Wochenkommentar

Mittwoch, 23. Mai 2018

Mehr Theologie für Berlin

In der Metropole Dimension des Menschen zur Sprache bringen

Nach langem Ringen scheint der Weg für ein Katholisches Institut an der Berliner Humboldt-Universität endlich frei zu sein. Sollten Kuratorium und Senat der Universität noch vor der Sommerpause definitiv zustimmen und die Berufungen zügig erteilt werden, dann könnte das neue Institut zum Wintersemester 2019/20 seine Arbeit aufnehmen.

Das sind uneingeschränkt positive Nachrichten, denn es war schon lange überfällig, die katholische Theologie in der deutschen Hauptstadt zu etablieren. Dass das neue Katholische Institut mit Zustimmung des Vatikan und von Erzbischof  Heiner Koch in der pluralen und säkular geprägten Metropole stärker anthropologisch und kulturwissenschaftlich geprägt sein wird als andere katholische Fakultäten, mag auf den ersten Blick verblüffen, ist aber nur konsequent. An diesem besonderen Standort ist es auch richtig, den intensiven Dialog mit anderen Disziplinen wie Geistes-, Lebens-, Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften zu betreiben. Ein Wermutstropfen ist sicherlich, dass das neue Institut keine Priesterausbildung anbieten wird. Für die Lehrerausbildung – in Berlin bekommen 25 000 katholische Schüler freiwilligen Religionsunterricht – wird es aber ganz wertvolle Dienste leisten, vor allem wenn man daran denkt, dass in fünf bis sechs Jahren dort viele Religionslehrer in den Ruhestand gehen.

Parallel zu der neuen Entwicklung drängen viele aber auch weiterhin auf die Errichtung einer „Fakultät der Theologien“, die es in der angedachten Form bisher nirgendwo gibt. Eine solche Zusammenführung verschiedener Theologien unter dem Dach einer Fakultät macht aber tatsächlich nur Sinn, wenn die jeweilige Eigenständigkeit gewahrt bleibt und sie nicht zu einem unterschiedslosen Mischmasch führt. Interreligiöser Dialog und verstärktes Gespräch mit der Gesellschaft – das passt zweifelsohne zur Metropole Berlin und könnte auch in einem katholischen Wissenschaftskolleg, wie Erzbischof Koch es sich wünscht, eine große Rolle spielen. Für ein Katholisches Institut aber ist es unerlässlich und zentral, die Frage nach Gott zu stellen und wachzuhalten. Dass sie in Berlin als Dimension des Menschen zur Sprache kommt, ist nur zu begrüßen. (Gerd Felder) 

  

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