Im Gespräch

Mittwoch, 15. August 2018

Katholikenrat befürwortet Diözesanversammlung

Vorsitzende Luisa Fischer: Es ist wichtig, die Pluralität im Bistum abzubilden

Luisa Fischer, Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Speyer: Gemeinsam um gute Wege ringen. Foto:is/Speyer

Die aktuelle Legislaturperiode des Diözesan-Katholikenrates ist mehr als zur Häfte vorbei, die Pfarreien und Gemeinden arbeiten seit Januar 2016 nach dem neuen Seelsorgekonzept Gemeindepastoral 2015, das Bistum soll mit einer Diözesanversammlung ein neues synodales Gremium bekommen. Beim diözesanen Forum IX am 24. und 25. August in Ludwigshafen werden hierfür die Weichen gestellt. Wir haben mit Luisa Fischer, der Vorsitzenden des Katholikenrates, über die Entwicklungen gesprochen.

Frau Fischer, die Legislaturperiode des Katholikenrates ist mehr als zur Hälfte vorbei. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?
Die vergangenen beiden Jahre sind zunächst von wichtigen Strukturfragen geprägt gewesen. Als Katholikenrat sind wir maßgeblich an der Konzeption der neuen Diözesanversammlung beteiligt gewesen. Außerdem steht in diesem Zusammenhang eine Satzungsreform des Katholikenrats an, die uns nach unserem Selbstverständnis fragen lässt. Diese Diskussionen haben uns immer wieder auch zu der durchaus selbstkritischen Frage geführt, was eigentlich der Kern unserer Identität als Katholikinnen und Katholiken, beziehungsweise einer Kirche in der heutigen Zeit ist. Das fordert uns als Katholikenrat enorm heraus! In diesem Zusammenhang freut es mich und macht es Mut, dass wir in der Frage des Zugehens auf Wiederverheiratet Geschiedene sowie der Frage der Zulassung von evangelischen Ehepartnerinnen und Ehepartnern in konfessionsverbindenden Ehen zur Eucharistie, die wir als Katholikenrat immer wieder als dringlich vorgebracht haben, zuletzt kleine Schritte vorangekommen sind.

Sie haben die Diözesanversammlung schon angesprochen. Ende August findet in Ludwigshafen das nächste Diözesane Forum statt, das neunte inzwischen. Die Foren wurden ins Leben gerufen, um den seelsorglichen Erneuerungsprozess „Gemeindepastoral 2015“ auf den Weg zu bringen und die Umsetzung zu begleiten. Jetzt sollen die Foren institutionalisiert und in eine Diözesanversammlung überführt werden – mit synodalen Strukturen. Wie sieht der Katholikenrat das Vorhaben und den Satzungsentwurf?
Als Katholikenrat haben wir die Institutionalisierung dieser Beratungsform mit vorangetrieben. Uns ist es besonders wichtig, dass es in unserem Bistum ein starkes Gremium gibt, in dem nicht-geweihte Katholikinnen und Katholiken gemeinsam mit Priestern, Diakonen und Ordensleuten um Antworten auf die wichtigsten pastoralen Fragen unseres Bistums ringen und den Bischof in seiner Entscheidungsfindung entsprechend beraten. Sowohl wir als Vorstand als auch unsere Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft, die den Satzungsentwurf erarbeitet hat, konnten von Anfang an die Erstellung der Satzung in dieser Hinsicht wesentlich mitprägen. Diese neue Beratungsform bietet sicherlich mehr Synodalität als bisher, gleichzeitig ist sie noch weit entfernt von dem, was wir uns unter Synodalität vollverwirklicht vorstellen. So gibt es am vorliegenden Entwurf auch noch einige Änderungsanträge, die wir als Katholikenrat auf dem Forum einbringen wollen – etwa was die Regelmäßigkeit der Sitzungen oder die Hinzuwahl weiterer Mitglieder betrifft.

Welche Rolle wird der Katholikenrat also in der Diözesanversammlung spielen? Versteht sich der Katholikenrat hier als Vertretung der Basis? Ein großer Teil der Mitglieder wird ja aus Priestern und Hauptamtlichen, beziehungsweise im Dienst des Bistums Beschäftigten bestehen.
Der Katholikenrat wird das größte in der Diözesanversammlung repräsentierte Gremium sein. Damit hat er für die Beratungen ein ganz besonderes Gewicht. Wir verstehen uns als das höchste Vertretungsgremium der nicht-geweihten Katholikinnen und Katholiken im Bistum Speyer. Ganz bewusst verzichten wir auf die Bezeichnung „Laien“. In diesem Zusammenhang unterscheiden wir auch nicht zwischen „nur“ Ehrenamtlichen und in einem Dienstverhältnis zum Bistum stehenden Personen. Unsere Mitglieder werden durch Wahl in der Pfarrei oder dem Verband, beziehungsweise durch die direkte Hinzuwahl, legitimiert. Und so sollen die Wahlberechtigen entscheiden, wer sie am besten repräsentierten kann. Ich tue mir in diesem Zusammenhang deshalb schwer mit der Bezeichnung „Basis“, weil sie oft dazu verwendet wird, verschiedene Ebenen gegeneinander auszuspielen. Aber in unserem Gremium – und entsprechend in der Diözesanversammlung – sitzen Mitglieder aus Gemeindeausschüssen, Pfarreiratsvorsitzende, Verbandsmitglieder, Lektoren, Kirchendienerinnen und so weiter – also Frauen und Männer aus allen Teilen unseres Bistums, die sich vernetzen, um unser Bistum auf allen Ebenen mitzugestalten. Da es unser Anspruch ist, die Pluralität der katholischen Kirche in unserem Bistum abzubilden, wollen wir zukünftig außerdem noch stärker als bisher Katholikinnen und Katholiken, die nicht in den „klassischen Feldern“ Pfarrei oder Verband engagiert sind, in unserem Gremium repräsentiert wissen.

