesprochen himmlisch zu. Unter dem Motto „Himmlische Pfalz“ wird zum 31. Mal Deutschlands älteste Weintouristik-Route von 10 bis 18 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Strecke von Bockenheim im Norden bis Schweigen an der französischen Grenze gehört dann den Radfahrern, Inline-Skatern und Schoppenbummlern. Kooperationspartner des Veranstalters, der Pfalz­wein e.V., sind in diesem Jahr die Diözese Speyer und die Evangelische Kirche der Pfalz.

Die Idee für das Engagement der Kirchen beim Weinstraßentag geht auf Uwe Burkert, Diözesanbeauftragter für den privaten Rundfunk, zurück, denn er weiß: „Zwischen Wein und Bibel gibt es viele Verbindungen“. Der Theologe zitiert etwa eine Bibelstelle aus dem Johannes-Evangelium, nach der Jesus Christus zu sich sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Auch sei laut Buch Genesis im Alten Testament Noah der erste Winzer gewesen. Und nicht zuletzt spiele in jeder Eucharistefeier und in jedem Abendmahlsgottesdienst Wein eine zentrale Rolle, so Burkert.

„Bis in die Pfälzer Kultur hinein sind bis heute der christliche Glaube und der edle Rebsaft miteinander verwoben“, macht der Diplom-Theologe zudem deutlich. Weinlagen wie Kapellenberg, Bischofsgarten oder Gottesacker, aber auch Weinheilige, etwa der heilige Urban, Schutzpatron des Weinstocks und des Winzers, der heilige Laurentius und der heilige Cyriakus zeugten von dieser engen Verflechtung. Daneben gebe es Bilderstöcke mit Heiligen in den Weinbergen, und das größte Weinfest der Welt, der Bad Dürkheimer Wurstmarkt, gehe auf eine Wallfahrt auf den Michelsberg als Ausdruck von Volksfrömmigkeit zurück.

Eröffnet wird das „längste Weinfest der Welt“ um 10 Uhr in Klingenmünster mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und dem Präsidenten der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad. Sie geben mit einem kurzen Impuls den ökumenischen Startschuss und werden dabei die vielfältigen Verbindungen von Wein, Bibel und Christentum ausfalten. Darüber hinaus geben sie den Besuchern den Segen mit auf den Weg. Danach schwingen sie sich gemeinsam aufs Rad, genauer gesagt auf ein „ökumenisches Tandem“. „Es hat einen Hilfsmotor, der allerdings nur dann zum Einsatz kommen kann, wenn man in die Pedale tritt“, weiß Uwe Burkert. Außerdem sei es überdacht, um vor Regen oder Sonne zu schützen. Mit dem rollenden Gefährt geht es von Klingenmünster in das einige Kilometer entfernte Eschbach, wo die beiden Seelsorger in der katholischen Kirche eine sogenannte Schoppenandacht halten. Derzeit erarbeitet laut Burkert die katholische und evangelische Seite gemeinsam die dazugehörige Vorlage, die gleichzeitig auch als Arbeitshilfe für Gottesdienste an diesem Tag entlang der Weinstraße dient. Aber auch an anderen Tagen kann das Konzept für evangelische, katholische oder ökumenische Feiern verwendet werden.

Nach der Schoppenandacht haben Bischof und Kirchenpräsident Gelegenheit, sich in Eschbach am „Paradiesischen Tortenbuffet“ zu stärken. Es ist eines von zwölf Stationen mit „Himmlischen Häppchen“, die Pfarreien und Kirchengemeinden als besondere Aktion in den Weinstraßenorten anbieten. Für 5 Euro erhalten Leckermäuler an den besonders gekennzeichneten Anlaufstellen eine Kleinigkeit zu essen und ein passendes Getränk, etwa einen Wein, dazu. So kredenzt etwa Dekan Axel Brecht von der Pfarrei Landau-Mariä Himmelfahrt „Paradiesische Weinprinzessinnen-Pas­teten“ und der katholische Männerclub „Saint Jac­ques“ aus Neustadt-Hambach lockt mit „Himmlischem Brokkoli-Tatar an Ziegenkäse und Rote-Beete-Soße“. An diesen Stationen können die Besucher beim Verkosten der „Himmlischen Häppchen“ Stempel sammeln. Mindestens zwei berechtigen zur Teilnahme an einem Gewinnspiel. Als Preis lockt unter anderem ein Menü für zwei Personen, gekocht von Pfarrer Bernhard Braun aus Deidesheim, Gewinner der Kochsendung „Perfektes Dinner“. Die Kirchenzeitung „der pilger“, die den Weinstraßentag ebenfalls unterstützt, stellt Weinbücher („Himmlische Tropfen“) zur Verlosung zur Verfügung.  

Auf die Besucher des Erebnistages Deutsche Weinstraße wartet ein buntes und vielfältiges Programm – auch der Pfarreien und Kirchengemeinden. So schlägt die mobile Kinderkirche der Katholischen Jungen Gemeinde St. Martin ihre Zelte in Maikammer auf.  Das ökumenische Cafémobil lädt in Edenkoben bei Kaffeespezialitäten dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch der Biblische Weinpfad in Kirrweiler ist präsent, und zwar in der katholischen Kirche in Maikammer in Form einer meditativen Tonbildschau. Äußeres Erkennungszeichen ist eine Stele des Weinpfades vor dem Gotteshaus. Ebenfalls in Maikammer wird die „Hochzeit zu Kana“ aus der Bibel mit Menschen aller Altersgruppen pantomimisch dargestellt.

Die Pfarrei Heilige Theresia von Avila und die evangelische Stiftskirchengemeinde sind in Neustadt gemeinsam mit einem ökumenischen Stand vertreten. Sie bieten nicht nur „Himmlische Hühnerbrüstchen – ökumenisch aufgespießt“ an, sondern laden mit den Worten des Psalmes 119 „Lehre mich das Gut des Verkostens und des Erkennens“ zur Blindverkostung von Weinen aus Neustadter Lagen ein. Darüber hinaus ist es möglich, in der Stiftskirche bei gregorianischer Musik zu verweilen. Und nicht zuletzt verteilen die katholischen und evangelischen Standbetreiber Kärtchen mit spirituellen Impulsen von Teresa von Avila und Martin Luther.

Anhänger„Himmlischer Orgelklänge“ kommen in der Ludwigskirche in Bad Dürkheim auf ihre Kosten, und unter der Überschrift „Halt an und kehr ein bei Texten zu Bibel und Wein“ können Interessierte in der Simultankirche in Siebeldingen sich mit Bibelstellen beschäftigen. Was ist das Besondere am „Deidesheimer Herrgottsacker“? Antworten unter anderem darauf gibt das Pfarrgut Deidesheim, das verschiedene Weinlagen vorstellt.

Dass Bibel und Wein immer wieder in der Kunst zum Ausdruck kommen, beweist Holzkünstler Erwin Würth aus Petersbächel, der am Deutschen Weintor in Schweigen seine Werke zum Thema ausstellt.

Auch die Liturgie kommt nicht zu kurz. Am Deutschen Weintor in Schweigen findet um 10 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst statt. Drahtesel-Fans kommen beim ökumenischen Fahrradweg auf ihre Kosten. Er führt von Edesheim über Hainfeld nach Rhodt.

Uwe Burkert hofft am 28. August jedenfalls wettermäßig auf himmlische Unterstützung von ganz oben. (pede)

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