Silbermöwe

Donnerstag, 07. Juli 2016

Nur jedes zweite geflüchtete Kind geht zur Schule

In vielen Kriegs- und Notgebieten wächst eine Generation ohne Hoffnung und Perspektiven heran

Flüchtlinge brauchen Hilfe und unsere Unterstützung. Foto: actionpress

Weltweit besucht nur die Hälfte der minderjährigen Flüchtlinge eine Schule. Das zeigt die Studie „No more excuses“(„Keine Ausreden mehr“), die in diesen Tagen das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Unesco vorgestellt haben. Demnach werden 2,3 Milliarden US-Dollar (2,05 Milliarden Euro) benötigt, um den Bildungsbedarf von geflüchteten Kindern und Jugendlichen decken zu können.

Auch geflüchtete Kinder hätten „selbstverständlich“ ein Recht auf Bildung, betonte das Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission (DUK), Walter Hirche. Die Bildungssysteme stünden wegen der hohen Flüchtlingszahlen weltweit unter Druck. In Deutschland gelte das Schulbesuchsrecht bereits vom ersten Tag an, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Daraus ergebe sich ein Bedarf von rund 20000 neuen Lehrkräften. Dieser „teils mühsame Weg“ müsse weiter beschritten werden, betonte Hirche. „Denn Bildung ist der Schlüssel für Integration.“

Weltweit beschreibt die Studie erhebliche regionale Unterschiede beim Schulzugang für geflüchtete Kinder. In Ägypten, dem Iran und im Jemen besuchen demnach 80 Prozent der Kinder im Grundschulalter eine Schule; in Äthiopien waren es 56 und in Pakistan 43 Prozent. Der Zugang zur Sekundarschulbildung sei begrenzter: So gingen in Kenia, Pakistan und Bangladesch weniger als fünf Prozent der geflüchteten Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren zur Schule.

Wenige Daten sind zu den innerhalb eines Landes vertriebenen Menschen verfügbar. Statistiken über Nigeria für 2015 zeigten beispielsweise, dass von Boko Haram vertriebene Kinder in 19 von 42 Flüchtlingscamps innerhalb des Landes keinerlei Zugang zu Bildung hätten.

Experten sehen in der Tatsache, dass in manchen Konflikt- und Notregionen ganze Generationen von jungen Menschen keinen geregelten Zugang zu Bildung haben, eine der schwerwiegendsten Hypotheken für die Zukunft der Einzelnen und deren Völker  insgesamt. Hinzu komme, dass hier der Nährboden für Gewalt und Terrorismus gelegt werde.

Die Autoren der Studie forderten mit Verweis auf den ersten Humanitären Weltgipfel, der kürzlich in Istanbul stattgefunden hat, die Festschreibung des Rechts auf Bildung für gewaltsam Vertriebene. Kinder und Jugendliche müssten in nationale Bildungssysteme integriert, die bestehenden Angebote flexibilisiert werden. Zentral seien zudem ausgebildete und motivierte Lehrkräfte. (pil/kna)

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