Silbermöwe

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Mit Rebstöcken und Monstranz im Fluggepäck

Erfenbacher Ruandakreis besucht Partnergemeinde Nkanka

Partner und Freunde: Norbert und Susanne Herbrand, Birgit Kopnarski, Pfarrer Paulin Habimana, Bischof Jean Damascène Bimenyimana, Barbara Schneider, Michaela und Harry Stemmler, Pfarrer Marco Gabriel und Hubert Schneider (von links). Foto: Ruandakreis

Wohlbehalten wieder daheim. Mit einem deutlich geschrumpften Kofferkontingent ist die achtköpfige Gruppe des Ruandakreises der Pfarrei Erfenbach von ihrem Partnerschaftsbesuch in Afrika zurückgekehrt. Mit 15 bis an die zulässige Gewichtsgrenze ausgereizten Gepäckstücken landete sie in der Hauptstadt Kigali, mit weniger als der Hälfte kam sie nach Frankfurt zurück. In Ruanda geblieben waren die in den prallvollen Koffern mitgeführten Regenjacken, Fußbälle, Spielsachen, Autoersatzteile und Rebstöcke. Aber auch eine wertvolle Monstranz und ein Weihrauchfass.

Für Barbara Schneider war es bereits die fünfte Stippvisite in der afrikanischen Partnergemeinde Nkanka. Es ist dieser ganz persönliche Kontakt, den die Leiterin des Ruandakreises als unverzichtbar erachtet, um eine Partnerschaft lebendig zu halten. Barbara Schneider, Ehemann Hubert und Birgit Kopnarski, die als Grundschullehrerin seit Jahren eine Partnerschaft mit der École primaire St. Pierre auf der Insel Nkombo unterhält, sind im Laufe der Begegnungen das Land und besonders die Menschen ans Herz gewachsen.

Reich an Erlebnissen in einem fremden Kontinent abseits touristischer Pfade und bewegend-emotionalen Eindrücken sind aber auch die fünf Ruanda-Debütanten wieder in der Heimat gelandet. Auch mit der Erfahrung, dass das für uns Europäer jederzeit verfügbare Wasser in dem ostafrikanischen Land keine Selbstverständlichkeit ist.

„Die Herzlichkeit und die Freigiebigkeit der Menschen, die materiell so arm sind, haben uns sehr berührt“, konstatieren Susanne und Norbert Herbrand. Eine elementare Erkenntnis, die sie übrigens mit allen Reiseteilnehmern teilen. Sie waren fasziniert von den unterschiedlichsten Dingen, die von den Menschen auf dem Kopf transportiert werden, aber auch von der ausgeprägten, lebhaften, begeisterten Religiosität, die sich gerade im Gottesdienstbesuch widerspiegelt.

Für Harry Stemmler, der mit Gattin Michaela der Reisegruppe angehörte, war es besonders aufregend, nach genau 30 Jahren das Haus der Jugend „Umudugundu“ in Musha zu besuchen, in dem er mit weiteren Kolpingmitgliedern während eines mehrwöchigen Aufenthalts 1985 die Wasser- und Stromversorgung sicherstellte, und den noch immer aktiven damaligen Leiter, Pater Hermann Schulz, wieder zu treffen. „Am prägendsten in Erinnerung bleiben mir die Fröhlichkeit und Zufriedenheit der Menschen bei all ihren Sorgen und des Mangels an Vielem. Hier lernt man, was im Leben wirklich wichtig und notwendig ist“, erinnert sich Stemmler.

Eingeladen, einen Abend mit der Familie eines Pfarr- und Kolpingmitgliedes in dessen Heim verbringen zu dürfen, empfinden die Teilnehmer als eine große Ehre. Tief bewegt von dem warmen Empfang, als alle Familienmitglieder ihre Gäste namentlich in einem Lied willkommen hießen. Nicht minder ergreifend für alle Beteiligten war die Erteilung des Segens durch Reiseteilnehmer Pfarrer Marco Gabriel.

Unvergessen, so betonen die Ruandafahrer unisono, bleiben neben dem feierlichen Hochamt mit Priesterweihe in Nkanka, in dessen Verlauf sie vor 5000 Gottesdienstbesuchern die weitgereiste Monstranz an Pfarrer Paulin Habimana überreichten, auch die fröhlichen Abende im Pfarrhof und der Empfang durch die Schulkinder am Ufer von Nkombo. Hier konnten die deutschen Partner die finanzierten Projekte – Nähzentrum und Schulspeisung – in Augenschein nehmen. Für zwei neue Vorhaben, einen Schreibwarenladen mit Internet-Café in Nkanka, wurden beim Besuch des Koordinationsbüros des Landes Rheinland-Pfalz in der Hauptstadt Kigali die Weichen gestellt. Büroleiterin Heike Daume fungiert als Kontaktperson und begleitet die Projekte vor Ort.

So fast nebenbei haben die deutschen Partner ein erprobtes Projekt weitergeführt und 20 Ziegen an Familien übergeben. Als Kolpingfunktionäre haben Norbert Herbrand, Harry Stemmler und Hubert Schneider die Gelegenheit genutzt, sich über die Arbeit der Kolpingfamilie Nkanka zu informieren, die der Jugend mit einer handwerklichen Ausbildung eine Zukunftschance eröffnen möchte.  

Und noch etwas erfüllt die deutschen Partner mit Stolz: Bischof Jean Damascène Bimenyimana hat es sich nicht nehmen lassen, die Gäste aus Erfenbach zum einen in seiner Residenz in Cyangugu zu empfangen und zum anderen zu nächtlicher Stunde in Nkanka persönlich zu verabschieden und sie für 2016 zur Gründung der neuen Pfarrei Nkombo einzuladen. (red)

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