Aus dem Bistum

Mittwoch, 25. Mai 2016

Lebenswelten der Frauen wahrnehmen

KDFB-Vorsitzende Monika Keggenhoff über Herausforderungen und ihr neues Amt

Monika Keggenhoff steht für die nächsten vier Jahre an der Spitze des KDFB in der Diözese Speyer. Foto: Kohler-Ullrich

Monika Keggenhoff ist seit dem 9. März die neue Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Speyer. Sie folgte der langjährigen Vorsitzenden Irene Wimmi nach, die nicht mehr kandidierte. „der pilger“ hat die 56-Jährige über den KDFB, ihr neues Amt und zum Diakonat der Frau befragt.

Frau Keggenhoff, Anfang März wurden Sie zur neuen Vorsitzenden des KDFB im Bistum Speyer gewählt. Welche Erfahrungen konnten Sie bereits sammeln, und was haben Sie sich für Ihr neues Amt vorgenommen?
Ich gehöre dem Frauenbund seit 20 Jahren als Mitglied an, habe aber meistens  an der „Basis“ gewirkt. Deshalb nehme ich den Verband aus einer ganz anderen Perspektive wahr. Es ist ein großer Unterschied, ob ich mit meiner Frauenschola einen Gottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum des Diözesanverbandes im Dom mitgestalte oder ob ich selbst gefordert bin, die Verantwortung für diesen Verband  mit seinen 1565 Frauen in 22 Zweigvereinen und einer Geschäftsstelle in Landau zu übernehmen. Da habe ich mich in den ersten Wochen schon mal gefragt, ob ich das alles schaffe.
Aber die herzliche Aufnahme im Vorstand und die große Unterstützung auch durch ehemalige Vorstandsmitglieder, durch die Bildungsreferentin und die Geschäftsstelle haben mir immer wieder Mut gemacht, die Herausforderung anzunehmen. Auch meine Erfahrungen als Gesangspädagogin und Chorleiterin helfen mir oft weiter. Denn auch in der musikalischen Arbeit müssen unterschiedliche Talente und Stimmen  mit Energie, aber auch mit Fingerspitzengefühl zu einem stimmigen Ganzen zusammengeführt werden.
Für mein Amt habe ich mir zunächst vorgenommen, den Kontakt zwischen den  Frauen in den Zweigvereinen und dem Diözesanvorstand weiter zu vertiefen und das Bewusstsein zu stärken, dass wir nur gemeinsam als Diözesanverband Speyer in die Zukunft gehen können.
 
Die KDFB hat – wie viele andere Verbände auch – Nachwuchsprobleme. Worin liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen? Sehen Sie Möglichkeiten, wie dieser Entwicklung begegnet werden  kann?
Das ist eine schwierige Frage, denn die Ursachen sind sicher vielfältig. Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Frauen durch den Beruf, die Betreuung von Kindern und Enkelkindern oder die Pflege älterer Angehöriger sind in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen. Viele Frauen wollen sich engagieren, haben aber häufig nicht die Zeit und die Kraft für ein Ehrenamt. Eine dauerhafte Verpflichtung einzugehen, etwa die Vorstandsarbeit im Zweigverein zu übernehmen, fällt da schwer.
Die junge Frauengeneration – und nicht nur sie – lebt ihre sozialen Bedürfnisse viel mehr in den sozialen Netzwerken aus als in den Vereinen und Verbänden. Die klassische Bildungsarbeit durch Vorträge und Veranstaltungen wird häufig durch einen Besuch bei „Tante Google“ ersetzt, und politisches Engagement steht momentan auch nicht so hoch im Kurs. Wir müssen diese Veränderungen der Lebenswelten von Frauen sensibel wahrnehmen und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen eingehen. Der Prozess „Verbandsentwicklung“, den der Bundesverband des KDFB vor zwei Jahren angeschoben hat, kann uns hier sicher wertvolle Hilfe leisten.
Wenn es uns gelingt, die Gemeinschaft der schon bestehenden Zweigvereine zu stärken, aber gleichzeitig Offenheit nach außen zu zeigen und unser Engagement auf kirchlicher, politischer und sozialer Ebene für andere sichtbar zu machen, dann haben wir die Chance, neue Frauen zu gewinnen und unseren Verband zukunftsfähig zu machen.

Der Prozess „Gemeindepastoral 2015“ führt zu vielen Veränderungen im Bistum Speyer. Ist auch Ihr Frauenverband davon betroffen?
Viele Mitglieder des Frauenbundes waren und sind in ihren Gemeinden und nun auch in der Großpfarrei aktiv. Sie haben sich zur Wahl in die neuen Gremien gestellt oder sind in der Flüchtlingsarbeit, der Caritas oder der Ökumene sowie an anderen Orten, an denen die „Gemeindepastoral 2015“ umgesetzt wird, tätig.
Insofern sind sie natürlich auch von den Veränderungen betroffen und müssen damit umgehen. Wie sie das genau tun, kann ich als neue Vorsitzende noch nicht einschätzen, aber ich hoffe, dass sie es lösungsorientiert und da, wo es nötig ist, auch kritisch tun. Ob die Veränderungen sich auf den Diözesanverband auswirken werden, etwa in finanzieller Hinsicht, lässt sich im Moment noch nicht absehen.

Papst Franziskus hat angekündigt, das Diakonat für Frauen zu prüfen. Wie bewerten Sie diesen Schritt? Können die Frauen in der katholischen Kirche jetzt die Sektkorken knallen lassen?
Ich fürchte, nein. Dem beharrlichen Engagement von Katholikinnen und Katholiken für das Diakonat der Frau seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965), der Würzburger Synode (1975) und dem Bischofswort zur Stellung der Frau in der Gesellschaft (1981), welches „die von Männern und Frauen geteilte Verantwortung im sakramentalen diakonischen Amt“ als „Geschenk und Gewinn für alle“ bezeichnet, steht immer wieder die kirchliche Lehrmeinung gegenüber. Argumentiert wird hauptsächlich mit der Unteilbarkeit des dreistufigen Weiheamtes, die Frauen sowohl vom Priesteramt als auch vom Diakonat ausschließt.
Der KDFB hat im Jahr 1997 den Tag der Diakonin initiiert und macht seitdem in Zusammenarbeit mit zahlreichen Gruppen der katholischen Frauenverbände am 29. April, dem Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena, bundesweit bei Veranstaltungen und Gottesdiensten darauf aufmerksam, dass es in der Kirche das Amt der Diakonin über Jahrhunderte gab. Um die Prüfung dieser historischen Fakten soll es ja auch in der von Papst Franziskus angekündigten Kommission, in die hoffentlich auch Frauen berufen werden, gehen.
Ich würde mir wünschen, dass die Kirche erkennt, dass sie von einer Anerkennung und Stärkung der engagierten Frauen durch die Weihe zur ständigen Diakonin nur profitieren kann und dass ein solcher Schritt ein sichtbares Zeichen auf dem Weg zu einer partnerschaftlichen Kirche ist. (Interview: Petra Derst)

Wer sich für den KDFB interessiert,
kann sich an die Geschäftsstelle in Landau
Telefon 06341/919288
E-Mail: info@frauenbund-speyer.de
wenden.
Öffnungszeiten: 
montags bis donnerstags von 10 bis 13 Uhr.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Petra Derst
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