Was bedeutet die Gründung einer Diözesanversammlung für die Arbeit des Katholikenrates? Gibt es eine Arbeitsteilung? Gibt es Themen und Bereiche, die der Diözesanversammlung zuwachsen? Verliert der Katholikenrat dadurch an Bedeutung?
Meiner Meinung nach kann der Katholikenrat durch die Einrichtung einer Diözesanversammlung an Bedeutung gewinnen. Das wird allerdings davon abhängen, wie sich dieses Gremium nach Abschluss der Satzungsberatungen darstellt, dann ins Arbeiten kommt und welche Beratungskultur sich entwickelt. Es wird außerdem entscheidend sein, wie gut es uns als Katholikenrat gelingt, Themen und Beratungsgegenstände dort einzubringen und uns in unserer Meinungsbildung zu vernetzen. Die Erfahrungen aus den letzten Diözesanen Foren machen mir in dieser Hinsicht allerdings große Hoffnung.
Als Katholikenrat bleiben wir in unserer Meinungsbildung unabhängig. Außerdem wird es auch Aufgaben geben, die uns als Katholikenrat vorbehalten bleiben. Das gilt etwa für die Vertretung im Zentralkomitee deutscher Katholiken oder den Landesarbeitsgemeinschaften Rheinland-Pfalz und Saar.

Was sind darüber hinaus die aktuellen Schwerpunkte in der Arbeit des Katholikenrats und seiner Sachausschüsse?
Weil wir uns als Katholikenrat als Vertretungsgremium aller nicht-geweihten Katholikinnen und Katholiken verstehen, gibt es derzeit eine Altersgruppe, die uns besonders beschäftigt: Die jungen Erwachsenen in der Phase nach Abschluss ihrer Ausbildung oder ihres Studiums bis 35 Jahre. Diese Personen erreichen wir sowohl in unseren Pfarreien als auch in unseren Verbänden kaum, sprechen sie häufig mit unseren Angeboten aber auch nicht an. Einer unserer Sachausschüsse setzt sich derzeit mit dieser Thematik auseinander und wird sie auf der kommenden Vollversammlung einbringen. Dass wir nicht nur um uns selbst kreisen, macht wohl vor allem die Arbeit zweier weiterer Sachausschüsse deutlich. Unser Sachausschusses „Arbeit und Soziale Verantwortung“ beschäftigt sich zurzeit kritisch mit den politisch immer wieder diskutierten Modellen eines „Bedingungslosen Grundeinkommens“ und mit unserem Sachausschuss „Globale Verantwortung“ sind wir etwa an der Aktion „Trendsetter Weltretter“ beteiligt.

Beim August-Forum in Ludwigshafen geht es auch um das Thema „Visionen für das Bistum Speyer“. Welche Impulse wird der Katholikenrat in die Diskussion einbringen?
Im September werden wir uns als Katholikenrat auf einem Workshoptag mit dem Thema „Kirche jenseits klassischer Strukturen“ befassen. Ich bin davon überzeugt, dass Kirche nur als lernende Gemeinschaft, als dienende und synodale Kirche zukunftsfähig sein kann. Dazu gehört es auch, sich einzugestehen, dass wir mit unseren „klassischen“ – und teilweise eingefahrenen – Strukturen nur noch wenige erreichen. Es muss uns gelingen, neben diesen Orten auch neue Wege zu gehen, um unserem Auftrag als Katholikinnen und Katholiken in unserem Bistum und dieser Welt gerecht zu werden. Das erfordert Kreativität, Mut und Gottvertrauen. Und es erfordert eine Überwindung der Unterscheidung von Welt- und Heilsdienst. Vielleicht können wir als Katholikenrat dazu einen Beitrag leisten. Unser Sachausschuss „Innerkirchliches“ wird den Visionen-Prozess unseres Bistums jedenfalls intensiv begleiten.
Last but not least ein Aspekt, wobei der Hinweis darauf durchaus als Teil von Christiane Florins „Weiberaufstand“ gedeutet werden darf: Ich hoffe auf eine durch und durch gerechte Kirche. Im Ausschluss der Frauen vom Weiheamt identifiziere ich eine Ungerechtigkeit, die dieser Vision noch entgegensteht. Einer der ersten Beschlüsse in meiner Amtszeit ist der Beitritt des Katholikenrats zum Netzwerk Frauendiakonat gewesen. Ich hoffe, dass wir als Kirche in diesem Zusammenhang nicht nur kleine Schritte, sondern große Schritte vorankommen. Und dass wir uns dafür keine Zeit mehr lassen, denn diese Frage verträgt keinen Aufschub mehr. (Interview: Norbert Rönn)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Norbert Rönn
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