Wochenkommentar

Donnerstag, 24. Januar 2019

Mehr Ehrlichkeit

In Deutschland sind zu viele Stellen in der Betreuung unbesetzt

Junge Mütter wollen berufstätig sein, weil sie sich – und wieso nicht? – auch in einem interessanten Beruf verwirklichen wollen. Andere junge Mütter müssen berufstätig sein, weil in vielen Ehen ein einziges Einkommen nicht ausreicht, um neben einer hohen Miete die anderen Bedingungen des heutigen Lebens finanzieren zu können. Und wieder andere junge Mütter möchten zumindest einige Jahre auf Berufstätigkeit verzichten oder nur halbe Wochen einem Beruf nachgehen, weil sie für ihre Kinder und für die Familie da sein möchten.

Für all diese jungen Mütter sind die Kindertagesstätten hilfreich. Welcher Weg für die Kinder und für die Eltern am Ende der beste ist – darüber streiten die Gelehrten noch, auch einige kapitalistische und sozialistische Ideologen. Die verantwortlichen Politiker aber müssen gewarnt werden, mit Blick auf die Wählergunst falsche Hoffnungen zu wecken. Da werden zum Beispiel Beschlüsse gefasst oder angekündigt, nach denen jedes Kind einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz in einer Kita haben soll; manche Landesregierung strebt die 24-Stunden-Kita an. Doch solche Versprechungen sind nicht einmal blauer Dunst, wenn es nicht genug Betreuer(innen) gibt – und die gibt es nicht. In diesem Punkt muss von vielen Politikern mehr Ehrlichkeit gefordert werden. Es schafft nur Verdruss, wenn der Eindruck erweckt wird, man brauche nur einen einschlägigen Parlamentsbeschluss und die Zustimmung des Finanzministers, und dann seien die Pfleger(innen) und Betreuer(innen) morgen zur Stelle. Kinder, Kranke und Gebrechliche zu betreuen und zu pflegen – das müssen Menschen können und wollen, und sie müssen für ihre wichtigen und verantwortungsvollen Berufe Fachwissen lernen.

In Deutschland – darauf ist aus gegebenem Anlass jetzt wieder hingewiesen worden – fehlen für Kinder, Kranke und Schwachgewordene rund 100 000 Betreuer(innen) und Pfleger(innen). Allein diese eine Zahl muss jedem klarmachen, wie groß das Problem ist. Es wäre besser, nicht zum Wohl  der Produktion über die 24-Stunden-Kita und ähnliches nachzudenken, sondern über Arbeitsbedingungen im Berufsleben, die das Wohl der Menschen, der Familien, der Kinder und der Pfleger(innen) berücksichtigen. (Rudolf Bauer)

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