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Mittwoch, 06. November 2019

Kandidatensuche zunehmend schwierig

Am 16. und 17. November finden im Bistum die Pfarrgremienwahlen statt

Ein Trend, der sich abzeichnet, ist ein höherer Anteil an Briefwählern. Foto: Mathes

In einer Woche ist es soweit: Dann bestimmen die Katholiken in den 70 Pfarreien im Bistum Speyer über die Zusammensetzung ihrer Pfarreiräte, Verwaltungsräte und Gemeindeausschüsse. Insgesamt 460 000 Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihr Votum abzugeben und zu entscheiden, wer die rund 3 500 Plätze neu besetzt.

Wie die Pfarrgremienwahlen ausgehen, ist offen. Es bleibt spannend. Einiges zeichnet sich aber bereits jetzt schon ab, wie Marius Wingerter, Referent für pfarrliche und überpfarrliche Räte im Bischöflichen Ordinariat, berichtet. „Aufgrund der Rückmeldungen aus den Pfarreien gehe ich davon aus, dass etwa die Hälfte der Wahlen als Urwahl oder ergänzende Urwahl durchgeführt wird.“ Bei den Pfarrgremienwahlen vor vier Jahren habe der Anteil etwa 30 Prozent betragen.
Eine Urwahl findet dann statt, wenn keine Kandidaten gefunden werden konnten. Dabei erhält jeder Wahlberechtigte einen Stimmzettel, auf den er die Namen der Personen notiert, die er in das Gremium wählen möchte. Dabei dürfen höchstens so viele Personen angegeben werden, wie in das jeweilige Gremium zu wählen sind. Eine ergänzende Urwahl wird angesetzt, wenn es weniger oder genauso viele Kandidaten gibt wie Sitze zu verteilen sind. Dann können die Wähler sowohl die auf dem Stimmzettel bereits aufgeführten Kandidaten ankreuzen als auch ergänzend dazu weitere Namen hinzufügen. Auch bei diesem Verfahren darf die Anzahl der Personen, die angekreuzt oder hinzugefügt wird, nicht höher sein wie Personen in das jeweilige Gremium zu wählen sind.
Die Gründe für diese Entwicklung sieht Wingerter vor allem darin, „dass es immer schwieriger wird, Personen zu finden, die sich zur Wahl stellen“. Nicht selten würden nur so viele Kandidaten gesucht, wie für die Besetzung notwendig seien. Einige Gemeinden hätten sich aufgrund des Mangels an Kandidaten dazu entschlossen, ihre Gemeindeausschüsse zu verkleinern. Denn laut Satzung müssen dem Gremium lediglich mindestens drei Personen angehören. Das Regelwerk sieht für den Pfarreirat eine Größe zwischen zehn und 18 Personen vor.
Tendenziell sei es einfacher, Engagierte für die Gemeindeausschüsse als für die Pfarrei- und Verwaltungsräte zu finden, ist Wingerter überzeugt. Das liege zum einen daran, dass sich viele lieber in ihrer Gemeinde engagieren. Auch bestehe oft Unklarheit über die Aufgaben des Pfarreirates. Und nicht zuletzt scheue der ein oder andere davor zurück, für den Verwaltungsrat zu kandidieren, weil er sich den Herausforderungen nicht gewachsen fühle.

Mehr Briefwähler erwartet
Der Referent für pfarrliche und überpfarrliche Räte rechnet zudem mit einer höheren Zahl an Briefwählern. Rückmeldungen aus den Pfarrbüros des Bistums und das Verhalten der Wähler bei den politischen Wahlen ließen diesen Schluss zu. Vor allem in den fünf Testpfarreien, in denen die Katholiken ausschließlich per Brief ihre Stimme abgeben, „gehen stapelweise Briefe mit ausgefüllten Stimmzetteln ein“. Die mangelnde Mobilität älterer Menschen, Bequemlichkeit und eine möglichst große Flexibilität befeuerten diesen Trend, mutmaßt Wingerter. Bei den Pfarrgremienwahlen im Jahr 2015 lag der Anteil der Briefwähler bei 40 Prozent.

Wunsch: Einheitliche Stimmzettel
Was Marius Wingerter noch feststellen kann, ist der verstärkte Wunsch  nach einheitlichen Stimmzetteln für die Wahl des Pfarreirates, um auch Kandidaten aus anderen Gemeinden eine Stimme geben zu können. „Denn durch die engere gemeindeübergreifende Zusammenarbeit aufgrund der neuen pastoralen Strukturen von ,Gemeindepastoral 2015‘ kennt man sich“, erläutert der Pastoralreferent, „entsprechend dem Motto der diesjährigen Pfarrgremienwahlen ,Zusammen wachsen. Weiter denken.‘“ Für Wingerter ist klar: „Das muss der nächste Schritt sein.“

363 Wahlbezirke im Bistum
Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt konzentrieren sich die Pfarreien auf die Durchführung der Pfarrgremienwahlen. 363 Wahlbezirke gibt es. Das entspricht weitgehend der Zahl der 360 Gemeinden.
Eine von ihnen ist St. Elisabeth in Pirmasens, die zur Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini gehört. Dort bewerben sich elf Personen um acht Plätze im Gemeindeausschuss. Stefan Schwarzmüller, der seit vier Jahren dem Gremium vorsteht, ist von der großen Anzahl an Kandidaten nicht überrascht. „Fast alle meiner Mitstreiter treten wieder an“, freut sich der 56-Jährige. Auch der Pastoralreferent stellt sich wieder zur Wahl, „um die produktive Arbeit fortzusetzen“. Die Stadt habe viele soziale Probleme; da sei Kirche in der Pflicht. Eine Antwort darauf ist die Kleiderstube von St. Elisabeth. Aber auch die Schaffung von Räumen zur Begegnung sei dem Gemeindeausschuss ein großes Anliegen. Als Herausforderung nennt Schwarzmüller die Einbindung von Fernstehenden.
Die Pfarrei Heilige Maria Magdalena in Klingenmünster, zu der acht Gemeinden gehören, kann sich ebenfalls über mangelnde Kandidaten für die Gemeindeausschüsse nicht beklagen. „Lediglich in der Gemeinde Ranschbach, in der ich lebe, gibt es eine ergänzende Urwahl“, bekräftigt Pfarreirats-Vorsitzende Ina Heypeter. „Denn bei uns werden vier Personen gewählt, und genauso viele Kandidaten bewerben sich.“ Was die Pfarreiratswahl betrifft, sieht das Bild anders aus: In fünf der acht Gemeinden gibt es eine ergänzende Urwahl. Ina Heypeter stellt sich ebenfalls wieder zur Wahl, weil sie in der Pfarrei dazu beitragen möchte, Traditionen zu wahren, aber auch Neues auszuprobieren. „Anfang kommenden Jahres starten wir unseren Visionsprozess. Den möchte ich gerne begleiten.“

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