Geistliches Leben

Mittwoch, 24. April 2019

Ostern braucht Bekenntnis

Gedanken zum Johannes-Evangelium 20, 19–31 von Dr. Helmut Husenbeth

Dieses Evangelium von der Begegnung des Thomas mit dem Auferstandenen hat einen überwältigenden Rahmen. Zu Beginn begrüßt Jesus die Jünger mit seiner Botschaft: „Friede sei mit euch!“ Dies ist, nach Karfreitag und Ostern, viel mehr als ein üblicher Gruß, es ist Zusage, Trost und Auftrag zugleich – ein Auftrag an die Jünger und an diese Welt.Besonders auch für uns Christen ist es eine ständige Mahnung und Herausforderung, am Frieden mit Gott, am Frieden der Menschen untereinander und am Frieden mit uns selbst zu arbeiten. Trostvolle Zusage ist uns das Friedenswort des Auferstandenen allemal.

Das im Evangelium des Johannes geschilderte Ereignis der Begegnung Jesu mit den Jüngern endet, wie das gesamte Evangelium, mit dem spontanen Bekenntnis des Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ sowie mit der Seligpreisung derer, die glauben und durch den Glauben das Leben haben. Christus zeigt sich seinen Jüngern, er bleibt nicht im Tod. Er ist den Jüngern ganz nah – in ihm haben sie Glauben und Leben. Das ist Ostern – ein gnadenhaftes Geschenk.

Aber das alles ist nicht einfach das „Happy-End“ des fürchterlichen Geschehens vom Karfreitag. Die verschiedenen Begegnungsberichte sagen uns ja, dass sich nicht nur bei Thomas Fragen, Zweifel und Unsicherheiten auftaten. Auch die anderen Jünger sind zunächst verwirrt und voller Angst. Ihr Vertrauen wankt. Und der Zweifel des Thomas, der nach Berührung und Bestätigung sucht, ist verständlich.

Wie es damals dem Jüngerkreis Jesu erging,  insbesondere dem fragenden, suchenden Thomas, so ergeht es auch heute vielen von uns. Angesichts einer wankenden, gewalttätigen Welt, einer schuldhaften Kirche, kann auch unser Glaube wankend werden. Fragen und Zweifel können uns beherrschen und lähmen. Wie Thomas versuchen wir, versuchen Zweifelnde dann, sich tastend an den Glauben anzunähern.  Wir versuchen, Halt zu finden in einer haltlosen Welt des Unrechts, der physischen Ausbeutung der Armen und der psychischen Ausbeutung Abhängiger, Halt in einer Welt der Gewalt, von nicht enden wollendem Hunger, von Not und Elend.

All diesem unserem Zweifel und Suchen nach Glauben, gutem Leben und Handeln ist in der Person des Thomas Raum gegeben. Skepsis, Fragen und Zweifel dürfen sein – ja, sie sind ur-biblisch. Die Fragen und Zweifel des Thomas werden nicht beiseite geschoben – sie sind Teil der Glaubens-Suche nach Ostern.

Dies gilt auch für unseren eigenen Glauben und unser Leben. Wir dürfen Fragen stellen. Wer nicht fragt, bleibt stehen – er kommt nicht voran, kommt nicht heraus aus seiner Enge.
Die trostvolle Gewissheit, von guten Mächten geborgen zu sein, kann uns schwinden. Aber wir müssen nicht in der Resignation stecken bleiben. Auch Thomas kommt aus seinem Zweifel heraus. Wie? In der Gemeinschaft der Jünger und in der Nähe zum Auferstandenen findet er in den Osterglauben. Die Wunden des Karfreitag sind noch sichtbar. Unrecht, Leid, Schmerz und Grauen werden nicht verdeckt, aber die Begegnung mit dem Auferstandenen führt über all das hinaus. Das haben auch die Emmausjünger erfahren dürfen. Ostern gibt uns Hoffnung, nicht bei all dem Schlimmen und Sinnlosen in dieser Welt stehen bleiben zu müssen. Auf die Dunkelheit des Karfreitag folgt das Osterlicht – und das darf auch für jeden von uns leuchten.    

Die Osterbotschaft der Auferstehung weckt Freude. Wir bleiben nicht in Kreuz und Leid stehen. Allen Suchenden und Fragenden, damals wie heute, wird Mut zugesprochen, den Glauben zu wagen. Auch wenn Zweifel unser Leben begleiten.

Wer zweifelt, lässt Fragen zu – aber er erhält auch Antworten: aus der Gemeinschaft der Mit-Suchenden und der Mit-Glaubenden – und aus der Begegnung mit dem Auferstandenen, der uns zusagt: „Friede“ – an Ostern und im Leben über Ostern hinaus.  

(Dr. Helmut Husenbeth, Studiendirektor i.R.)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Dr. Helmut Husenbeth
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren