Im Gespräch

Donnerstag, 09. Juli 2020

Hohe Austrittszahlen

Generalvikar Andreas Sturm: Zahlen rufen nach Veränderung

Die Zahlen bei den Kirchenaustritten in Deutschland erreichten 2019 einen Höchststand. (Foto:KNA)

Das Bistum Speyer hat seine Jahresstatistik für das Jahr 2019 veröffentlicht. Danach lag die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im Gebiet der Diözese im Jahr 2019 bei rund 507 500. Das bedeutet einen Rückgang von rund 11 000 Gläubigen gegenüber dem Jahr 2018. Damit betrug der Mitgliederschwund rund 2,2 Prozent.
Hauptursache ist die hohe Zahl von Kirchenaustritten: Rund 6 400 Menschen haben die katholische Kirche in der Pfalz und im Saarpfalzkreis im Jahr 2019 verlassen, 2018 waren es noch 5 249. Insgesamt steigen die Austrittszahlen seit Jahren. „Das ist eine alarmierende Entwicklung, die uns eindringlich vor Augen führt, wie wichtig jetzt inhaltliche und strukturelle Veränderungen in der Kirche sind“, erklärt Generalvikar Andreas Sturm. „Die Menschen, die sich 2019 zum Austritt entschlossen haben, haben in der Kirche offenbar nichts mehr gefunden, was ihnen Heimat hätte geben können oder was ein starkes Argument zum Bleiben hätte sein können. Das ist bitter und ruft nach Veränderung“, ist Sturm überzeugt.
Der Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher lag 2019 wie bereits im Vorjahr bei rund 7,4 Prozent. Das Bistum Speyer verzeichnete 2019 rund 3 000 Taufen, 3 350 Erstkommunionkinder und knapp 2 000 Firmungen. „Wir freuen uns über jeden, der auf diese Weise im Glauben bestärkt wird. Wir dürfen jedoch nicht die Augen davor verschließen, dass die Zahlen seit Jahren kontinuierlich nach unten gehen. Daran wird deutlich, dass wir in der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation vor elementaren Herausforderungen stehen“, so Sturm. Mit 51 Übertritten, 125 Wiederaufnahmen und 176 Eintritten in die katholische Kirche gebe es zwar auch eine gegenläufige Entwicklung. „Doch die ist zu schwach, um den Aderlass an Mitgliedern zu stoppen.“ Eine Ursache sieht Sturm in der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft und der nachlassenden Überzeugungs- und Bindungskraft des Glaubens und der Kirche. „Viele suchen sich auf dem Marktplatz der Religionen und Weltanschauungen heute das Angebot heraus, das ihnen am meisten zusagt.“ Für Generalvikar Sturm ist das ein klarer Hinweis, dass die Kirche ihre Botschaft heute offensiv nach außen tragen muss. „Wir können nicht erwarten, dass die Menschen einfach zu uns kommen. Das klappt schon seit Jahren nicht mehr. Wir müssen uns selbst etwas einfallen lassen und kreative Wege finden, um den Glauben auf eine zeitgemäße Weise den Menschen nahzubringen.“
Seine Hoffnung auf Veränderungen richtet er auf den Synodalen Weg der Kirche in Deutschland und das Projekt des Visionsprozesses im Bistum Speyer. „Gerade in der Corona-Krise haben wir viele Beispiele gesehen, wo Christen mit ihrem Engagement und ihrer Solidarität zum Segen für andere werden.“ In diesen Initiativen stecke eine begeisternde Kraft, ist Generalvikar Sturm überzeugt.

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