Wochenkommentar

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Menschen werden entmündigt

Digitalisierung birgt Gefahr von Abhängigkeiten

Die Künstliche Intelligenz droht nach Ansicht von Yvonne Hofstetter die Menschen zu entmündigen und die Demokratie zu untergraben. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur warnte die Technologieunternehmerin und Datenexpertin zugleich vor einem neuen Verständnis des Menschen im digitalen Zeitalter. Er werde auf „einen Datenhaufen“, einen programmierbaren „biologistischen Algorithmus“ verkürzt.

„Wenn wir dauerhaft so behandelt werden, ändert das unsere Selbstwahrnehmung und unser gesellschaftliches Zusammenleben bis hin zur Rechtssetzung“, mahnt Hofstetter, „wir geraten in subtile Abhängigkeiten“. So bestimmten die Apps immer mehr das Selbstverständnis des Menschen.

Hofstetter seht die Gesellschaft in einem rasanten Wandel. Kein Lebensbereich könne sich dem Zugriff der Digitalisierung entziehen. „Wir stehen vor einer Milliardenindustrie, deren einziges kommerzielles Ziel ist, Menschen in ihrer eigenen Welt wie in einer Gummizelle festzuhalten, um Geld zu generieren“, kritisiert sie. Die Künstliche Intelligenz eröffnet ihrer Ansicht nach  auch ganz neue Möglichkeiten politischer Überwachung. Wie das aussehen könnte, zeigt China. Das Land will bis 2020 seine 1,3 Milliarden Bürger registrieren und über ein digitales Punktesystem ihre soziale Vertrauenswürdigkeit bewerten. Und in den  demokratischen Ländern  des Westens habe das Internet wiederum „immer mehr mit Marktfreiheit und immer wenig mit persönlicher Freiheit zu tun“.

„Die sozialen Medien versprechen Individualität, Einzigartigkeit: Ich erhalte mein Produkt, meinen Urlaub auf meiner Insel und so weiter“. Als Folge dieser „Singularität“ befürchtet die Datenexpertin eine „Atomisierung der Gesellschaft“. Diese Medien halten Menschen in der eigenen Welt gefangen „und so verlieren wir den gemeinsamen Blick auf die Wirklichkeit“, ist Hofstetter sicher. Dies sei zugleich „Nährboden für Populisten, Demagogen und Tyrannen, die Soziale Netzwerke zur Manipulation einsetzen“. Es gehe darum, die Werte der Menschenwürde und die soziale Marktwirtschaft gegenüber „einem rein liberalistischen Freiheitsverständnis der völligen Deregulierung und Datenabschöpfung in den USA“ zu verteidigen. (kna/pil)

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