Geistliches Leben

Freitag, 24. Januar 2020

Mit seinem Leben im Reinen

Wer Jesus als den Christus erkennt, kann getrost alles in seine Hände legen

Oft schon habe ich das „Nunc dimitis“, den Lobgesang des Simeon, gebetet. „Nunc dimitis“ sind dessen Anfangsworte in der lateinischen Übersetzung. Er ist fester Bestandteil des Stundengebetes der Kirche und hat seinen Sitz in der Komplet, dem Abendgebet. Zusammen mit dem Magnificat (Vesper: Lk  1, 46–55) und dem Benedictus (Laudes: Lk 1, 68–79), bilden diese Loblieder aus dem Lukasevangelium, neben den Psalmen einen Kernpunkt des Stundengebets. Wenn auch die Psalmen wechseln: Diese drei Loblieder bleiben konstant.
In meiner Studienzeit war mir die Komplet immer die wichtigste Gebetszeit. Im Priesterseminar in Mainz waren wir gehalten, das Stundengebet zu praktizieren. Es gehört zum priesterlichen Dienst dazu. So verpflichten sich alle Priester bei ihrer Weihe das Stundengebet als immerwährendes Gebet der Kirche zu praktizieren. Auch wenn es manchmal schwer fiel immer zur gleichen Zeit, um 21 Uhr, daran teilnehmen zu müssen. Schließlich machte das einen Kinobesuch mit Freunden am Abend nahezu unmöglich. Es hat etwas gedauert, bis ich mir die nötige Freiheit zutraute, die Komplet auch alleine in meinem Zimmer nach 23 Uhr zu beten, wo sie dann automatisch zum „Gebet auf der Bettkante“ wurde. Der erste Vers, war mir dabei immer besonders lieb: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden…“.  Dabei habe ich meinen Schlaf immer als Memento Mori verstanden, denn der Schlaf eines Menschen ist immer auch ein wenig wie sterben. Niemand hat die Gewissheit am Ende des Schlafes noch einmal aufzuwachen. Viele Menschen sterben im Schlaf, was oft als „schöner Tod“ empfunden wird. Nicht von ungefähr sprechen wir vom Tod als „Schlafes Bruder“. Der Text des Nunc Dimitis ermuntert uns, dazu die Haltung Simeons einzunehmen.
Simeon wurde verheißen „er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias gesehen habe“ (Lk 2, 26). Nun kommt dieser Jesus in seinen Tempel und er erkennt in ihm den, der ihm verheißen war.  Mit anderen Worten: Jetzt kann Simeon sterben. Simeon hat in seinem Leben sicher schon vieles erlebt und gesehen, aber auf dieses eine musste er doch warten. Nun, da es so weit ist, kann er diese Welt hinter sich lassen. Auch wenn er jetzt sterben wird, was ja eigentlich Grund genug für Angst oder Traurigkeit böte, so kann man in den Versen Simeons nichts dergleichen entdecken. Ganz im Gegenteil. Seine Haltung ist ganz anders, so spricht ein Mensch, der mit sich und seinem Leben im Reinen ist. So spricht ein Mensch der keine Angst vor dem Tod hat. Der nicht zurückschaut, sondern in die Zukunft.
Diese Haltung hat mich immer beeindruckt. Egal wie dein Leben bisher verlaufen ist, egal was der Tag dir heute an Ärger oder Freude, an Trauer und Leid gebracht haben mag, all das ist vergangen, und das, was kommen wird, kannst Du getrost in die Hände Gottes legen, weil Du dort gut aufgehoben bist. Mich erinnert diese Haltung Simeons auch an einen Lobgesang aus neuerer Zeit aus der Feder Dietrich Bonhoeffers: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr!“

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