Geistliches Leben

Mittwoch, 26. August 2020

In Jesu Spur bleiben

Nachfolge bedeutet, ganz oder gar nicht dabei sein

Auf den Spuren Jesu: Wanderer in der judäischen Wüste auf dem Weg vom Toten Meer nach Jerusalem. (Foto: Rönn)

„Folgen – Leben mit Jesus hat Folgen.“ Mit diesem Lied haben wir den Gottesdienst zur Beauftragung unserer drei neuen Pastoralassistentinnen und -assistenten am vergangenen Sonntag in Speyer begonnen. Dem Chor „nur“ zuzuhören, fiel vielen Mitfeiernden nicht leicht, und so wurde immerhin fest mitgeklatscht. „Folgen – komm, wir wollen ihm folgen.“ Das Lied reißt mit, da wollten alle mit – „ihm hinterher“.
Was sich so leicht singen und klatschen lässt, ist, wenn man die Verse im Matthäus-
Evangelium liest, eine enorme Herausforderung. Jesus erklärt seinen Jüngern, dass vor ihm jetzt der Weg nach Jerusalem liegt, dass ihm Leiden und Tod bevorstehen, damit er am dritten Tag auferweckt werden kann. Die Jünger begreifen nichts von dem, was er ihnen da erklärt. Petrus nimmt ihn zur Seite und versucht, ihn von diesen Worten und Gedanken abzubringen. Das darf nicht geschehen – das ist unvorstellbar. Gerade noch hat Jesus ihm zugesagt, dass er Petrus ist, der Fels, auf den die Gemeinde, die Kirche gebaut werden soll. Jetzt weist er ihn barsch in seine Schranken: „Hinter mich, du Satan! Du hast nicht im Sinn, was Gott will, du siehst nur, was die Menschen wollen.“ Jesus zeigt ihm seinen Platz ganz klar: „Hinter mich!“ Macht und Arroganz sind bei ihm kein Thema, aller Stolz wird zunichte gemacht. Auch mit seinem neuen Namen und seiner großen Aufgabe und Verantwortung kann Petrus sich nicht selbst erlösen – kein Mensch kann das, auch wenn wir immer wieder in Versuchung geraten, es zu versuchen. Nachfolge bedeutet: hinter Jesus bleiben, in seinen Spuren gehen, sich immer wieder neu auch „einspuren“ lassen und sich auf ihn hin ausrichten.
Das Bekenntnis „Du bist der Messias!“ ist der erste Schritt, den Jesus verlangt. Dazu kommt dann noch der wesentlich schwierigere, Leid und Tod in dieses Bekenntnis mit aufzunehmen. Die Worte von Kreuz und Selbstverleugnung finden sich bei Matthäus, Markus und Lukas fast identisch, was deutlich macht, wie viel Wert die urchristlichen Gemeinden ihnen beigemessen haben. „Wer mir nachgehen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ Radikale Worte, die jede und jeden in der Nachfolge Jesu vor die Entscheidung stellen: ganz oder gar nicht! In modernen Worten formuliert es das Lied: „Folgen heißt zu lernen, von sich selbst wegzusehn, manches aufzugeben, was man zu brauchen meint… Heißt, viel mehr zu gewinnen, als man verloren hat… Sein Kreuz auf sich zu nehmen und zum Leben durchzudringen, so wie es Jesus tat!“
Nachfolgen, mein Kreuz aufnehmen, mich verlieren, loslassen – das sind keine Begriffe, die Lust machen auf Kirche und Gemeinde. Um die Werbetrommel für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu rühren, bräuchte es andere Sprüche. Aber in der Nachfolge Jesu geht es nicht um „gute Sprüche“, sondern um das, wonach Menschen sich zutiefst sehnen: um das Leben in Fülle. Und Leben ist nicht nur, was wir uns wünschen – Leben ist hell und dunkel. Fröhlich und verzweifelt. Einsam und getragen von anderen.
Wir könnten das Wort auch so verstehen, dass wir unser Kreuz, unser Leben aufnehmen und gestalten, wo immer es uns möglich ist. Nicht jammern über alles, was nicht ist, aber sein könnte, sondern aktiv werden und in unserem Hier und Jetzt leben. Das Kreuz aufnehmen könnte auch bedeuten, neue Wege zu suchen, Veränderungen anzugehen – ganz konkret „nach-zu-folgen“.
Wenn wir uns darauf einlassen, dass wir lebendig sind, und dass wir an unserem Platz etwas bewegen können, weil Gott mit uns ist, dann kann Neues entstehen – in unserem ganz persönlichen Leben, in der Kirche und in der Welt.
Diese Hoffnung verbindet uns – sie hilft uns über Abgründe und durch manche Wüstenzeiten, sie macht uns Mut, immer wieder unser Kreuz aufzunehmen, neu aufzubrechen und miteinander zu suchen und zu finden, wozu Gott uns ruft und einlädt: das Leben in all seinen Farben und Schattierungen, seinen Formen und Tönen, das Leben in seiner Begrenztheit und der Verheißung, dass wir gesegnet sind und „ein Segen sein“ sollen.
„Leben mit Jesus hat Folgen“ – auch wenn das so ist, oder besser: weil das so ist, lassen Sie uns aufbrechen und ihm folgen. „Sein Weg ist gut – Wir gehen hinterher.“
Mag sein, dass wir uns bei dem ein oder anderen Schritt auf dem Weg begegnen.
Ich freu mich darauf!

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Annette Schulze
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