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Donnerstag, 13. Dezember 2018

Klimawandel braucht Wertewandel

Weltklimakonferenz in Kattowitz ruft Kirchen auf den Plan

In Kattowitz schildern Vertreterinnen und Vertreter aus Ländern des Südens eindringlich die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Völker. Foto: actionpress

Papst Franziskus erhofft sich von der Weltklimakonferenz in Kattowitz entscheidende Fortschritte im Kampf gegen Erderwärmung. In Deutschland wird „Klimagerechtigkeit“ zunehmend zu einem Thema ökumenischer Zusammenarbeit.

Nicht erst seit der Aufsehen erregenden Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus ist Klimaschutz ein Thema für die katholische Kirche. In den meisten Bistümern hierzulande gibt es seit Jahrzehnten Umweltbeauftragte, Klimaoffensiven, energetische Sanierungen von pfarrlichen Gebäuden. Doch das reicht ihr noch nicht.

Gemeinsam mit der evangelischen Kirche knüpft sie neuerdings an einem „Ökumenischen Netzwerk Klimagerechtigkeit“ und schickte anlässlich der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz Wallfahrer auf einen „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ quer durch deutsche Braunkohlegebiete nach Polen.

Dabei kommt es den Kirchen weniger darauf an, als „ökologisch korrekt“ dazustehen, wie der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in Nürnberg der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) sagte. Angesichts des unleugbaren Klimawandels mit Folgen besonders für die armen Länder des Südens gehe es um „eine Neuentdeckung des Lebens“. Also darum, zu merken, wie ein gutes Leben aussehen könne, bei dem niemand das Gefühl habe, „ich lebe eigentlich gegen den Rest der Welt, gegen die Menschen in anderen Teilen der Welt“.

Bedford-Strohm plädiert für einen Wertewandel – und für mehr ökumenische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Bei der Klimafrage spiele die Konfession „überhaupt keine Rolle“. Die Kraft, sich für die Welt zu engagieren und die Liebe Gottes zur Welt mit eigenem Handeln zu bezeugen, „verbindet uns jenseits der Konfession“, erklärt Bedford-Strohm. Klimaschutz sei überdies nicht nur ein ethisches, sondern ein Glaubensthema: „Wir glauben an Gott den Schöpfer, der Himmel und Erde geschaffen hat, die Schöpfung ist uns anvertraut.“ Da könne es nicht ruhig lassen, so der EKD-Ratsvorsitzende, dass der vorherrschende Lebensstil die Erde zu zerstören drohe.

Auch sein katholischer Kollege, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, mahnt anlässlich des Weltklimagipfels einen Wertewandel an: „Durch unsere Art, mit der Umwelt umzugehen, verhindern wir Klimagerechtigkeit.“ Und: „Wer Umweltschäden hervorruft wie die reichen Nationen, muss auch dafür finanziell bestraft werden, das gehört zur Gerechtigkeit.“ Als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz wird er auf seinen Reisen nach Afrika, Asien und Lateinamerika mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. Für ihn ist dieser keine ferne Fiktion, sondern längst bittere Realität und Fluchtursache. Schick kann von biblischen Katastrophen berichten, von Dürre oder Überflutungen, Missernten, steigenden Meeresspiegeln, Tropenstürmen. „Die Klimasünder leben in den gemäßigten Zonen“, weiß er. Dabei könnten diese die menschengemachten Ursachen des Klimawandels wirksam bekämpfen, beispielsweise durch geringeren Energieverbrauch, weniger Emissionen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Von einer „Reduktion der Fleischproduktion“ erwartet sich Josef Neher einen Beitrag zur Problemlösung. Der Vorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) in Bayern sagt, nachweislich verursache Viehhaltung einen hohen Ausstoß klimaschädlicher Gase. Daher sollten sich Verbraucher bei Schnitzel und Wurst bescheiden. Schließlich entscheide der Kunde mit seiner Nachfrage darüber, was der Landwirt auch auf den Markt bringe. Nicht zuletzt nach dem Hitzesommer 2018 mit Ernteausfällen und Wasserknappheit müssten sich auch deutsche Bauern den „spürbaren Folgen des Klimawandels stellen“. (Marion Krüger-Hundrup)

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