Wochenkommentar

Donnerstag, 26. April 2018

Katholikin und Genossin

Politisches Engagement entstand aus der Beziehung zur Kirche

Die älteste Partei Deutschlands hat nun erstmals eine Frau an ihrer Spitze: Am Sonntag wählten die Delegierten Andrea Nahles (mit lediglich 66 Prozent der Stimmen) zu ihrer Vorsitzenden. In ihrer kämpferischen Bewerbungsrede betonte sie gleich zum Auftakt, wie ungewöhnlich ihr Aufstieg in der Partei ist: „Katholisch, Arbeiterkind, Mädchen, Land – es war nicht unbedingt logisch, dass ich in der SPD Karriere machen werde.“

In der Tat hatte noch vor wenigen Jahren kaum jemand sie für diesen Posten auf dem Schirm gehabt. Weniger wegen ihrer Herkunft. Vielen war die ehemalige Juso-Vorsitzende nicht erst seit ihrer Ablehnung der Agenda 2010 zu links und zu krawallig.

Nahles wuchs in einem katholischen Elternhaus als Tochter eines Maurermeisters in der Eifel auf. Nach dem Abitur – in der Abi-Zeitung gab sie „Hausfrau oder Bundeskanzlerin“ als Berufswunsch an – studierte sie Politik, Philosophie und Germanistik in Bonn. Parallel dazu stieg Nahles in der SPD auf: Als 18-Jährige trat sie in die Partei ein, 1995 wurde sie Bundesvorsitzende der Jusos. Mitglied im SPD-Parteivorstand ist sie seit 1997, dem Präsidium gehört sie seit 2003 an. In den Bundestag kam sie erstmals 1998. Bevor sie 2013 Arbeitsministerin wurde, war sie vier Jahre lang SPD-Generalsekretärin. Seit Herbst ist Nahles Fraktionsvorsitzende.

Und in ihrem katholischen Glauben tief verwurzelt. Bevor vor knapp zehn Jahren ihre Biografie „Frau, gläubig, links“ erschien, wussten das nur wenige ihrer Parteigenossen. „Aus meinem Christsein lässt sich mein Kompass für Gerechtigkeitsfragen entwickeln“, sagte sie in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Und weiter: „Im Grunde entstand das linke, das sozialdemokratische Engagement aus meinem Engagement in der katholischen Kirche.“

So war Nahles Messdienerin und in einer ökumenischen Jugendgruppe aktiv. Mittlerweile ist sie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Lange Zeit zog sie sich regelmäßig einmal im Jahr für eine Wolche ins Kloster zurück. In ihrem Berliner Büro hängt ein Holzkreuz aus der Abtei Maria Laach in der Nähe ihres Heimatdorfs. Ihr Glaube habe sie geprägt, lange vor ihrem Eintritt in die SPD, betont sie. „Hausieren“ gehen wolle sie damit aber nicht. (Birgit Wilke)

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