Wochenkommentar

Donnerstag, 27. September 2018

Integration als bleibende Aufgabe

Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz

„Die Migration ist die Mutter aller Probleme“? Die jüngst vorgestellte Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, das sogenannte Integrationsbarometer, gibt das absolut nicht her. Ganz im Gegenteil bewertet eine Mehrheit das Integrationsklima und damit auch die Migration als positiv (mit 63,8 auf einer Skala bis 100 Prozent). Und 60 Prozent der 9 300 Umfrage-Teilnehmer ohne Migrationshintergrund sind dafür, Flüchtlinge weiter aufzunehmen, selbst wenn Deutschland das einzige Aufnahmeland in der EU wäre. Eine ebenso klare Mehrzahl in allen (!) Herkunftsgruppen vertritt sogar die lobenswerte Ansicht, dass die Flüchtlinge Deutschland kulturell wie wirtschaftlich bereichern.

Wer die erregten, polemischen Diskussionen der letzten Wochen und Monate, den heftigen Streit zwischen den politischen Parteien und die unzähligen Talkshows zum Thema Migration, Flüchtlinge und Islam verfolgt hat, musste den Eindruck gewinnen, dass das Ergebnis genau umgekehrt ausfallen würde. Die wichtigste Erkenntnis des Integrationsbarometers lautet: Es ist eine Minderheit, die Flüchtlinge ablehnt und die Migration negativ beurteilt. Allerdings verschafft diese Minderheit, zu der übrigens laut Studie viele Spätaussiedler gehören, sich lautstark Gehör. Die zweite wichtige Erkenntnis, die kaum überraschen kann:  Alles hängt von den persönlichen Beziehungen ab. Wer Flüchtlinge persönlich kennt und häufiger Umgang mit ihnen pflegt, sieht das Integrationsklima deutlich positiver. Mit anderen Worten: Es kommt entscheidend darauf an, Kontakte und Begegnungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten herzustellen.

So ermutigend die Studie ist, sollte man sich dennoch auf der anderen Seite vor Illusionen hüten, denn  die meisten wünschen sich eine Obergrenze für die Zuwanderung, was auch durch eine Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach bestätigt wird (69 Prozent sind für eine solche Obergrenze). Ein Widerspruch? Es ist jetzt Aufgabe der Politik, der Bevölkerung zu verdeutlichen, was ein künftiges Einwanderungsgesetz leisten kann und was nicht, ihr aber auch zu vermitteln, dass ein großer Teil der Asylbewerber auf Dauer in Deutschland bleiben wird. Die Integration ist eine bleibende Aufgabe  – mehr denn je. (Gerd Felder)     

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