Im Gespräch

Mittwoch, 25. Januar 2017

Kein Grund, hoffnungslos zu werden

Bischof em. Dr. Anton Schlembach wird am 7. Februar 85 Jahre alt

Bischof em. Dr. Anton Schlembach wird 85. Foto: Klaus Landry/is

Fast ein Vierteljahrhundert war Dr. Anton Schlembach Bischof von Speyer. Im romanischen Kaiserdom empfing er Papst Johannes Paul II., aber auch viele andere Staats- und Regierungschefs. Jetzt – am 7. Februar – wird er 85 Jahre alt.

Wirkliche Glaubenszweifel sind nicht Sache des früheren Speyerer Bischofs: „Das Christentum ist wahr, das Christentum ist gut, das Christentum ist schön, es gibt nichts Besseres.“ Das müsse überzeugend und leuchtend verkündet werden, fasst Schlembach seine Überzeugung zusammen. Immer wieder mahnt er eine „Kultur der Liebe“ an, und warnt, die Grundwerte und die Humanität einer Gesellschaft seien dort gefährdet, wo es keinen Gottesglauben gebe.

Bischof em. Schlembach lebt im Caritas-Altenzentrum St. Martha in Speyer, ist geistig fit und hält sich mit Lesen auf dem Laufenden. Dem Alter entsprechend geht es Bischof Schlembach gut, aber in den zurückliegenden Monaten machten ihm doch altersbedingte Einschränkungen zu schaffen, so dass er sein 60-jähriges Priesterjubiläum nicht wie geplant feiern konnte. Auch seinen 85. Geburtstag wird er nur im kleinsten Kreis begehen.

Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt Bischof Schlembach den Besuch von Papst Johannes Paul II. 1987 im Kaiserdom und die Seligsprechung des pfälzischen Priesters, Sozialreformers und Ordensgründers Paul Josef Nardini. Das war 2006, kurz nach dem 50. Jahrestag von Schlembachs Priesterweihe. Für den Altbischof, der den Seligsprechungsprozess auf den Weg gebracht hatte, eine „beglückende Fügung, das schönste Jubiläumsgeschenk“. Doch nicht nur der Papst war in Speyer, viele andere Staats- und Regierungschefs besuchten auf Einladung von Altkanzler Helmut Kohl Speyer und statteten dabei auch der größten romanischen Kirche der Welt einen Besuch ab. Mit dem Papstbesuch verbindet Bischof em. Schlembach auch die Seligsprechung Edith Steins (am 1. Mai 1987 in Köln), die viele Jahre in Speyer gelebt und gearbeitet hatte und deren Verehrung er unter anderem durch die Gründung der Edith-Stein-Gesellschaft förderte.

Schlembach wurde als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im unterfränkischen Großwenkheim geboren. Gerne erinnert er sich an die dortige „sehr schöne Barockkirche“. Das Gotteshaus sei „ein Raum, der froh stimmt, hell ist“. Von daher seien für ihn Glaube und Kirche immer mit „Licht und Freude“ verbunden gewesen.

Die Priesterweihe empfing er 1956 in Rom. Die Weihe in der Heiligen Stadt, sagt er, sei für ihn Ansporn gewesen, sich um „ein katholisches, um ein weltkirchliches Bewusstsein“ zu bemühen. Als Johannes Paul II. ihn 1983 zum Bischof ernannte, war Schlembach Generalvikar in Würzburg. Die Ernennung kam für ihn „völlig überraschend“. Er habe es zunächst nicht glauben können, um Bedenkzeit gebeten, dann sein Einverständnis gegeben.

Am 16. Oktober 1983 wurde Schlembach im Speyerer Dom zum Bischof geweiht, ein Mann der lauten Töne wurde er indes nicht. Als er 24 Jahre später aus Altersgründen zurücktrat, würdigte ihn der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, als nachdenklichen, gewissenhaften und unerschrockenen Menschen und Bischof. Er habe länger schweigen können, und wenn er sich zu Wort gemeldet habe, habe er etwas zu sagen gehabt.

Es versteht sich fast von selbst, dass Schlembach auch heute nicht gefährdet ist, sich in tagesaktuelle Dinge einzumischen. Aber wenn er angefragt wird, teilt er gerne sein Wissen und den tiefen Erfahrungsschatz aus seinen Bischofsjahren. Nicht selten erwachsen daraus wichtige und hilfreiche Impulse und Hinweise. Und wenn, wie nach dem Festgottesdienst zur Weihe des Kaiserdoms vor 950 Jahren im Jahr 2011, der berühmte Domnapf vor der Kathedrale gefüllt ist, dann mischt sich der Bischof mit einem Glas Wein in der Hand gerne und fröhlich unters Volk.

Natürlich, sagte Schlembach in einem Interview, gebe es auch für einen Priester Enttäuschungen, Sorgen, Zweifel. Nie aber gebe es einen hinreichenden Grund, hoffnungslos zu werden, sich in Kritik und Anklage zu erschöpfen. „Viel öfter“, so der Bischof, „habe ich Grund zu sagen: Es ist eine Lust, katholisch zu sein.“ (red)

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