Geistliches Leben

Mittwoch, 23. Mai 2018

(Meine) Mission

Voneinander lernen und miteinander glauben – Gedanken zum Matthäus-Evangelium 28, 16–20 von Pastoralreferent Thomas Stephan

Wer den Begriff „Mission“ wie versteht und was hierbei erlaubt, geboten und verantwortbar erscheint, darüber gibt es bis zum heutigen Tag eine Vielzahl unterschiedlicher Sichtweisen. Aus historischer Perspektive muss heute vieles als äußerst problematisch angesehen werden, was im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes beispielsweise im Zusammenhang mit der gewaltsamen „Schwertmission“ und den Kreuzzügen des Mittelalters angerichtet und im Namen des dreifältigen Gottes als legitim angesehen wurde.

Ein Ausgangspunkt dieses dunklen Teils der Kirchengeschichte ist die Auslegung und Ausführung des so genannten Tauf- oder Missionsbefehls Jesu, der uns im heutigen Evangelium begegnet: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Von Petrus Canisius, Jesuit und Kirchenlehrer aus dem 16. Jahrhundert, ist hierzu die über Jahrhunderte weithin anerkannte Sichtweise nachzulesen, wonach sich Muslime, Juden und Häretiker auf derselben Ebene befinden und vom „vere christianus" (dem echten Christen) verlangt wird, Angehörige anderer Religionen als Häretiker zu verurteilen und ihre Lehre als „schädliche Pest“ zu meiden. Als Kind seiner Zeit vertrat Petrus Canisius die vorherrschende Meinung, dass alle Ungetauften und diejenigen, die den Glauben der Kirche nicht bekennen, keine Heilschancen besitzen und als Verdammte anzusehen sind. Diese Auffassung herrschte lange vor, aber Gott sei Dank hat hier im Zwanzigsten Jahrhundert ein Umdenken statt gefunden.

Vierhundert Jahre später hat das Zweite Vatikanische Konzil mit der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, „Nostra aetate“, ein neues Kapitel aufgeschlagen. Dort steht, dass die Kirche Wahres und Heiliges in den anderen Religionen anerkennt. Somit fand eine Abkehr des kirchlichen Anspruchs Extra ecclesiam nulla salus („Außerhalb der Kirche kein Heil“) statt. Ebenfalls heißt es im Dekret „Ad gentes“, zur Missionstätigkeit der Kirche: „Die Kirche verbietet streng, dass jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflusst oder angelockt werde, wie sie umgekehrt mit Nachdruck für das Recht eintritt, dass niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde.“

Der Versuch, Geschichte zu verändern oder zu vernebeln, wie es in manchen (ost-)europäischen Ländern zurzeit mit Blick auf ihre Rolle im Dritten Reich geschieht, kann fatale Konsequenzen haben. Umso wichtiger ist für die Kirche, offen und ehrlich mit ihren dunklen Kapiteln umzugehen und nach Möglichkeit zu suchen, aus (alten) Fehlern zu lernen. Besonders am Beispiel des „Missionsbegriffs“ lässt sich ablesen, welche großen (Fort-) Schritte bereits gegangen wurden. Ein bahnbrechender Begriff im Zusammenhang mit „Mission“ ist heute das Wort von der „Weggefährtenschaft“, der das neue Miteinander der Religionen beschreiben kann. Von programmatischem Charakter dürfen weiterhin die Worte von Mutter Theresa angesehen werden, die sagte: „In der heutigen Zeit kommt es nicht auf möglichst viele Konversionen an, sondern darauf, dass „Hindus bessere Hindus, Muslime bessere Muslime“ werden und „Christen bessere Christen“.

So gesehen fordert der heutige Missionsbefehl vor allem uns selbst und unserem Christsein heraus. Bei uns selbst angekommen, stellt sich folglich die Frage, nach unserer Mission: Worin besteht sie, worin besteht mein persönlicher Auftrag? Was soll ich, was will ich als Christ im Namen Gottes tun?

Bei der Frage nach unserer Mission, kann uns die moderne Lesart des Missionsbegriffs weiterhelfen. Das internationale katholische Hilfswerk „missio“ hält hierzu einige hilfreiche Anregungen bereit. In einem ersten Schritt kommt es als Christ demnach darauf an, in einer „Hin-Geh-Struktur“ auf Menschen zuzugehen und dialogisch mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Der zweite Schritt zeichnet sich durch eine „Struktur des Beschenkt-Werdens“ aus. Mission ist danach keine „Einbahnkommunikation“, sondern besteht in einem Geben und Nehmen. Schließlich der dritte Schritt beinhaltet eine „soziale, diakonische und entwicklungspolitische Struktur.“ Darunter ist die besondere Verpflichtung und Ausrichtung auf die Armen gemeint, denen „Heil und Heilung“ zuteil werden soll.

„Missionarisch Weltkirche sein. Voneinander lernen und miteinander glauben“, so ist das Hilfswerk „missio“ überschrieben. Am heutigen Dreifaltigkeitssonntag kann die Auseinandersetzung mit dem „Tauf- oder Missionsbefehl“ Jesu, uns zum Nachdenken über unsere Mission und den Missionsauftrag an sich bringen. Jedoch sollten wir uns bei allem Ringen, um die „richtigen“ Schlüsse und Entscheidung, die Worte von Joseph Ratzinger in Erinnerung rufen, als er noch  Präfekt der Glaubenskongregation war, als er auf die Frage „Wie viele Wege es zu Gott gibt?“ lächelnd antwortete: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Pastoralreferent Thomas Stephan
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