Kirche und Welt

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Jetzt das Klima-Abkommen von Paris umsetzen

Kirchen und Hilfswerke bewerten Ergebnisse von Paris positiv

Nach einer Marathonsitzung einigten sich die Delegierten beim Klimagipfel schließlich auf ein mehr oder weniger verbindliches Abkommen. Foto: actionpress

Vertreter von Kirche und Hilfsorganisationen haben das Pariser Klimaschutz-Abkommen gewürdigt und auf eine gewissenhafte Umsetzung gepocht. Papst Franziskus betonte am 13. Dezember, die „gesamte internationale Gemeinschaft“ müsse den nun eingeschlagenen Weg „im Zeichen einer immer tatkräftiger werdenden Solidarität mit Eifer fortsetzen“. Er ermahnte dazu, den vom Klimawandel besonders betroffenen Ländern zu helfen. Zum Inhalt des Abkommens selbst äußerte sich der Papst nicht direkt. Es werde „von vielen als historisch bezeichnet“, sagte er. Franziskus hatte in den vergangenen Monaten immer wieder nachdrücklich einen Erfolg der Pariser Weltklima-Konferenz angemahnt.

Die Staatengemeinschaft hatte am Samstagabend (12. Dezember) in Paris ein neues internationales Klimaschutz-Abkommen verabschiedet. Die 196 Unterzeichnerstaaten wollen die Erderwärmung demnach auf deutlich unter zwei Grad begrenzen, möglichst sogar auf unter 1,5 Grad. Das Abkommen sieht einen Mechanismus zur Überprüfung und Anpassung der zugesagten nationalen Klimaschutz-Maßnahmen vor. Ferner wird den besonders bedrohten Ländern Unterstützung im Fall klimabedingter Schäden zugesichert.

Paris sei erst der Anfang, betonte Erzbischof Ludwig Schick, der in der Deutschen Bischofskonferenz für weltkirchliche Fragen zuständig ist. „Wir alle stehen bei der Umsetzung der Klimaschutzziele in der Pflicht: um der Zukunft der Menschheit und der Bewahrung der Schöpfung willen“, sagte er. Nötig sei eine Änderung von Wirtschafts- und Lebensstil.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete das Abkommen als große Ermutigung für diejenigen, die sich nicht mit dem Zustand der Welt zufrieden gäben, sondern sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung engagierten. Er würdigte zugleich das Eintreten vieler Menschen für den Klimaschutz im Vorfeld des Treffens.

Das ZdK begrüßt den Abschluss eines globalen, völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzabkommens am vergangenen Wochenende. Peter Weiß, Sprecher für nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung im ZdK, bezeichnete die Ergebnisse von Paris als „Meilenstein in der Geschichte der Klimadiplomatie“. Erstmals hätten sich alle Staaten auf einen weltweiten Klimavertrag geeinigt und auf nationale Klimaschutzziele ab 2020 verständigt, so Peter Weiß.

Das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor warnte, der Vertrag werde für die am meisten vom Klimawandel betroffenen Gemeinschaften nicht befriedigend sein. Auch falle das Abkommen etwa beim Schutz der Menschenrechte oder in punkto Ernährungssicherung und Landnutzung hinter die Erwartungen zurück, sagte der Misereor-Experte für Umweltpolitik, Stefan Tuschen, der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Nach Einschätzung der Kieler Klimaforschers Mojib Latif bleiben viele Fragen offen. Das Ziel der Dekarbonisierung, also einer Weltwirtschaft ohne fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, spiele im Abkommen kaum eine Rolle. Man habe sich „lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner“ geeinigt, so der Träger des diesjährigen Deutschen Umweltpreises. Auch die Hilfsorganisation Care mahnte, die Regierungen müssten den Ausstieg aus den fossilen Energien beschleunigen.

Skeptisch äußerte sich ebenfalls ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Abkommen enthalte „vor allem moralische Appelle und Lippenbekenntnisse“. Es werde den weiteren Anstieg des Verbrauchs fossiler Brennstoffe nicht verhindern. Vielmehr würden künftig die willigen Länder ihren Verbrauch reduzieren, die unwilligen dagegen den Preisverfall genießen und die freigewordenen Mengen konsumieren, warnte der Wirtschaftsforscher. (red)

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