Kirche und Welt

Donnerstag, 21. April 2016

Lehmann geht und bleibt

Die Mainzer und ihr Kardinal – Eine besondere Beziehung

Kardinal Lehmann ist Ehrenbürger der Stadt Mainz, Ehrenbürger der dortigen Universität und Ehrenmitglied des Fußball-Erstligisten FSV Mainz 05. Foto: actionpress

Nach fast 33 Jahren ist er nun bald nicht mehr Bischof von Mainz: Kardinal Karl Lehmann. Aber „Bischof in den Herzen der Mainzer“, wie es Ex-Bürgermeister Jens Beutel einmal ausdrückte, wird er auch nach seinem am 15. April angekündigten Rücktritt bleiben.

Als Lehmann am 2. Oktober 1983 im Mainzer Dom zum Bischof geweiht und ins Amt eingeführt wurde, war er 47 Jahre alt. Am 16. Mai, dem Pfingstmontag, wird er 80. Und es besteht, so das Bistum, „wohl kein Zweifel daran, dass der Mainzer Bischofsstuhl ab Dienstag, 17. Mai 2016, vakant ist“. Lehmann habe mit Blick auf seinen 80. Geburtstag Papst Franziskus um eine Beendigung seines Dienstes gebeten, und es bestehe „kaum ein Zweifel daran, dass Papst Franziskus Kardinal Lehmann seine Bitte erfüllt“.

Der Kardinal ist nach offizieller, aber nicht gesicherter Zählung der 102. Bischof von Mainz. Mit Sicherheit ist er der 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius, der von 746 bis 754 auf dem Mainzer Bischofsstuhl saß. Wenige Monate vor Lehmanns Amtseinführung hatte ihn das Domkapitel am 3. Juni 1983 einstimmig und ohne Enthaltungen zum Bischof gewählt. Am 23. Juni erfolgte die Ernennung durch Papst Johannes Paul II.

Als Lehmann an diesem Tag in Mainz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, sagte er: „Ich komme gerne, um mit Ihnen allen auf einem altehrwürdigen Stück Boden der europäischen Christenheit den Glauben der Kirche in unverbrüchlicher Treue zu seinen Ursprüngen und zu seiner großen Geschichte, aber auch in Treue zu den Menschen, die hier und heute mit ihren Fragen und Nöten leben, zu bezeugen.“

Das tat er dann auch. Und die Art und Weise, wie Lehmann sein Bischofsamt ausfüllte und – von 1987 bis 2008 – als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz agierte, brachte ihm weit über Mainz hinaus, aber eben auch gerade dort ein hohes Maß an Sympathie ein. Nachdem Johannes Paul II. ihn Anfang 2001 zum Kardinal erhoben hatte, feierten das in Mainz in und vor dem Dom mehrere tausend Menschen. In seiner Predigt damals zitierte der neue Kardinal den heiligen Augustinus: „Für euch bin ich nämlich Bischof, mit euch bin ich Christ.“

Lehmann ist Ehrenbürger der Stadt Mainz, Ehrenbürger der dortigen Universität, Ehrenmitglied des Fußball-Erstligisten FSV Mainz 05. An Fastnacht war aus der „Bütt“ zu hören, der sei „hier richtig, der passt in die Welt“, und es wurden alkoholische Getränke nach ihm benannt: „Mainzer Lehmännchen“.

Als Lehmann im Februar 2008 nach fast 21 Jahren mit Rücksicht auf seine Gesundheit vom Vorsitz der Bischofskonferenz zurücktrat, waren die Mainzer erleichtert, dass er ihnen als Bischof erhalten blieb. Das waren sie auch, als vor fünf Jahren der damalige Papst Benedikt XVI. Lehmanns Rücktrittsgesuch, das er mit Erreichen der einem katholischen Bischof gesetzten Altersgrenze von 75 Jahren eingereicht hatte, ablehnte. „Ich werde einfach mal meinen Dienst weiter tun“, so Lehmann damals, „werde sehen, wieweit es da gesundheitliche Grenzen gibt.“

Lehmann weiß, dass seine Gesundheit angegriffen ist, hat sich Schonung verordnet. Für jedermann sichtbar: Das Gehen fällt ihm schwer, was auf Kniebeschwerden zurückzuführen ist. Schon von daher bringt der Abschied vom Bischofsamt dem Kardinal eine ihm zuträgliche Entlastung

Und was bringt die Zukunft? Er werde gewiss viel lesen, werde Freunde und Verwandte besuchen, was er in der Vergangenheit leider habe vernachlässigen müssen, sagt Lehmann. Und „so Gott will, werde ich sicherlich auch noch das eine oder andere veröffentlichen. Und sonst freue ich mich darauf, am Wochenende mal daheimbleiben zu können.“

Daheim – das ist in seinem angestammten Bischofshaus. So hat es das Domkapitel beschlossen. Wie es auch entschieden hat, dass ein neuer Bischof in die Wohnung von Lehmanns Vorgänger Kardinal Hermann Volk (1903-1988) ziehen soll. Lehmann bleibt also den Mainzern und dem Dom nahe, bleibt in seiner gewohnten häuslichen Umgebung – und damit nicht zuletzt bei seinen über 100000 Büchern. Richtig: über 100000. (red)

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