Geistliches Leben

Mittwoch, 22. Juli 2015

Jesus ist das „Brot des Lebens“

Wer davon isst, wird nie mehr hungern, aber auch von Jesus nicht genug haben – Gedanken zum Johannes-Evangelium 6, 24–35 von Pfarrer Daniel Zamilski

„Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird… Ich bin das Brot des Lebens.“ Wollte Jesus wirklich sagen, dass der Mensch außer ihn nichts braucht? Wohl kaum. Fragen Sie sich doch einmal selbst: Was ist Nahrung für mein Leben, was lässt mich leben?

Für mich gehört dazu: ein Bekanntenkreis, mit dem man öfters etwas unternehmen kann, Freunde, auf die ich mich verlassen kann, ein zufriedenstellender Arbeitsplatz, Gesundheit, ein Hobby, das Spaß macht, finanzielle Sicherheit, eine gemütliche Wohnung, Bildung und Kultur, und eine Kneipe, in der mich keiner fragt, was ich hab’ oder bin.

Ja – das alles ist „Nahrung“, die „verdirbt“, sie kann nicht die absolute Erfüllung meines Lebens sein: Beziehungen können in die Brüche gehen, Erfolg im Beruf ist meistens nicht von Dauer, Wohlstand kann man nicht mit ins Grab nehmen, und die Gesundheit kann von heute auf morgen dahin sein. Aber mal ehrlich: Was wären wir ohne diese „Nahrung“?

Jesus, du bist das „Brot des Lebens“, aber ich brauche mehr als nur dich – selbst in glückseligen Momenten, in denen ich von dir und deinem Gott erfüllt bin; auch dann, ja gerade dann würde mir sehr viel fehlen, wäre ich nicht beschenkt mit all dem, was meinem Leben „Nahrung“ gibt.

Dass letztlich nur Gott dem Menschenherzen Erfüllung sein kann und erst durch ihn alles, was zu unserem Leben gehört, Tiefe und Sinn bekommt, mag eine zutiefst christliche Botschaft sein. Aber wem nützt sie? Denjenigen, denen diese Wahrheit zur Erfahrung geworden ist, bringt sie nichts Neues. Und allen anderen wird sie nichts sagen oder, schlimmer noch, als frömmelnde Phrase erscheinen.

Es geht in unserer Religion nicht um ein Entweder–Oder: „Irdisches Brot“ oder „Brot vom Himmel“, profane Sehnsüchte oder religiöses Verlangen, Welt oder Gott. Jesus hat sich mit seinem Gott den Menschen in der Welt zugewandt: Er hatte Zeit für Kranke, er gab sich nicht nur mit Sündern ab, sondern suchte sogar ihre Nähe und blieb länger als er musste, er pflegte Freundschaften und liebte es zu feiern. Daraufhin wurde er „Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder“ (Matthäus-Evangelium 11,19) genannt. Er selbst nannte es „Reich Gottes“ und „Leben in Fülle“ (Johannes-Evangelium 10,10).

Auf der anderen Seite wusste Jesus auch, was Dorothee Sölle prägnant auf den Punkt bringt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er stirbt sogar am Brot allein. Wir atmen noch, konsumieren weiter, wir scheiden aus, wir erledigen, wir produzieren, wir reden noch vor uns hin – und leben doch nicht.“

Es gibt so viele Gläubige in unseren Gemeinden und so viele „Seelsorger“ – die sterben den Tod „am Brot allein“. Das ist nicht die ganze Wirklichkeit, aber eben doch ein nicht zu übersehender Teil der Realität. Zu viele Hungrige, die in unseren Kirchen nach „Nahrung“ suchen, gehen leer aus bei uns. Und deswegen laufen sie uns nicht nach, viele laufen uns davon. Wie wäre es, wenn wir einen Glauben hätten, der wirklich nährt – und davon noch „zwölf Körbe voll“ (vergleiche Johannes-Evangelium 6,13)?! Denn der Hunger ist groß und die Hungrigen sind viele.

„Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ Das Bild des Brotes nimmt Jesus als Gleichnis für sich selbst, und seine Schülerinnen und Schüler konnten erfahren, dass er – sein Leben und seine Botschaft – kostbare „Nahrung“ ist für ein „Leben in Fülle“: Sein Evangelium von einem Gott, der attraktiver nicht sein könnte, der uns liebt, einfach, weil wir da sind – vor aller Leistung und trotz aller Fehlleistung. Deswegen kann man sich dieses „Brot“ auch nicht verdienen, es wird einem geschenkt, und wir dürfen es niemandem vorenthalten.

Jesus, nur mit dir kann und will ich nicht leben, und ohne dich will und kann ich auch nicht mehr. Bei dir finde ich „Leben in Fülle“ – mit allem, was für mich sonst noch „Nahrung“ ist. Ich muss nicht „hungern und dürsten“, aber ich werde dich auch nicht „satt“. Ich hoffe, ich werde niemals fertig mit dir!

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Pfarrer Daniel Zamilski
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren