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Donnerstag, 15. September 2016

Neue Gesichter, neue Ämter

Katholische Bischöfe kommen zur Herbstvollversammlung in Fulda zusammen

Die deutschen Bischöfe treffen sich in Fulda zu ihrer Herbstversammlung – mit wichtigen Personalentscheidungen auf der Tagesordnung. Foto: dapd

Personalentscheidungen, Flüchtlinge, Armut und Reformationsgedenken: Das sind die Themen bei der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda. Bei Wahlen geht es auch um Richtungsentscheidungen.

Von Limburg nach Fulda sind es mit dem Auto gerade 160 Kilometer. Dennoch wird Georg Bätzing seine nächste Reise von der Lahn an die Fulda nicht vergessen. Denn am Sonntag (18. September) wird der bisherige Generalvikar des Bistums Trier in Limburg zum Bischof geweiht. Und schon einen Tag später wird er in seiner neuen Funktion erstmals an einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz teilnehmen.

Bätzings Premiere ist nicht die einzige personelle Veränderung im Gremium der 66 Kardinäle, Bischöfe und Weihbischöfe, die sich bis Donnerstag (22. September) zur traditionellen Herbstvollversammlung am Grab des heiligen Bonifatius treffen. Auf der Tagesordnung stehen wichtige Personalentscheidungen: Die Vorsitzenden und Mitglieder der 14 Kommissionen sowie der Unterkommissionen werden turnusgemäß neu gewählt.

Was eher technisch klingt, könnte sich durchaus als Richtungsentscheidung interpretieren lassen – zumal Papst Franziskus ja angedeutet hat, dass er den Bischofskonferenzen mehr Handlungs- und Entscheidungsfreiheit zubilligen könnte.

Die größte Bedeutung dürfte dem Vorsitz der Glaubenskommission zukommen, die sich auch mit dogmatischen Fragen befasst. Bisher wurde sie vom inzwischen aus Altersgründen ausgeschiedenen Mainzer Kardinal Karl Lehmann geleitet. Vom theologischen Fachwissen her böte sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer als Nachfolger an – ein Oberhirte, der für eher konservativere Positionen steht als Lehmann. Offen ist auch, wer den ausgeschiedenen Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff an der Spitze der Kommission für Wissenschaft und Kultur sowie der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum beerbt.

Dass der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle noch einmal zum Migrationsbischof gewählt wird, dürfte ebenso unwahrscheinlich sein wie die erneute Wahl des gleichaltrigen Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann an die Spitze der Liturgiekommission. Beide erreichen im kommenden Jahr das für Bischöfe übliche Rücktrittsalter von 75 Jahren. Der bisherige Münsteraner Weihbischof Heinrich Timmerevers, der gerade das Bischofsamt im Bistum Dresden-Meißen übernommen hat, wird vermutlich den Vorsitz einer Kommission übernehmen.

Ein Jahr nach Angela Merkels berühmtem Satz „Wir schaffen das“ befasst sich die Bischofskonferenz erneut mit der Flüchtlingsthematik. Schon 2015 hatte diese die Herbstvollversammlung dominiert: Damals verwies ein Kreuz aus Planken eines gestrandeten Flüchtlingsboots aus Lampedusa im Sitzungssaal auf das Leid der Flüchtlinge. Am Fuldaer Domplatz erinnerte ein Banner mit einem Franziskus-Zitat an die christliche Pflicht zur Hilfe.

Wiederholt haben sich die Bischöfe seitdem hinter Merkels Flüchtlingspolitik gestellt. Gerade erst hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki der Bundeskanzlerin Lob für ihren Satz gezollt. Gast der Bischöfe ist diesmal der Erzbischof der chaldäisch-katholischen Kirche von Erbil (Irak), Bashar Warda. Er wird über die Lage der Christen im Nordirak informieren.

Beim traditionellen Studientag folgen die Bischöfe der Aufforderung von Papst Franziskus, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen: „Gemeinsam mit Gott hören wir einen Schrei - Armut und Ausgrenzung als Herausforderung für die Kirche und ihre Caritas“, heißt das Thema.

Kurz vor dem Start des Erinnerungsjahrs zu 500 Jahren Reformation wollen die Bischöfe zudem über die katholische Beteiligung am Reformationsgedenken beraten. Zugleich will Erfurts Altbischof Joachim Wanke die in diesem Herbst erscheinende revidierte katholische Einheitsübersetzung der Bibel vorstellen. Sie gilt als „verbindliche Fassung“ für Liturgie, Schule, Familie und Seelsorge und bringt laut Wanke an vielen Stellen Fortschritte an Genauigkeit, Texttreue und zeitgemäßer Verständlichkeit.

Ebenfalls im Herbst erscheint die revidierte Lutherbibel der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese hatte 2005 beschlossen, sich nicht an der Überarbeitung der Einheitsübersetzung zu beteiligen, wie sie es beim Neuen Testament und den Psalmen der Vorgänger-Fassung getan hatte. (Christoph Arens, KNA)

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